§. 348. Die übrigen Orden.
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1 ) Die Capucincr. Im Gegensatz zu dem Neichthume und demweltlichen Sinne der entarteten älter» Klöster stellte dieser Orden sich dieschöne Aufgabe, durch die strengste Armut!» und Selbstverleugnung, be-sonders dem CuratkleruS bei der eifrigen Aushilfe in der Seelsorge vorzu-lcuchtcn. Er ist nur eine Umgestaltung der Franziscanermönche. Schonfrühzeitig waren unter denselben in Betreff der Strenge Streitigkeiten ans-acbrochen; eine gleiche Veranlassung wurde auch jetzt die Ursache der Modi-ficirung des Ordens durch Matte» de Bassi im Kloster Monte Falconi.Er gehörte der strenger« Partei der Minoriten an , und wünschte den Ordenzu seiner ursprünglichen Stiftung zurückzuführcn. Die Reform im Aeußcrnbeginnend, setzte er eine spitze Capuzc, als die muthmaßlich äußere Tracht desh. Franziscus, an die Kutte. Er theiltc sich endlich dem P. Clemens VII.mit (1528), von dem er für sich und seine Anhänger die Erlaubniß erhielt,die Capuze und einen langen Bart zu tragen, nach der Regel des h. Fran-ziscus in Einsiedeleien zu leben, das Evangelium nahe und fern zu verkündenund sich das Seelenheil schwerer Sünder angelegen sein zu lassen^). PaulUI. gestattete ihnen, sich überall niederzulaffen. Ihrer Tendenz angemessen,waren ihre Kirchen schmucklos und ihre Klöster einfach. Sie haben sich inder damals in Italien ausgebrochenen Pest durch ihre unerschrockene Hilfe-leistung sehr verdient gemacht. Obgleich der Orden in seinem dritten G ene-ral-Vicar Ochino, der anfangs ein eifriger Bußprediger war, späterein Mädchen verführte und zu Genf (1542) heirathete, eine schimpflicheNiederlage erlitten hatte, und 2 Jahre gar nicht predigen durfte, so hat erdoch in seiner begonnenen liebreichen Thätigkeit noch lange ein schönes Zeug-nis von der in der kathol. Kirche vorhandenen Kraft gegeben. Die schnelleVerbreitung und liebevolle Ausnahme des Ordens, — selbst ausgezeichnetePersönlichkeiten, wie der Herzog von Modena, Alfons von Este (1626),der berühmte Staatsmann HerzogHeinrichvonJoyeuseu. m. A. tra-ten in denselben, — beweist zur Genüge, daß dieser vvlksthümliche Bettcl-orden in der damaligen Zeit ein Bedürfniß war.
2) Die Theatiner. Schon im Jahre 1524 hatten sich mehrere Prä-laten in Italien zunächst zu dem schönen Beginnen der Pflege der Krankenvereinigt, wobei jedoch das Seelenheil derselben, Erweckung bußfertiger,reuiger Gesinnung ein Hauptzweck sein sollte. Bei dieser Beschäftigung ent-stand allmälig der Entwurf zu einer Verbesserung des Klerus^).Derselbe sollte rein an Sitten, möglichst wissenschaftlich gebildet und uneigen-nützig sein, bei dem Gottesdienste Würde und Anstand beweisen, alles Nie-dere und Profane von der Kanzel entfernen, die neuen Irrlehren unterdrücken,die Kranken mit Hingebung pflegen, Verbrecher zum Tode vorbereiten. AlsStifter dieses Vereins ist Gaetano von Thiene im Venetianischen anzu-sehen. Auf den Rath seines Beichtvaters wandte er sich nach Rom, und ge-wann Car affa, B. von Chieti (früher Theate), zum Oberhaupte. Der-selbe gelangte später als Paul IV. aus den päpstlichen Stuhl, und gab deinOrden, den schon Clemens VII. bestätigt hatte (1524), den üblichen Na-men, vbschon die Mitglieder nach der ursprünglichen Bestätigung „reguläre
1) Lollanä. in. Llaj. D. IV. p. 233. I3r-oe-ro, nun. vr<1. blinor. gut 6apu-
eim munmpantur. Inigcl. Lat. 632 si». 3 D. t. bl. a. Lullar. orä.Laxu-
cwor. Koni. 740 sg. 7 V. k. Helyot Bd. IV. Cap. 24 s S. 192 ff.
2) tlleuientis VII. approbatio erc. bei Hclpvt Bd. IV. Cap. 12. S. 84 ff.i-ullar. Koni. 1. I. p. 659. 2Iokste»r.-18roc4re. V. V. p. 342 sg.
Alzog's Kirchengeschichte. 7. Auflage. 5g