§. 422. Schlußbetrachtung.
1109
Rom schirmte, wie sie als Mutter der Wissenschaft, der Kunst und der wahrenFreiheit waltete, wie sie unter fortwährendem Kampfe mit dem Irr- undAberglauben aus allen Widerwärtigkeiten mit Gegnern und Verräthern uner-schüttert und glorreich hervorging, und trotz deö Abfalls ihrer Kinder unterdas Banner des christlichen Triumphes immer neue und zahlreichere Bekennerrief; wie sie ans Noch und Verfolgung siegreich hervorging; wie sie daSMächtigste, was die Welt je gesehen, in Instituten, Werken und Vereinengründete, bildete und ausbaute; wie sie stets über der Zeit stand, und dochden eigentlichen LebenSkern derselben verklärend erfaßte; wie sie die politischeund sociale Revolution überwand und sie zu bändigen berufen ist; wie sie bisauf den heutigen Tag die Völker erzieht, die im Unglauben sich Befindendenermuntert und an das Ziel führt: — eine Andeutung haben wir gegeben vonder Geschichte Jesu Christi, von der römisch-katholischen Kirche, die ihrenMittelpunkt hat im Sohne Gottes und in dem Nachfolger Petri seinemStellvertreter.
Alles, was sich in den alten Tagen vorbereitend für das in Jesu Christovollbrachte Erlösungswerk ereignet hat durch die Völker- und Menschenge-schichte, fand seine Sühne und seine Befriedigung in der Stiftung der Kirche,die, weil ihr Mittelpunkt Jesus Christus, auch durch Jesus Christus derMittelpunkt der politischen Weltgeschichte gewesen ist und seinwird. Und ausgehend von dem in die Zeit gelegten Senskorne der christ-lichen Kirche, begann die neue Zeit und ihre Geschichte, wo dieVölker, nachdem der alte Bund erfüllt worden, ihre Freiheit und ihren Frie-den suchten und fanden in der von Christo gestifteten Kirche. Wie aber auchdas Völkerleben nach hüben und drüben strömte, es waltete die apostolischeKirche, den Kampf, den Fall wie die Erhebung umfassend und verklärend,die Menschheit zur Erlösung in Jesu Christo heranbildend, den verheißenenTag der Zukunft vorbereitend durch harte Prüfung und harten Kampf. Undin Allem, was geschehen wird in der Zeit, wird die Kirche walten als Brautdes nahenden Bräutigams, einherschreitend mit dem Banner deö h. Kreuzesund die Völker rufend durch das Wort, und sie wird durchdringen und herr-schen einig, heilig, apostolisch und allgemein, weil sie unwandelbar gestiftetist von dem Einen, seit der Apostel Tage sich darstellt in dem Einen unddie Welt heiligt durch den Einen.
Dies aber wird die Zukunft sein, daß nach schwerem Jrrthume undAbfall die Völker beginnen werden, sehnsüchtig ihre Blicke zu wenden aufdie Siegestrophäe des Kreuzes, und daß sie auch das Heil für die politischeEntwickelung und die sociale Zerrüttung immermehr suchen und finden wer-den bei der alten Mutter, der Kirche Christi, die von jeher gestillt hat dasLeid und die Noth mit dem Balsam, der vom Kreuze stoß, mit der göttlichenKraft des apostolischen Wortes. Schon ziehen große Schaaren besondersin England und Nordamerika in die verlassene Mutterkirche zurück,und auch den Völkern deö Islam, dessen Aufgabe in der Weltgeschichtegelöst zu sein scheint, beginnt der Morgenstern in ihrem Herzen aufzugehen
1) Weil stellt in seiner histor. krit. Einl. in den Koran dem Islam folgendesPrognostikon: „Fragen wir nun, welche Zukunft wir dem Islam prophezeien, undwelche Fortschritte er machen muß, um sich auf die Höhe der curop. Ctvilisationzu schwingen; so glauben wir, daß er mit dem Zudenthume ganz denselben Wegzu wandeln hat, sowohl zur Sonderung der Tradition von der Offenbarung selbst,als zur Unterscheidung in der h. Schrift zwischen ewigen Wahrheiten and zwischen