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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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2. Zeitraum. 2. Periode. 2. Zeitabschnitt. I. Capitcl.

Krönung nach Lyon, was in weiterer Entwickelung zu der 70jährigen Knecht-schast des Pontificats führte. Nach mehreren Handlungen des Nepotismusund der Ergebenheit gegen den französischen Hof: Zurücknahme der Bulle«Zorieig I.nicos und Milderung der andern biium 8rn>etam, der Wiederein-setzung der Colonna's in ihre Aemtcr und Bewilligung des Zehnten derfranzösischen Kirchen auf 5 Jahre für den König, verlegte er endlich Rom,die anderthalbtansendjährige Hauptstadt aller abendländischen Provinzen,den Stuhl Petri und das Grab der Apostelfürsten verlassend, seinen Sitz ineinen Winkel des südlichen Frankreichs, nach Avignon (1309). Er über-sah , daß nicht ohne besondere göttliche Providenz dem Statthalter Christidie alte Roma mit einem weltlichen Staate überwiesen worden sei, der, wieChateaubriand sagt, groß genug ist, um ihm die nöthige Unab-hängigkeit zu sichern, zu klein, als daß man etwas von seinen Anstren-gungen zu fürchten hättet). Eine schwere Krankheit brachte ihn auf kurzeZeit zur Besinnung, so daß er die von den Päpsten zu großem Anstoße ver-übten Verleihungen von Bisthümern und Klöstern als Commenden wider-rief, und auch dem Ansinnen Philipp's, seinen Vorgänger Bonifacius ausder Reihe der Päpste zu streichen, fest widerstand. Doch zeigte er sich imfiebrigen dem Könige gefällig und nahm endlich auf wiederholtes Drängensogar die Anklage Philipp's gegen Bonifacius noch vor dem nach Vienneausgeschriebenen allgemeinen Concil in Gegenwart des zu Avignon versam-melten ConsistoriumS an (1310). Durch die Ernennung von neun fran-zösischen Cardinälen sorgte er dafür, daß die nächsten Päpste gleicher Ge-sinnung mit ihm wären.

Aber gegen andere Fürsten wie kirchliche Würdenträger war Clemensrücksichtslos, lieber die Vcnetianer verhängte er wegen der gewaltsamenBesitznahme von Ferrara und der Beleidigung päpstlicher Nuntien ein In-terdikt (1309), das allen Handel mit ihnen verbot'). In Deutschlandwußte er nach Albrecht's Tode (1308) die von Philipp gewünschte Erhebungseines Bruders Carl von ValoiS zu Hintertreiben, und unterstützte die Wahldes Grafen Heinrich von Lützelburg als Heinrich VI l. Als die Gesandtendes letzteren dem Papste zu Avignon den Eid der Treue und des Schutzesgeschworen, verhieß Clemens durch fünf delegirte Cardinäle Heinrich dieKaiserkrönung zu Rom. Zur Aufrechthaltung der kaiserlichen Gewalt unter-nahm Heinrich einen Zug nach Italien") , welches in Abwesenheit des Pap-stes von den Parteien der Guelfen und Ghibellinen zerrüttet wurde. Dante,der schon über das Ausbleiben Kaiser Albrecht's heftig gezürnt, begrüßteHeinrich mit dem ganzen Feuer seines cholerischen Temperaments als den

es'! OViaieanbi'ianct, ^enis <lu < brixtiauisine. lOartie IV. iivi ö VI. cbnpitre Vl.:

kup«8 et Oemr üo Home <6<i. ksr. 802. V. IV. p. 280.) Bossuct's berühmterAusspruch:Gott wollte, daß die römische Kirche, die allgemeine Mutter allerKönigreiche, von keinem Reiche im Zeitlichen abhingc, u. daß der apostolischeStuhl, wo alle Gläubigen zugleich die Einheit bewahren müssen, über die Partei-lichkeiten hinausgcsctzt würde, welche die verschiedenen Staatsintcrcsscn und Strei-tigkeiten erregen könnten u. s. w." vgl. Artaud, Gcsch. Pius VII. dcut. Ucbcrs.Bd. II. Th. 1. S. 198. u. Pacca, histor. Dcnkw. über Pius VII. Bd. I. S.16. Aehnlich Joh. v. Müller, Schwcizcrgcsch. Buch III Cap. 1.:Der Papstmust durchaus eine Hauptstadt haben, worin er Niemanden fürchten muß."

1) Vgl. Nar/nakck. rmual. sei u. 1109- nr. 6 U. 7. ,

2) IViaokcrr Zlpr'se. Fstrontr». rslutio eis Ilenrici VII. itiners (Muralon.1'. XIII.). Bert hold, Römcrzug Hcinr. von Lützclb. Kvnigsb. 830 ff- 2 Bde.