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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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991
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§. 390. Das Pontificat Pius VII.

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Durch die Schlacht von Marengo (14. Juni 1800) war aber daü ganzenördliche Italien den Franzosen zugefallen , worauf es zum Fried envonLüneville (9. Febr. 1801) kam, wo die Etsch als Gränzc der österreichi-schen Staaten in Italien bezeichnet, und im Artikel 12. die ciScalpinischeRepublik anerkannt ward. So mußte die päpstliche Regierung auf die Lega-tionen von Bologna, Ferrara, Fvrli und Ravenna verzichten. Nach diesemFrieden ließ sich der Papst die Wiederversöhnung des apostolischen Stuhlesmit Frankreich angelegen sein; auch Bonapartc, der erste Consul (s. 15.Dec. 1799), wünschte diese, wenn auch mehr aus Politik; denn er sah wohl,daß der Glaubenshaß der Jacobiner nicht die Gesinnung der Vvlkömafse sei.Selbst ohne Religion, verzweifelte er an der Möglichkeit, über ein Volkohne Religion zu herrschen; in der Wiederherstellung des Katholicismus saher ein Mittel zur Beruhigung des Staates, und erwarb er sich zugleich dieDankbarkeit der treuen Kirchendiener.Man segnete die mächtigeHand, welche die ersten Altäre wieder in der Kirche aufrich-ten hals." Auch hoffte er sich dadurch den Weg zum Throne anzubahnen.Er ließ durch den Cardinal de Martiniana, B. von Vercelli, in denPapst dringen, er möge Bevollmächtigte schicken, um die kirchlichen Ange-legenheiten zu ordnen. Pius VI I. sandte den Erzbischof Spina von Korinthund Caselli, den nachherigcn General der Servitcn. Bonaparte bestimmteseinerseits seinen Bruder Joseph Bonaparte, den Staatsrath Tretetund den Abbö Bernicr'). Auch sandte Bonaparte Herrn Cacault alsbevollmächtigten Minister nach Rom mit dem Befehle, dem Papste mit ge-bührender Ehrfurcht zu begegnen*).

Man stieß auf große Schwierigkeiten; durch die s. g. bürgerliche Con-stitution dcö Klerus war schon 1791 das Band der Einheit zerrissen worden.Die konstitutionellen Bischöfe hatten alle Diöcesen Frankreichs usurpirt, wäh-rend die legitimen Bischöfe noch am Leben waren; die kanonische Institutionund die Güter des Klerus waren i» den Händen der Laien. Darum schrittendie Concordatverhandlungen zu Nom und Paris nicht vorwärts. Der Papsthatte zur Berathnng eine eigene (lonurogntio <r lutere niedcrgesetzt, undschickte in Folge der reizbaren Ungeduld Bonaparte's eiligst den CardinalConsalvi, ein Mitglied dieser Congregation, nach Paris, um zum Bestender Religion alle Zugeständnisse zu machen, die sich nur mit der Würde desapostolischen Stuhles vertrügen. Bei seiner Aukunft in Paris (22. Juni1801) ließ der erste Consul die konstitutionellen Bischöfe und Pfarrer, auseiner leicht zu durchschauenden Absicht, zu einem Nationalconcile zu Pariszusammentretcn, wofür Gregoire seit 1800 eine energische Thätigkeit ent-wickelt hatte. Derselbe eröffnete auch das Pseudo-Concil (29. Juni 1801),nnd legte den Vätern gar wunderbare Präpositionen ans Herz. Dieses de-mokratische Getreide machte jedoch auf Bouaparte einen widerwärtigen Ein-druck. Er schloß mit Consalvi ein Concordat ab (15. Juli) zur Wieder-herstellung der kathol. Kirche in Frankreich, und befahl dem s. g. National-

äbcr dle Drangsale der Kirche ebendas. S. 1016 Die ene.^cliea vom 25.Mat ebcnd. S. 4652.

>> Vgl. über d. Folgende ebcnd. Bd. I. S. >27140.

*> Auf die Frage Cacault's, wie er den Papst zu behandeln habe, antworteteBonaparte:Behandeln Sic ihn, wie wenn er 200,000 Mann Truppen hätte,vic wissen, daß ich weit eher nach der Ehre strebe, der Retter als der Zerstörerdes hl. Stuhles zu sein."