308
Gesichtspunkte blieb die religiöse Färbung, die den Staut eigen-thmnlich charakterisirtc, oft bis zum Uebcrmaaß in Frighc.
Aber die unglückliche Negierung Mosiansers hatte dicSAllcS zertrümmert und nur unvcrbnndcnc Reste der früherenBildungen aufrecht erhalten. Die geistliche Kraft des Chalifa-tes war untcrgegangcn und weder die weltliche Gewalt konntegegen die Willkühr der Wesire, noch die Ehrfurcht des Bottesgegen die herrschende religiöse Indifferenz behauptet werden.Nothdürftig und mit Mühe wurde die Verwaltung Aegyptenswieder geordnet: der Wesir Bcdr, von entschiedenem admini-strativem Talente, durfte dabei kein Mittel scheuen und brachtemit aller Gewissenlosigkeit die Einnahme des Reichs schwerlichüber eine Million Dinare a?). Der Krieg gegen die Sunnitenendlich nahm die unglücklichste Wendung. Einmal, wie wirsahen, gingen die anßerafrieanischcn Besitzungen verloren; inSyrien errettete man nur wenige Küstenstadte, wie Ascalon,Tyrns, Gibcllnm und Tripolis; und wenigstens eine Zeitlangbüßte man mit Mekka der heiligen Stadt auch den Einfluß aufArabien ein -i»), Dann waren selbst die glücklichen Erfolgesolcher Art, daß sie dem Reiche weder Vortheil noch Ehre zu-znwcndcn vermochten: die Assassincn, die seit 1090 von ihrenFclsklippen und Bergschlöff'ern in Persien die Kraft der Sul-tane lahmten und dann in Syrien eine starke Partei zur An-erkennung des schiitischcn Chalifen nöthigten, lebten in derThat doch völlig nach eigner Willkühr und nur im Bundemit ihnen zu stehn, gereichte dem geordneten Staate zumSchimpf. Das Verhaltniß zwischen Kahira und Haleb, erwach-sen auf solcher Grundlage, war auch an sich nicht besseren Ge-haltes : Ridwan, um religiöse oder politische Grundsätze wenig
47) unter Baznri betrug die gesammte Einnahme zwei Milt., wovon dieHälfte auf Syrien kam. ülueriri bei Schlosser III. 1 s,. 99. Seit-dem war Syrien verloren gegangen und Nasr ed dewleks unglücklicheVerwaltung hatte Statt gehabt.
48) Von 1009-1975, Nehm Mittelalter II. 2. p. 298.