2 Boccaccio
liche Liebhaber einer Königstochter, mußte der ihm bestimmte Stand ihn mehr alsje mit Widerwillen erfüllen. Der lebhafte Geschmack, den die Prinzessin an derDichtkunst fand, der vertraute Umgang mit wissenschaftlichen Männern, das Grab-mal Virgil's, das er auf einem Spaziergange bei Neapel erblickte, die GegenwartPetrarca's, der mit höchster Auszeichnung bei Hofe ausgenommen ward, und vonNeapel nach Rom ging, um den Dichterlorber zu empfangen, die Verbindung, wel-che B. mit ihm geschlossen: Alles wirkte mächtig auf seine natürliche Neigung, sichfür Literatur u. Poesie zu entscheiden. Nachdem er 2 Jahre in Florenz bei seinemVater verlebt hatte, kehrte er nach Neapel zurück, wo ihn die Königin Johanna sehrgütig aufnahm. Man glaubt, daß er nicht minder um dieser jungen Königin, alsum seiner Fiammetta zu gefallen, seinen „Veoainvrone" schrieb, der ihn, ohne Ne-benbyhler, zum ersten ital. Prosaiker erhebt. Nachdem ihn seines Vaters Tod zumHerrn seiner Neigungen gemacht hatte, ließ er sich in Florenz nieder, wo seine ersteArbeit die Beschreibung der furchtbaren Pest war, mit welcher er einleitend den „De-cameron" eröffnete. Später schrieb er das Leben des Dante. Er ward gewählt, Pe-trarca nach Padua die Nachricht zu bringen, daß man ihn zurückberufen und dasVermögen seines in der Verbannung gestorbenen Vaters freigegeben habe. Dortwar es, wo Beide eine Freundschaft für ihr ganzes Leben schlossen. Als einigeJahre nachher B. durch den Ankauf kostbarer Bücher und durch Vergnügungensein mäßiges Vermögen erschöpft hatte, fand er in Petrarca die großmüthigsteHülfe; nicht minder war ihm derselbe für seine Schriften und für sein Leben eintrefflicher Rathgeber; ihm dankte er vornehmlich die Veränderung, die in seinemWesen vorging. Ein sterbender Carthäuser hatte ihn zu einer gänzlichen Entsagungaller Freuden der Welt bewogen; Petrarca milderte diesen Entschluß und führte ihnzu einer Mäßigung zurück, welche den echten Weisen auszeichnet. Neue Unruhenin Florenz bewogen ihn, sich nach Eertaldo zurückzuziehen, wo er ein kleines Land-gut besaß, um hier ruhig seine Arbeiten fortzusetzen. Jetzt verfaßte er mehre histori-sche Werke in latein. Sprache. Eins derselben war das erste neuere Werk, worinsich mythologische Nachrichten gesammelt finden, die in den Schriften der Altenzerstreut sind. Er verstand sehr gut die griech. Sprache und hatte auf seine Kostenden Leontius Pilatus aus Thessalonich von Venedig nach Florenz kommen lassen,welchen er 3 Jahre in seinem Hause unterhielt, um von ihm Griechisch zu lernen,den Homer mit ihm zu erklären und von ihm ins Lateinische übersetzen zu lassen.Er hat den Ruhm, daß er zuerst aus Griechenland auf sein^Kosten Abschriftender „Jliade" und der „Odyssee" kommen ließ und weder Mühe noch Aufwand sparte,sich gute griech. und latein. Handschriften zu verschaffen. Zugleich bediente ersich seines ganzen Einflusses, um seine Zeitgenossen zur Erlernung des Griechi-schen anzufeuern und das Studium des Alterthums an die Stelle der Scholastikzu setzen. Das Ansehen, das er sich erworben hatte, war Ursache, daß er 2Mal in wichtigen Angelegenheiten an den Papst Urban V. gesandt wurde. Ervollzog diese Aufträge und kehrte nach Eertaldo zu seinen Studien zurück. Hierbefiel ihn eine langwierige und widrige Krankheit, die ihn noch lange in einemZustande von Abspannung ließ, peinlicher als die Krankheit selbst. Er genas,um eine schwierige, aber für ihn doppelt schmeichelhafte Arbeit zu unternehmen.Dante war stets der Gegenstand seiner höchsten Bewunderung gewesen. Die Flo-rentiner, die diesen großen Mitbürger einst verfolgt und verbannt hatten, errich-teten jetzt, um sein Andenken zu versöhnen, einen öffentlichen Lehrstuhl für dieErklärung seines Gedichts, das in demselben Maße dunkler ward, als man sichvon der Zeit, in der es geschrieben worden, entfernte. Diese neue Professur wurdeB. anvertraut, und er lag ihr mit einem so rastlosen Eifer ob, daß seine Gesund-heitsich nie wieder völlig befestigen konnte. Dazu kam die Nachricht von dem Todeseines Lehrers und theuersien Freundes Petrarca. Er überlebte ihn nicht viel über