185
Bestaudthcil in der seltsamsten nnd zugleich gewaltigsten Mi-schung irdischer nnd himmlischer Elemente erschienen ist. Soviel ich nun erkenne, braucht es nur unbefangenen Hinsehens,um zu einer Entscheidung zu gelangen: er selbst hat von demersten Momente seines Pontifieates an seine Zeitgenossen nichtim Zweifel über seine Absichten gelassen. Er wollte Freiheitder Kirche als eines fest geschlossenen, nur dem Papste dienen-den Ganzen; aber ans dieser Grundlage schritt er fort zu einerOberhoheit über alle Lande christlichen Glaubens, zu der Ver-nichtung aller damit concurrirendcn weltlichen Macht, zu derHerrschaft der Erde mit einem Worte, als Inhaber einerunmittelbar vom Himmel entstammten Gewalt. Schon dasVerbot der Laieninvcsiitnr mußte ihm, wie klar vor Augen liegt,eine Fülle auch irdischer Herrschaft in die Hand legen, wie siekein andrer Fürst jener Tage besaß; daneben forderte er nunde» Lehnscid fast von allen Königen des Abendlandes, undgriff, wo er dies unterließ oder ohne Erfolg versuchte, in dieVerwaltung der weltlichen Dinge auf das Entschiedenste ein.Seine Grundidee sprach er aller Orten, in Ermahnung, Be-kämpfung, selbst in seiner Nachgiebigkeit unverkennbar ans.
Er schreibt den spanischen Fürsten und der spanischen Na-tion, von alten Zeiten her sei der heil. Petrus der Herr nndEigenthümer ihres Landes, in den Saracencnkriegcn habe mancs vergessen, jetzt sei die Zeit gekommen, das Recht wieder anf-lcben zu lassen. Nicht anders verfahrt er gegen die östlichenund nördlichen Länder Europas: wenn er nicht geradezu Va-sallenpflicht und Lchnstreue fordert, so redet er von der demheiligen Stuhle gebührenden Obedienz: jedenfalls macht eraller Orten praktische Anwendung seiner Oberhoheit und setztsie in den meisten Fallen durch H. Wie man es dann voneinem Geiste seiner Art erwartet, der nur durch die Größe desZweckes und nie durch die Furcht eines Mißlingens erregt wur-de, scharst er eher seine Ansprüche größer« Mächten gegenüber,
4) Die Siellc» bei Steiizel fränkische Kaiser l. > 1 , 278 ff.