Druckschrift 
Geschichte des ersten Kreuzzugs
Entstehung
Seite
184
Einzelbild herunterladen
 

184

>

cale Parteien. Im Osten warf Ungarn 1062 den Nchnsvcr-band ab, der cs bis dahin an Deutschland gefesselt hatte, 1066vernichteten die Slaven die mühsam gepflanzten StiftungenErzbischof Adalberts von Bremen, in Scandinavicn hatte dasChristenthnm um dieselbe Zeit gefährliche Kämpfe zu bestehn 2 ).Es schien, als würde die innere Einheit der germanischen undromanischen Nationen 3) jeden sichtbaren Ausdruck ihres Da-seins in Kurzem eingebüßt haben.

Es sind nun bekannte Dinge, wie neben der Richtung anslocale Selbstständigkeit das Gefühl des Zusammenhangs immernoch lebendig blieb, wie cs vor Allem in der Entwicklung derKirche Gestalt gewann, und wie endlich Gregor VII. in derEinsetzung seiner Hierarchie die Einheit des Abendlandes vonNeuem gewaltig aussprach. An diesem Punkte beginnt unsreUntersuchung; wir können uns, so vielfach der Gegenstand auchbesprochen worden ist, einer nähern Betrachtung von GregorsZwecken nicht entziehen. Denn alle Debatten haben mir zuschärferer Trennung der entgegengesetzten Ansichten gedient, undwer zu irgend welchem Zwecke sich ein Urtheil über ihn bildenwill, muß stets von Neuem die Quellen um unbezwcifclte, un-zweideutige Thatsacheu angehen.

Gregor.

Fürs Erste denke ich mich hier auf den Scclenzustand, ausdem die Thätigkcit Gregors hcrvorging, nicht einzulassen, wohlaber auf die Frage, ob sein Ziel, wie man cs oft behauptethat, einzig die Befreiung der Kirche von weltlicher Herrschaftodcr ob cs die Gründung einer Theocratie, eines weltlichenRegiments auf geistlichem Grunde gewesen. Ob alles weltlicheTreiben, welches seine Tage erfüllte, nur als unvermeidlichesMittel für höhere, geistige Zwecke, odcr ob es als wesentlicher

2) Adam von Bremen gibt hierüber ausführliche Nachrichten.

3) Ich gebrauche den Ausdruck, weil Slaven und Ungarn nur in ihremVcrhältniß zu Deutschland eine weltgeschichtliche Bedeutung hatten.