die Wahrheit herzustellcn, indem er hier wegnimmt und dortzusetzt, bis die Ecken wcggcschliffcn nnd flache aber charakter-lose Ebenen gewonnen sind. Wilhelm hat das in den später»Büchern sehr wohl gefühlt, aber freilich erst, als Alberts Ab-weichungen den innersten Kreis seiner Lcbcnsthätigkcit berühr-ten. Er benutzt ihn nämlich in der angegebenen Weise bis zudem Beginne des Reiches; hier verlaßt er ihn mit einem Maleum nie wieder zu ihm zurückzukehrcn. lieber den Grund diesesplötzlichen Mißtrauens äußert er sich nicht, doch glaube ich nichtzu irren, wenn ich sic in Alberts Bericht über den PatriarchenDagobert und Arnulf finde. Wir entwickelten oben die Schärfedes hier erscheinenden Widerspruchs zwischen beiden Schriftstel-lern, wir sahen, mit welcher Vorliebe Wilhelm sich diesen Thei-len seiner Erzählung widmet; hienach kann cs nicht befremden,wenn er seitdem einen Gewährsmann völlig verwirft, der ihmden Angelpunkt seines geschichtlichen Bewußtseins zu zerstörendrohte.
Hätte er die hier gewonnene Ucbcrzeuguug nur auf seineBearbeitung der früher» Geschichten anwcnden mögen. Mankann cs mit Bestimmtheit anssprcchcn, daß einzig durch seinWerk das Ansehn der Sage auf diesen Gebieten für so vieleJahrhunderte fcstgestellt worden ist: der geschichtliche Schein,mit dem er sie umkleidet, hat keinen Gedanken an Mißtrauenanskommcn lassen, der de» ursprünglichen Gestalten der Sagegegenüber sehr bald sich hätte cinstellen müssen. Wie langehätte man sich bei einer Feldhcrrnsehaft Gottfrieds beruhigt,die von Wundern ansgcht, eigentlich nur in Wundern zur Er-scheinung kommt und in wunderbarem Tode ihr Ende findet?Wilhelm unn verfährt auch bei der gcsammtcn Uebcrliefcrungnicht anders, als bei einzelnen Erzählungen. Den mystischenRathschluß Gottes und die Thatsachcn, in denen er sich aus-spricht, übergeht er mit Stillschweigen, im klebrigen nimmt erdie Verherrlichung Gottfrieds ohne Bedenken ans und erschafftso die Ansicht, die bis auf den heutigen Tag in Kraft geblie-ben ist. Der Herzog wird weder durch ausdrückliche Wahl derMenschen noch durch wunderbare Fügung des Himmels dcrAu-
10