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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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3. Zeitraum. 1. Periode. 2. Capitel.

Papstes nicht mehr gehört werden. Den Tbomas Cromwell, einenLaienernannte Heinrich (1535) zu seinem Generalviear in geistlichen Angelegen-heiten mit der höchste» geistlichen Gewalt. Me Bischöfe wurden zugleichsuspendirt und aufs Nene mit Jurisdiction versehen, wenn sic de» König alsQuelle ihrer geistlichen Gewalt anerkannte». Nun begann die Einziehungder Kirchcngürer; eine Visitation der Klöster ging voran, wie selbstHume gesteht, in der Absicht, in der entdeckten Mangelhaftigkeit einen Vor-wand zur Aufhebung zu finden. Eine Parlamentsactc (1536) bob auchsogleich 370 Klöster auszum Wohlgefallen des allmächtige»Gottes und dem Königreich zur Ehre." Das Loos traf zuerst diekleinern:weil in den größeren dicDisciplin mehr beobachtet werde." Hatteder erste Versuch schon Unruhe und Währungen erregt, so mußte bei Auf-hebung der größeren Klöster ein minder gewaltsames Verfahren eingcschlagenwerden: man beschuldigte sic der Theilnahmc an Aufständen oder der lautgeäußerten Unzufriedenheit mit den Neuerungen; zuletzt betrat man wiederden Weg der offenen Gewalt; bis 1540 war die Säeularisation fast vollen-det. Der königliche Wille wurde rücksichtslos vollstreckt: Werke langjähri-gen gelehrten Fleißes, Denkmäler der Kunst und Wissenschaft wurden zer-stört. Auch an den zu Canterbury befindlichen Grabmälern des heil. Augu-stinus, des Apostels der Angelsachsen, und deö Thomas Becket äußerte sich dieZcrstörungswuth, die Asche wurde in die Lust gestreut; nicht einmal dasGrab Alsred'S, des Begründers von Englands Größe, wurde geschont. Ausden eingezogenen Gütern stiftete Heinrich 6 neue Bisthümer, 14 Ka-thedral- und Collegiatkirchen; den Hauptgewinn zogen die königlichenVisitatoren und Günstlinge, und diese Einziehung und Zersplitterung desKirchenvermögens ist eine Quelle der Verarmung Englandsgeworden!

Bei dem Allem wollte Heinrich keine Trennung von der kath. Kirche;er selbst hatte ja gegen Luther geschrieben; »ach einer Acte sollte die Glau-benslehre, sogar daS Weihwasser, geweihte Asche und die Heiligenverchrungbeibehalten werden. In 6 Artikeln vertheidigte er die Transsubstantiationund den Cölibat, der aus einem Gebote Christi beruhe; das Bibcüesc»wurde eingeschränkt. Am wenigsten ertrug er einen Widerspruch gegen sei-nen Supremat. Forest, Beichtvater der Königin Katharina, der dagegengeschrieben hatte, wurde verbrannt; Viele in anderer Weise mit dein Todebestraft. Unter den Opfern des Despotismus sind die berühmtesten derKanzler Thomas Morus und Fisher, B. von Worcester. Der letzterewar einst Heinrich's Stolz:weil kein Fürst sich eines solchen Untcrthanenzu rühmen hätte;" als er aber dem Supremateide und der Ehescheidung des

Königs sich widersetzte, fiel nach 13monatlicher harter Gefangenschaft sein

Haupt unter dem Beile. Morus hatte sich durch Gelehrsamkeit und StaatS-weisheit bis zur Würde des Großkanzlcrs erhoben; er war Humanist im wah-ren Sinne und der größte Rechtsgelehrtc seiner Zeit; Religiosität, Wissens-durst, heiterer Lebensmuth-und gesellige Tugenden, unwandelbare Dienst-treue hatten sich vereinigt, um aus ihm eine der liebenswürdigsten Persön-lichkeiten zu machen. Weil er die Ehescheidung des Königs und das Loßreißcnvon der Einheit der Kirche mißbilligte, mußte er das Blutgerüst besteigen;er wollte über den 20 Jahren, die er noch leben könnte, nicht die Ewigkeitverlieren. Noch im Angesichte des Todes (6. Juli 1535) legte er ein Zeug-niß davon ab, welche Seelenstärke die katholische Religion sowohl im Leben