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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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z. 259. Das religiöse Michc Leben.

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sich der religiöse Sinn. Fromme Brüderschaften, Vornehme und Geringe,Männer und Frauen jedes Alters von nah und fern vereinigten sich, um demHerrn eine erhabene Stätte in gläubiger Gesinnung zu bauen; soentstand z. B. die prächtige Mutter-Gottes - Kirche zu Chartres '). Setzenendlich nicht auch die vielen M ö n ch s - C o n g r c g a t > o n e n, die sehr oftbeil. Stifter aus den höheren Stände» hatten, einen lebendigen religiösenSinn voraus L Zudem begegnen wir überall religiösen Anschauungsweisen ;des Volkes Herzlichkeit machte selbst die Erde, das schöne Werk Gottes, zumGegenstände seiner erfinderischen Sorgfalt, seiner kindlichen Liebe. Gelehrte,welche die Natur studirten, sahen die Körper niemals ohne ein höheres Le-be»; überall suchten sie in ihnen gchcimnistvolle Beziehungen zu den Pflich-ten und religiösen Ucberzeuguugcn deö erlösten Menschen, oder Symbole derheil. Glaubenswahrheitcn. Besonders bildeten die Blumen, eine mildenreinsten Bildern geschmückte Welt, eine stumme Sprache der zärtlichsten,lebendigsten Gefühle. Des Volkes Kindlichkeit glaubte an eine Sympathieder Erde; auch diese müsse dafür dankbar sein, daß man sie der Religiondes Menschen zugcselle. In der Christnacht ging man den Bäumen desWaldes die Ankunft Christi zu verkündigen (apo, iutur toi ru et ^ormiiiot sul-^iüorem). Vögel, Pflanzen und Alles, was der Mensch auf seinem Wegeantraf, war mit dem Zuge seines Glaubens, seiner Hoffnung bezeichnet. Eswar ein weites Reich der Liebe und des Glaubens: denn Alles hatteseinen Grund im Glauben. Die christliche Religion mit der ihr in-wohncnden Kraft, ihren Geheimnissen und Verheißungen erscheint so alsMittelpunkt alles Seins und Wesens; sie pulsirtc wie ein warmes, vollesHerz durch alle Adern deö socialen Lebend, die Innung en und die Volks-feste^), und umzog den Umkreis dieser oft rauhen und schweren Zeit mitder Atmosphäre eines höher» weihevollen Geistes, als ob das Christcnthumhier die Sonncnwärme und die Muttererde gefunden habe.

Als Zeugnis; von dem Alles durchdringenden religiösen Geiste könnenwir neben unzähligen frommen, ruhmbegränzten Kriegern (Gottfried vonBouillon u. A.), Heiligen aus dem Throne wie Ludwig IX.-^), Elisabethvon Ungarn re. in allen Ständen der christlichen Gesellschaft eine ganzeSchaarvonHc i lige n vorführen ^), welche die Kirche als unüberwind-liche Helden auf Eroberung der Seelen aussandte. Und welche Fülle christ-lichen Sinnes und Gemüthes enthält das Handbuch der Heiligen, welcheJohannes XXI. vor seiner Erhebungals einen Schatz der Armen"verfaßte, und de Voragine, EB. von Genua, (fl 1298) durch treuesWicdcrgeben der volksthümlichcn Elemente zur goldenen Legende er-bost"). Auffallend erscheinen diesem frommen Sinne gegenüber die viel-fach entartetenMysteriens piele"), der bisweilen frivoleTon der Minne-sänger, der sich selbst an Gott und die heil. Jungfrau wagte, und daß so-ll Willen, Gesch, der Krcuzz. Bd. III. S>. 45ff. 2) Cantu, Wcltgcsch.Bd. VI. S. 720 ff. 3) llrAensnoe-D'-M», lägt. >!o 8t. Uonis, roi clg IR-auee,Ichr. 839. 3 Vol. - 4> Die vorzüglichsten Heilige» im 11 13. Jahrh. beili. e. 3'. I. p. 77379. 5l Uogeinln. nuroa 8. Inst. Uoinliartlica.si'Mi». 429. u. öst. in alle Sprachen übers, ml aptiin. Iil»c>r. lliloin eeeeirsnit,emeinünnl, eoplevit ote. 1)n. ttrassn«. Ups. et Urosä. 843. Rousseau, Pur-purviolcn der Heiligen od. Poesie ». Kunst im Katholicism. Frkf. a. M. 835.b Bdc. lunvollst. > 6) Mone, Schauspiele des MA., CarlSr. 856. Ed.Dcvricnl, Gesch. der dcnt. Schauspielkunst. Lpz. 848. 3 Bdc. Cantu, Bd.>1. S. 729 ff.