bekümmert, hatte nur nach dem Bedürfnisse des Augenblicksgehandelt; in Aegypten dachte man stets der alten syriscbenHerrschaft und hoffte gerade durch die Verbindung den Wegzur Unterwerfung zu ebnen. Die felgenden Ereignisse werdenzeigen, daß man Jerusalem, die Stadt, der auch unser Interessezunächst gewidmet ist, vorzugsweise im Auge hatte.
Uebcrhaupt war diese Absicht auf Syrien damals der ein-zige Punkt, an dem noch eine Nbcnsthatigkeit des ägyptischenReiches zur Erscheinung kam. Man fühlte sich schwach anäußerer Macht, dafür aber durch keine Rücksicht des Gewissensinnerlich gebunden. Mit allen Mitteln, die sich darbicte» wür-den, gedachte der Wesir al Afdal diesen Zweck zu verwirk-lichen. Der Chalif Mostali hatte so wenig wie sein VaterMostanser Kraft oder Neigung, das Verfahren seines Würden-trägers zu modificircn.
Das war die Lage des Morgenlandes, als die Völker derlateinischen Christenheit ihre Rüstung beendigten und sichzum Beginne des Angriffs erhoben. Man wird nicht in Ab-rede stellen, daß Urban II. ans richtiger Einsicht oder umfas-sendem Glücke den günstigsten Moment erwählt hatte und seineKrieger ain Ende des Jahrs 1096 unter hoffnungsvollen Aus-sichten znm Kampfe entlassen durfte. Freilich im griechischenReiche, dem man steh doch verbündet wünschte, war wenig aufnachhaltige Hülfe, aber bei etwaigem Zwiespalt noch wenigerauf bedenklichen Widerstand zu rechnen. Und nun Asten: allerOrten fand man 'die Trümmer zerbrochener Größe, die Erb-schaften Mclekschahs und der früheren Fatimiden, um derenThcilc von zahllosen Prätendenten ein heftiger Streit ohneEntscheidung und Voraussicht gekämpft wurde. Die geistigeBildung, die noch im Anfang des Jahrhunderts den persischenDynastien Haltung und Farbe gegeben batte, war der Roh-heit der Soldaten und der Barbarei der Tnrkmancn, der geist-liche Enthusiasmus, welcher vor Zeiten Abbassiden und Fatimi-