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Auerbach's Dorfgeschichten
Entstehung
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Lebenskern angefressen. Ost halbe Tage saß er in seinemgroßen Lehnstuhle und redete kein Wort, nur bisweilenmurmelte er ein paar unverständliche Worte mit seinemHunde Mohrlc, der, den Kopf auf seines Herrn Schooßgelegt, mit treuen Augen nach ihm aufschaute.

Vefele konnte nicht immer um den Vater sein, undsetzt in seiner Krankheit fühlte er doppelt und dreifach,wie vereinsamt und abgeschnitten er von aller Welt war.Gerade wie es vielen Menschen ergeht, die, so lange siegesund und glücklich sind, oft von Gott verlassen so inden Tag hineinleben, wenn aber Krankheit und Unglücküber sie kommen, um so schmerzlicher nach Gott, ja sogaroft nach dem falschen Gott des Aberglaubens ringen: soerging es in anderer Weise dem Schloßbauer. Er hatte,so lange er gesund war, von den Menschen verlassen ge-lebt, und sich wenig darum bekümmert; jetzt wäre es ihmüberaus lieb gewesen, wenn irgend einer, wer es auchsei, mit ihm seine warme Stube getheilt hätte, und wennsie sich gegenseitig nur hätten eine Prise Tabak bietenkönnen. Der Schloßbauer legte sich in das Fenster undschaute hinaus, er hustete wenn Einer vorüberging; aberNiemand grüßte, Niemand kam. Er machte dann immerwieder mißmuthig das Fenster zu.

Es war zwei Tage vor Neujahr, Vefele war mit derMagd am Rathhausbrunnen, um Wasser zu holen; eszwang sich absichtlich zu dieser groben Arbeit, weil esgehört hatte, daß die Leute im Dorfe sagten, es schämesich einer solchen. Eben hatte es seinen Kübel voll ge-pumpt, da sagte die Magd:Guck', der do mit den dop-pelten Augen, des ist g'wiß der neu Feldscherer." Einmodisch gekleideter Herr kam das Dorf herab, er trugeine Brille auf der Nase. Eben als er an den beidenMädchen vorüberging, nahm Vefele das Wasser auf denKopf, aber durch einen unglücklichen Tritt glitt es aufdem Glatteise aus, fiel auf den Boden und ward ganzdurchnäßt. Als Vefele sich wieder aufrichtete, stand derfremde Herr bei ihm, er reichte ihm die Hand und hob