Druckschrift 
Geschichte des ersten Kreuzzugs
Entstehung
Seite
143
Einzelbild herunterladen
 

143

Vertrauen für Albert mehr noch als seine Acndernngcn in Er-staunen setzen. Ans der andern Seite, war einmal sein Zweifelnicht kühn genug, Albcrts Nachrichten ganz bei Seite zu wer-fen, so erhielt, jene Abstreifung der poetischen Farbe einmalvollzogen, der trockne Kern der Nachrichten sehr leicht einhistorisches Gewand. Nachdem er das Abenteuer in militairi-sche und politische Planmäßigkeit gebracht, und an die Stellemystischer Begeisterung hierarchische Formen gesetzt hatte, warnur ein Merkmal noch vorhanden, welches den Schluß auf sa-genhafte Natur jener Berichte verstecktet hatte, die Widersprü-che, die sie in sich oder gegen andre Nachrichten enthielten, dieFabeleien, die ohne weiteres mit allen Dcnkgcsetzcn im Streiteerschiene». Gelang cs Wilhelm, diese verschwinden zu machen,so war sein Werk vollbracht und seine Aufgabe gelost. Mitwie wenig Bedenken er zu diesem Ziele hindurchdrang, wirddie Vergleichung mit einigen früher zur Kritik Albcrts ange-führten Stellen sogleich ergeben.

Albert setzt den Frieden zwischen Gottfried und Alcriusin den Januar 1097 und erwähnt ihn gleich darauf als umWeihnachten 1096 abgeschlossen. Wilhelm entfernt die letzteAngabe vollständig und weiß die erste aus sonstigen Quellendann näher fcstzustellcu. Im Ucbrigcn erzählt er die Verhand-lungen mit wörtlicher Treue nach Albert 56).

Die Schlacht von Doryläum beschreibt der Letztere miteinem großen Aufwaudc poetischen aber haltlosen Details;macht uns die Form schon mißtrauisch, so zerfällt der Inhaltvollkommen durch die Vergleichung mit den Quellen. Wilhelmbenutzt sie alle gemeinschaftlich; was Albert betrifft, so läßt erdie poetische Form sogleich fallen und bemerkt auch die Wider-sprüche des Inhalts, ohne jedoch gegen den Bericht im Gan-zen mißtrauisch zu werden. Er schneidet heraus, was amSchärfsten ein fabelhaftes Gepräge zeigt; er tilgt, was offen-bar den Quellen widerspricht und stellt auch wohl beide Nach-richten als verschiedene Darstellungen nebeneinander s?). WaS

56) vv. IV II. 1012.

57) >v. 'IV III. 1215.