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Auerbach's Dorfgeschichten
Entstehung
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Was habt Ihr für Beweise, daß der da den Maiengesetzt hat?"

,,3ed' Kind im Dorf, die Ziegel auf dem Dach wifsen's,daß der Mathes zu dem Aivle geht; nichts für ungut,aber ich mein', das Kürzeste wär', man läßt das Aivlekommen, da wird er's nimmer läugncn, er kann keinenauf die Gabel nehmen,*) daß es nicht wahr ist."

Als der Mathes das hörte, sperrte er die Augen weitauf und seine Lippen zuckten, aber er schwieg. Der Amt-mann war eine Zeit lang stutzig, er erkannte das Unge-hörige eines solchen Beweismittels wohl; aber er wollteein Exempel statuiren," wie er sich in der Gerichtsspracheausdrückte.

Nachdem Mathes, der Soges, nebst den herkömmlichenzwei Gerichtsschöppen oder wie man sie bei uns heißt,Gerichtsbeischläfer das Protokoll unterschrieben hatten,war das Verhör geschlossen. Mathes hatte den Muthnicht, seine frühere Forderung in Betreff der Schimpfredendes Oberamtmanns zu wiederholen, er wurde abermals indas Gefängniß abgeführt.

Es war schon spät gegen Abend, da saß das Aivleoben an der Stiege und schaute hinüber nach dem Thurmeauf dem Berge jenseits; es meinte, der Mathes müsse dochendlich kommen. Es saß hinter einer Hecke, um von denLeuten nicht gesehen und befragt zu werden. Da sah esden Soges die Bergwiese heraufkommen, es ging nach derStraße, der Soges winkte ihm zu, es sprang ihm schnellentgegen.

Thür stet, **) Aivle," rief der Soges,ich hab' dirnur sagen wollen, du sparst mir einen Gang, du mußtmorgen früh um acht Uhr vor Oberamt."

Das Aivle stand leichenblaß da und schaute wie ver-wirrt drein, dann rannte es schnell den Berg hinab undhielt erst unten am Neckar inne; es blickte sich verwundert

*) Einen auf die Gabel nehmen, so viel als einen Eid schwören; von

dem Bilde der erhobenen drei Finger genommen.

*') Geh langsam.