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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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3. Zeitraum. 1. Periode. 6. Capitel.

scheu Bischof als daS Oberhaupt der gesamintcn Kirche. Aber die Ver-stimmung des Volkes über den römischen Ritus wurde durch Einsiedler undMönche bis zum Aufruhr genährt; der Patriarch und sämmtlichc Missionäremußten unter dem Nachfolger des Kaisers, Seghed BasilideS (s. 1632),das Land verlassen; alle Verbindung mit der römischen Kirche wurde aufsstrengste untersagt (1634). Eine nicht unbedeutende Anzahl gewann diekathol. Kirche auch unter den Armeniern'), bei denen sich im Vergleichzu den übrigen Sekten des Orients ein ungleich regeres christliches Leben,auch Sinn für Wissenschaft erhalten hat. Zu den unirtcn Armeniern gehörenauch die M e ch i t a r i st e n, so benannt nach ihrem Abte Mechitar, derzu Sebaste in Kleinarnienien geboren (1676) durch einen armenischen Prie-ster frühzeitig für die Wissenschaften begeistert wurde, und Vorliebe für dasklösterliche Stillleben empfing '). Sein Wissensdurst trieb ihn nach Europa,und sein unerschütterliches Gottvcrtrauen erhielt ihn unter wiederholten Prü-fungen und Schlägen aus der Bahn seiner wissenschaftlichen Bestrebungen.Die Gründung einer littcrarischen Akademie für die armenische Nation wardas Ziel seines edlen StrebenS. Als er das mit unsäglicher Mühe und Sorges. 1703 errichtete Kloster aufder Insel Morea in dem Kriege zwischen den Tür-ken und Venetiancrn 1715 verlassen mußte, errichtete er auf dem kleinenEilande St. Laza ro bei Venedig (17171740) ein neues Kloster. Dienach der Bcnedietinerregel lebenden Mönche ermunterte er zu dem patrioti-schen Unternehmen der Uebertragung der armenischen Litteratur in die Sprache»des Abendlandes und umgekehrt. Diese Richtung verfolgte die Congregationmit ungeschwächtem Muthe auch nach dem Tode (1749) ihres Abtes Mechi-tar (d. i. Tröster), und wirkte in ähnlicher Weise seit 1811 auch zu Wien. Die Maroniten (Monotheleten?) am Berge Libanon, die sich bereitsim 12. Jahrhundert tkcilweise der römischen Kirche genähert hatten, wurdenin der zweiten.Hälfte des 16. Jahrhunderts vollkommen mit ihr vereinigt,nachdem ihnen ein eigener Patriarch, Landessprache beim Gottesdienst, diePriesterehe, der Kelch u. a. Gebräuche waren zugestanden worden. IhrCollegium in Rom (s. 1584) pflegt in geräuschloser Thätigkeit syrische undabendländische Gelehrsamkeit. Als Beweis einer lebendigen Verbindung mitder abendländischen Kirche nahm das National-Concili um der Maro-niten (1736) in Gegenwart eines päpstlichen Gesandten die Tridentini-schcn Beschlüsse an.

Die Nestorianer, gewöhnlich chaldäische, in Ostindien Thomas-christen genannt, stehen unter 2 Patriarchen, von denen der eine in einemKloster in der Nähe von M o su l in Mesopotamien, der andere zu Ormiain Persien rcsidirt, jener seit 1559 stets Mar Elias, dieser seit 1575Mar Simon heißt. In früherer Zeit hatte ihre Partei in der Tartarei,Indien, selbst in China Kirchen. Die Päpste PiuS I V. und Paul V. ver-suchten eine Vereinigung der Nestorianer mit der römischen Kirche. Als da-durch eine Spaltung unter den Nestorianern entstand , neigte sich der unterdem Patriarchen von Ormia stehende Theil zur römischen Kirche.

Il -j-Stcck, die Liturgie der kathol. Armenier a. d. Armen, übers, u. m.ält. Liturgien, namentl. d. Dasil. u. Chrysost. verglichen. Tüb. 844.

2) Schilderung eines Besuches aus St. Lazaro nebst dem Leben Mcchitar'stn Jllgcn's Zcitschr. für histor. Thcol. l84l. S. 143168.