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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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§. 329. Der Protestantismus in England.

von dem Complvtte Kenutniß erhalten hatte, und einiger Missionarien, so-kann härtere Bedrückung der Katholiken überhaupt zur Folge. Weil drei-zehn von ihnen das Complott geschmiedet hatten, kehrte sich der Haß gegendie Masse; es wurde ihnen ein neuer Unterthaneneid vorgeschrieben. Vieleentzogen sich diesem Eide durch Auswanderung. Eine alljährige Feier des5. Novbr., des Tags der Entdeckung, wurde angeordnet und in der Liturgiecm Gebet um Schutz gegengrausame und blutdürstige Feinde"eingeschaltet. Der Strafcoder stellte 1606 die Recusanten den Ercommuni-cirten gleich, und verfügte gegen sie die Consiscation des beweglichen und ^des unbeweglichen Vermögens, Verbannung oder lebenslängliche Haft.Im Gegensätze zu dem in England sich entwickelnden Systeme unbeschränkterköniglicher Gewalt bildete sich in Schottland die Bol kS s o uv er än i taus. Jakob war dem Episkopalsysteme ergeben, er erkannte in der Hierar-chie eine Stütze des Thrones;kein Bischof, kein König" pflegte er zu sagen;er fürchtete aber durch Gerechtigkeit gegen die Katholiken den presbyteriani-schen Fanatismus zu entzügeln. Dennoch brach der Sturm, den er noch be-schwichtigt hatte, unter seinem Nachfolger Carl I. hervor. Der Fanatis-mus der Puritaner oderder Heiligen" drang in England ein, und be-drohte die Monarchie wie die Hierarchie. Die Bibel ward als Vorwandfür die äußersten Frevel mißbraucht. Maßregeln, die der König ergriff,bewirkten stets das Gegentheil dessen, was er beabsichtigte. Er zerfiel gleichanfangs mit seinem Parlamente; daß der Herzog von Buckingham seinMinister und Günstling war, und daß Laud, ein strenger Episkopaler, EB.von Canterbury wurde, machte die öffentliche Stimmung noch schwieriger.Dazu kam, daß die Gemahlin deö Königs, Henriette von Frankreich, eineKatholikin war. popsrz'! (kein Papismus) ward jetzt das Losungs-wort. Nicht streng genug konnte der König gegen die Katholiken verfahren;ihre Kinder sollten ihnen weggenommen und protestantisch erzogen, nachEngland zurückkehrcnde ausgewanderte Priester hingerichtet werden. Als derKönig vollends das Kirchenrecht der Episkopalkirche einführte, und die An-dachtsübungen der Einzelnen beim Gottesdienste durch eine Liturgie beschränkte(1636), nannten das die Heiligenden Geist Gottes knebeln" und schrieenüberBaalsdienst." Es bildete sich ein Presbyterianer-Co venant(1638)zur Erhaltung der Religion, der Freiheit und der Gesetze desReichs," und erklärte die Kirche für unabhängig. Der Episkopat, die Li-turgie und das Kirchenrecht deS Königs wurden abgeschafft, die Bischöfe mitdem Kirchenbanne belegt. Carl mußte mit den Rebellen zuDunbar einenVertrag schließen und das Parlament, dessen er sich lange genug erwehrthatte, jetzt wieder versammeln, um Subsidien für den bevorstehenden Bür-gerkrieg zu erlangen. Dieses Parlament (164049) hatte aufrührerischeElemente in sich. Erst wurden die Minister beseitigt; einer derselben, GrafStrafford, als Hochverräter hingerichtet, Laud eingekerkcrt. Endlichentzog das Parlament dem Könige die gesetzgebende Gewalt (1642): derBürgerkrieg begann. Die Häupter schlossen sich an den schottischenCo v enant an: zur Erhaltung der Freiheit der schottischen und zur Refor-mation der englischen Kirche. Der König ward des Papismus verdäch-tigt, obschon er mehrere Priester hinrichten ließ. Schrecklich wurde dasLoos der Katholiken; aber auch der Vertreter der englischen Kirche wurde nichtgeschont; ihre Benesicien und Stellen im Parlamente nahmen Presbyterianerein. Diese Gewaltthätigkeit rief jedoch bald eine Reaction hervor; ihre