§. 30t. Luthcr'S religiöses System mit den Raubrittern re.
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widersprach, erfuhr die rohesten Mißhandlungen. Sein System, ein religiöservan theisti sch er Mysticismus, war nicht in Folge dcsAblaßstreitcs, sondernschon oiel früher aus seinen verkehrten und ertr einen rcligiösenUcbun-qc» hervorgc gangen, und glich jenem der Karharcr, Waldenser, Brüder undSchwestern des freien Geistes, der Apostclbrüder, des Amalrich von Beim, desMeister Eckart, Wicliff, Hus, des Verfassers der wutschen Theologie, welche darumauch von protestantische» Schriftstellern als Vorläufer der s. g. Reformatoren be-zeichnet worden sind '). Und jenes System sollte aus der h. Schrift, als deralleinige» Quelle des Glaubens, geflossen sein, wofür der weiteste Jn-svirationsbcgriff ausgestellt und dem Lesen derselben ein fast sacra-mcntalcr Charakter beigclcgt'ward!
Die menschliche Natur ist nach Luther durch die Erbsünde völlig verderbt,und darum der Mensch ganz unfrei; was er lhut, ist nicht sein, sostder» Got-tes Werk, im Guten, wie im Bösen. Dabei wird dann behauptet: der Glaubeallein und das Vertrauen, dafi Gott die Sünde verzeihe, mache selig, welcherSatz für Luthcr'S ganze Dcnkungsweise »ngcmcin fruchtbar war, und einen sovollkommenen unk dabei so leicht zu erlangenden Ablaß aller Sünden und Sün-dcnstrafen verhieß, wie kein Papst einen solche» je verheißen hat* *). Die Hierar-chie und das Priestcrthum war nun nicht mehr nöthig, eben so wenig deräußere Culms: „es helfe der Seele nichts, ob der Leib heilige Kleider anlcgt,wie die Priester und Geistlichen thun; auch nicht, ob er in de» Kirchen und hei-ligen Stetten ist, auch nicht, ob er mit heiligen Dingen umgehe, auch nicht, ober leidlich bete, faste, wolle und alle gute Werke thue, die durch und in demLeibe geschehen möchten ewiglich." Nur Taufe, Abendmahl, auch die Buße wur-den als Sacramente beibchaltcn, konnten aber, wenn sic verweigert würden, durchden Glauben ersetzt werden. Dies hatte Luther anfangs auch zugegebendannaber gegen Carlstadt's richtige Conscqucnz zurückgcnvmmcn. Konnte so Jeder durchden Glauben allein, unsichtbar, auch ohne Hciligungsmittcl gerechtfertigt werden,so bedurfte cs auch keiner Ausspcndcr der Sacramente, der Priester, wie keineräußern Kirche. Darum behauptete Luther ganz consequcnt, das allgemeinePriestcrthum, wornach jeder Christ Priester, und betonte sehr stark die un-sichtbare Kirche, welche übrigens immer schon voraussctzt, was erst durch diesichtbare werden soll.
In den am meisten aufregenden Schriften: „an den christlichen Adeldeutscher Nation von des christlichen Standes Verbesserung;"„von der babylonischen Gefangenschaft" und „von der Freiheiteines Cbristcn-Mcnschen" hob er besonders jenen für das Volk schmeicheln-den Satz hervor: daß sic alle Priester seien. Er fordert zugleich de» Kaiserauf, de» Papst zu stürze», die Kirchengütcr und die Investitur an sich zu ziehen,die Feste und Feiertage aufzuhebeu, eben so die Seelenmessen; denn sie seien nur„auf Fressen und Saufen" angelegt
Diese Kühnheit in seinen Schriften verdankte er besonders dem Schutze dereinflußreichsten Ncichsrittcr Deutschlands, in welchen er »ach seine» fatalisti-
1) Luther machte damit den Anfang in der Vorr. zur tcut. Thcol., ihmfolgten 7<7aofu8 7/ft/rfeu.v, eatalvK. rosrium voritatis; G, ^lrneflck, Iimtorin etäoserchtio tlieol. mM. b'rek. 702. p. 306; Flatbc, Gesetz, der Verlauf, derReformatoren u. A.
*) „Wer an Christum glaubt, den mögen keine Werk beschuldigen u. ver-dammen, wie viel und bös ihr auch immer sind." - „Keine Sünde ist mehr inder Welt denn der Unglaube; andere Sünden in der Welt sind HerrnSünvn's Sünden. — Also machet auch der Glaube, daß unser Dreck nichtstinkt." — Wenn cö möglich wäre im Glauben eine» Ehebruch zu begehen — sowäre er keine Sünde. — LLcnn du (aber) Gott den Herrn j», Unglauben ver-ehrest, begehest du eine wirkliche Abgötterei."
2) „Es sollen alle Sacramente frei sein Jedermann; wernicht getauft sein will, der laß anstchn; wer nicht will das Sacramcnt cmpfahn,^ sein Vollmacht; also wer nicht beichten will, hat sein Mackt für Gott"(Abhdl. von der Beicht).