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Abgeschiedenheit, um seinen fürstlichen Freund, wie Deutschland um eine seiner herrlichstenZierden, trauert; Olbers, der zwei Weltkörper da entdeckt hat, wo er sie zu suchen gelehrt;den gröfsten Anatomen unseres Zeitalters, Sömmerring, der mit gleichem Eifer die Wunderdes organischen Baues, -wie der Sonnenfackeln und Sonnenflecke (Verdichtungen und Oeff-nungen im wallenden Lichtmeere) durchspäht; Blumenbach, auch meinen Lehrer, der durchseine Werke und das belebende Wort überall die Liebe zur vergleichenden Anatomie, Phy-siologie und gesammten Naturkunde angefacht, und wie ein heiliges Feuer, länger als einhalbes Jahrhundert, sorgsam gepflegt hat. Konnte ich der Versuchung widerstehen, da dieGegenwart solcher Männer uns nicht vergönnt ist, wenigstens durch Namen, welche dieNachwelt wiedersagen wird, meine Rede zu schmücken?
Diese Betrachtungen über den geistigen Reichthum des Vaterlandes, und die davon ab-hängige fortschreitende Entwickelung unsers Instituts, leiten unwillkührlich auf die Hinder-nisse, die ein gröfserer Umfang (die anwachsende Zahl der Mitarbeiter) der Ausführungeines ernsten wissenschaftlichen Unternehmens scheinbar cntgegenstellen. Der Hauptzweckdes Vereins (Sie haben es selbst an ihrem Stiftungstage ausgesprochen) bestehet nicht, wie inandern Akademien, die eine geschlossene Einheit bilden, in gegenseitiger Mitlheilung vonAbhandlungen, in zahlreichen Vorlesungen, die alle zum Drucke bestimmt, nach mehr alsJahresfrist in eignen Sammlungen erscheinen. Der Hauptzweck dieser Gesellschaft ist diepersönliche Annäherung derer, welche dasselbe Feld der Wissenschaften bearbeiten; die münd-liche und darum mehr anregende Auswechselung von Ideen, sie mögen sich als Thatsachcn,Meinungen oder Zweifel darstellen; die Gründung freundschaftlicher Verhältnisse, welcheden Wissenschaften Licht, dem Leben heitre Animith, den Sitten Duldsamkeit und Mildegewähren.
Bei einem Stamme, der sich zur schönsten geistigen Individualität erhoben hatte, unddessen spätesten Nachkommen, wie aus dem Schiffbruche der Völker gerettet, wir noch heuteunsre bangen Wünsche weihen, in der Blüthezeil des hellenischen Alterthums, offenbarte sicham kräftigsten der Unterschied zwischen Wort und Schrift. Nicht die Schwierigkeit desIdeenverkehrs allein, nicht die Entbehrung einer deutschen Kunst, die den Gedanken, wieauf Flügeln durch den Raum verbreitet und ihm lange Dauer verheifst, geboten damals denFreunden der Philosophie und Naturkunde, Hellas, oder die dorischen und ionischen Kolo-nien in Grofs-Griechenland und Klein-Asien, auf langen Reisen zu durchwandern. Das alteGeschlecht kannte den Werth des lebendigen Wortes, den begeisternden Einflufs, welchendurch ihre Nähe hohe Meisterschaft ausübt, und die aufhellende Macht des Gesprächs, wennes unvorbereitet, frei und schonend zugleich, das Gewebe wissenschaftlicher Meinungen undZw'eifcl durchläuft. Entschleierung der Wahrheit ist ohne Divergenz der Meinungen nichtdenkbar, weil die Wahrheit nicht in ihrem ganzen Umfang, auf einmal, und von allen zu-gleich, erkannt wird. Jeder Schritt, der den Naturforscher seinem Ziele zu nähern scheint,führt ihn an den Eingang neuer Labyrinthe. Die Masse der Zweifel wird nicht gemindert,sie verbreitet sich nur, wie ein beweglicher Nebelduft, über andre und andre Gebiete. Wergolden die Zeit nennt, wo Verschiedenheit der Ansichten, oder wie man sich wohl auszu-drücken pflegt, der Zwist der Gelehrten, geschlichtet sein wird, hat von den Bedürfnissender Wissenschaft, von ihrem rastlosen Fortschreiten, eben so wenig einen klaren Begriff, alsderjenige, welcher, in träger Selbstzufriedenheit, sich rühmt, in der Geognosie, Chemie oderPhysiologie, seit mehreren Jahrzehcndcn, dieselben Meinungen zu vertheidigen.
Die Gründer dieser Gesellschaft haben, in wahrem und tiefem Gefühle der Einheit derNatur, alle Zweige des physikalischen Wissens (des beschreibenden, messenden und experi-mentirenden) innigst mit einander vereinigt. Die Benennungen Naturforscher und Arzte sinddaher hier fast synonym. Durch irdische Bande an den Typus niederer Gebilde gekettet.