096 3. Zeitraum. 2. Periode. 2. Zeitabschnitt. 1. Capitcl.
gen, und der erste Schritt dazu war die plötzliche Einnahme des Hafens vonAncona und Besetzung der Stadt durch französische Truppen. Dadurch wurdedie von allen kriegführenden Mächten anerkannte Neutralität des Papstesverletzt und sein Staat den Repressalien gegen Frankreich ansgesetzt. Imweitern Verfolge verlangte Napoleon, daß alle ihm mißfälligen Gesandt-schaftspcrsonen aus Rom entfernt und alle englischen Schiffe von den Hä-sen des Kirchenstaates ausgeschlossen werden; im Weigerungsfälle wardmit der Wegnahme der Mark Ancona gedroht. In einem Schreiben an denPapst (13. Febr. 1806) trat der Kaiser bereits mit der kühnen Logik her-vor ^ : „Sie sind Souverän von Nom, ich bin der Kaiser; als? sollenmeine Feinde auch die ihrigen sein." Der Papst wies diese ZumuthMg vonsich, die ihn, den Vater der Christenheit, mit allen in Krieg verwickeln würde,welche Napoleon etwa bekriegen möchte. Als Diener des Friedens undStellvertreter des Gottes des Friedens auf Erden dürfe er dies um so weni-ger , vielmehr werde er nicht aufhören, den Himmel um das Ende dieserKriege und die Rückkehr der Eintracht und allgemeinen Ruhe anzuflehen.Dadurch gekränkt erwiederte Napoleon: „der römische Stuhl habe durchohnmächtige Drohuungcn im ToneGregor's VII. geantwortet; es sei augen-fällig geworden, daß des Kaisers ungewöhnliche, seiner Gemüthöart ent-gegengesetzte Langmuth in Rom den Gedanken erweckt habe, er fürchte dieBlitze des Vatikans." Aber auch diese Drohungen erschreckten den Papstnicht. Weil man ihn als willenloses Werkzeug des Staatssecrctärs Con-salvi betrachtete, entließ er denselben, und verweigerte die ihm zugemutheteunbedingte Anerkennung Joseph Napoleon's als König von Neapel. Dabei ver-kündete er dem Kaiser die prophetischen Worte: „Wenn Se. Majestät sichim Besitze der Macht fühlen, so erkennen wir dagegen, daß über alle Mo-narchen ein Gott ist, der die Gerechtigkeit und Unschuld rächt, und dem jedemenschliche Gewalt unterthan ist." Napoleon antwortete mit 6 neuen For-derungen (7. Jan. 1808), die nach ihrem ganzen Umfange für eine ArtKriegserklärung gelten mußten"). Gleich darauf besetzte der General Miol-lis Nom, und bemächtigte sich aller Posten (2. Febr. 1808). Der Papstprotestirte dagegen durch eine Note, die er an alle in Rom residirenden Ge-sandten schickte. Eine Reihe von Gewaltthätigkeiten war die Antwort; diepäpstlichen Truppen wurden der franz. Armee cinverleibt. Die Officierc,die sich des Dienstes weigerten, wurden »ach Mantua geschickt, 4 Cardinäleals Staatsverbrecher nach Neapel geführt, 10 andere ans Rom verwiesenu. A. Ans die Beschwerden des päpstlichen Staatssecrctärs antwortete derfranzösische Gesandte, das seien die Folgen der Ablehnung des Antrages,daß ganz Italien eine Angriffs- und Vertheidigungslinie bilden solle, umUnordnungen und Krieg aus der Halbinsel zu verbannen. Durch diese Ab-lehnung erkläre der h. Vater, daß er keinen Krieg mit dem Kaiser wolle unddoch erkläre er ihm den Krieg. Die erste Folge desselben sei die Eroberung,und die erste Folge der Eroberung die Abänderung der Regierung des Kir-chenstaats. Diese solle ihm jedoch nichts von seinen geistlichen Rechten ent-ziehen ; er werde fortfahrLN Bischof von Nom zu bleiben, wie es seine Vor-fahren in den 8 ersten Jahrhunderten und unter Carl d. Gr. gewesen seien.Der Papst ließ nun feierlich erklären: daß , da er mit der ganzen Welt inFrieden lebe, eine Eroberung nicht statt haben könne, wohl aber eine der ge-waltsamsten und unerhörtesten Anmaßungen (19. April)." Es verblieb b«1) Neueste Gesch. Buch II. S. 339-47. - 2) Ebendas. Buch II. S. 397 ff.