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10 (1830) Schw bis Sz
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System

letztem Sinne redet man von einem Weltsystem, Planetensystem, von einem Ner-vensystem rc. Das System nach b) ist die wissenschaftliche Form und gleichsamder Körper der Wissenschaft, denn die Wissenschaft in ihrer vollkommenen Gestal-tung wird System. Dieses steht dem fragmentarischen Wissen und der ungere-gelten Anhäufung von Kenntnissen entgegen, insofern das wahre System als einorganisches Ganzes zu betrachten ist, dessen Thcile sich innerlich gegenseitig bedin-gen, sowie sie durch die Idee des Ganzen bestimmt werden. Das Streben nachSystem ist aber gegründet auf das allgemeine Bedürfniß der Einheit, welches imErkennen um so dringender wird, je mehr sich die Masse unserer Erkenntnisse häuftund je mehr man die Einsicht gewinnt, daß mit der gesetzmäßigen Beziehung unsererErkenntnisse aufGrundsätze unsere Erkenntnisse selbst an Klarheit und Gründlich-keit zunehmen. Diejenigen verläugnen daher die Wissenschaft oder verstehen sichselbst nicht, welche im Gebiete der Wissenschaft das System tadeln, da doch allesGeistige seine eigenthümliche Form hat, mithin auch die Wissenschaft, deren Or-gan, der Verstand, die Begriffe, durch welche sich die Erkenntniß entwickelt undmittheilt, sich auf gesetzmäßige, d. i. logische Weise individualisirt durch ihren be-sonder» Inhalt organisiren soll, wodurch das System, als das höchste Erzeugnißdes Verstandes, entsteht. Freilich ist die Form an sich todt, und eine noch so gesetz-mäßige und klare Begriffsentwickelung ohne Geist und Sachkenntniß ist noch keineWissenschaft, sowie der logisch-richtige Schluß noch kein wahrer ist. Freilich stelltsich das System in der Wirklichkeit als Versuch individuellerDenker dar, und maneilt oft sehr, um eine unvollständige und oberflächliche Kenntniß in jene Form zubringen und durch die zwingende Kraft des folgerichtigen Systems Andersdenkendezu gewinnen oder seinen Scharfsinn geltend zu machen. Freilich ist die System-sucht, welche Etwas nur dann als wahr anerkennt, wenn es in das System paßt,alles nicht Systematische aber an sich verwirft und verachtet, der Wahrheitsliebeund Freiheit deS menschlichen Geistes zuwider. Allein dieser Mißbrauch der wissen-schaftlichen Form kann das Bedürfniß und den Werth derselben keineswegs auf-heben. Wie aber in der Wissenschaft Form und Materie verschmolzen sind, zeigtsich selbst dadurch, daß wir, wenn von Systemen einer Wissenschaft die Rede ist,darunter nicht allein die logische Anordnung eines gegebenen Inhalts, sondern zu-gleich die damit verbundene eigenthümliche Ansicht über die Gegenstände derselbenverstehen (System in materieller Bedeutung oder Lehrgebäude); nur daß beiWissenschaften, deren Inhalt positiv und empirisch ist, die Form mehr durch den ge-gebenen Inhalt bestimmt wird, dagegen die philosophische Wissenschaft, als durchgeistige Sclbstthätigkeit erzeugt, Inhalt und Form freier ausbildet, woher sich auchdie großen Verschiedenheiten der philos. Systeme, sowie der Haß Einiger gegenletztere, erklären läßt. Übrigens erhellt zugleich aus dem Gesagten, daß es in allenWissenschaften Systeme geben könne und werde; nur daß sie, nach Beschaffenheitdes Inhalts, mehr oder weniger streng ausgebildct sind. So redet man z.B. vonmythologischen Systemen, von Systemen in den Naturwissenschaften, wie vondem Linnö'schen botanischen System (Classification), von den astronomischen Sy-stemen des Kopernicus, Tycho de Brahe und Ptolcmäus (s. Astronomie),welche nichts Andres sind als verschiedene Anordnungen der Himmelskörper undBestimmung ihrer Bahnen; von Systemen der Chemie und Mineralogie, ebensowie von militairischen Systemen rc., und versteht dann unter Systemen nicht bloßdie durch eigenthümliche Grundsätze bestimmten und geleiteten Ansichten eine«Einzelnen, sondern auch mehrer gleichdenkender oder in den Hauptsachen überein-stimmender Männer, wie wenn man z. B.von einem alten dogmatischen Systemin der Theologie redet. Wird nun ein System auch förmlich dargestellt, so sind dieHauptbestandtheile desselben: 1) eine Grundidee, welche daS Princip aller unter-geordneten Erkenntnisse ist; 2) eine Mannigfaltigkeit von Erkenntnissen, welch?