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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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§. 200. Zustand der Kirche in den Hauptländern Europa's.

durch Ernennung trefflicher Bischöfe, wie des h. Popo von Straßburg, Regt-

ld Spctcr, des schristkundigc» Bruno von Würzburg und EB. Bardoreu Mai»;, der als Abt von Hcrsfeld so ausgezeichnet war, daß um seinetwillenduS alte Recht des Klosters Fulda, abwechselnd Main; einen Erzbischof zu geben,biutanacsctzt wurde. In dieser Zeit glänzte auch llnwan von Breme», dercistiae Beförderer des christlichen Glaubens im skandinavischen Norden, der Freundnordischer Könige und slavischcr Fürsten. Heinrich III., durch Weisheit und Sin-neSrcinheit ausgezeichnet, und um die Besetzung des römisch-apostolischen SiuhlcSdurch Clemens II , Damasus II., Leo IX. und Victor II. hoch verdient, wirkteaufs kräftigste der überhand nehmenden Simonie entgegen. Der hier gewiß un-verdächtige Petrus Damiani gibt ihm das Zcngniß: daß er nächst Gott derjenigesei welcher der Hpdra der «imonic die Köpfe abgehancn habe. Sein Haupt-mdicnst um die Kirche war die Wiederherstellung des Ansehens und der Autori-,ät des päpstlichen Stuhles, wodurch die Päpste wieder Einfluß aufdie kirchlichen Verhältnisse Deutschlands ausüben konnten. Der«rcfflichc Wa; on. B. von Lüttich, sprach bereits das Verhältniß der Bischöfezum Kaiser offen dahin aus:Dem Papste sind wir Gehorsam, dir Treue schul-dig Doch nahm unter seinem unmündigen Sohne Heinrich IV., der zeit-weilig unter dem verderblichen Einflüsse des EB. Adalbert von Bremen stand,die Simonie von neuem überhand, woraus sich jener verderbliche Streit zwischenPapstthum und Kaiserthum erzeugte, der erst nach einem zwcihundcrtjährigcnKampfe beigclcgt wurde.

In Italic»'I hatte die katholische Kirche die größten und anhaltendstenStürme der Völkerwanderung, und die damit verbundene Gcwaltthätigkcit desArianismus ausgehalten, ja die rohen Horden der Lehre der katholischen Kirchezngcführt. Bald entwickelte sich ein religiöser, gut kirchlicher Sinn. Der HerzogAnselm von Friaul, Schwager des Lombaroen-Königs Aistulf, wurde Stifter undcrster Abt des berühmten Klosters Nonantula im Modenesischen. Er soll inverschiedenen Klöstern 1144 Mönche unter seiner Leitung gehabt haben. Aber gegendas Ende dieses longobardischen Reiches klagt' der Geschichtschreiber der Ration,Paul Warncfricd, daß zu seiner Zeit die sonst am höchsten geehrte Kirche des h.Johannes zu Monza wie erloschen stehe, und sich in den Händen ehebrecheri-scher und simonistischer Priester befinde. Besser wurde es zwar unterder fränkischen Herrschaft; doch die Hartnäckigkeit, mit welcher die Erzbischöfe vonRavenna, besonders der EL. Johannes (850878) dem päpstlichen Stuhle denGehorsam verweigerten, vergrößerte noch jenen Zustand wilder Zügellosigkeit. DieEinwirkung der deutschen Ottone war unterbrochen und vorübergehend. EineSpnodc zu Pavia 1022 hatte unter dem Vorsitze des P. Benedict VIII. mehrereKaiwncs gegen die Unenthaltsamkcit der Geistlichen gegeben; dcßungeachtctnahm besonders in Mailand durch das schlechte Beispiel des dortigen EB.Guido das Doppcllastcr der Simonie und Unzucht in bedenklicher Weise über-hand. Es bildete sich daher im Gegensätze zu der üppigen weltlichen und kirch-lichcn Aristokratie unmittelbar aus dem Volke eine Gesellschaft unter der Leitungder beiden jugendlichen, für christliche Reinheit begeisterten Priester Ariald undüaiidulf zur Unterdrückung der Simonie und des ConcubinatS. Dieselbe wurdeaiifangs von den Gegnern verächtlich Pararincr (Lumpcnvolk) genannt; zuletztblieb aber auch bei den eigenen Anhängern der Gesellschaft der Name Ehrentitel,wie später jener der Geusen. Ihr Einfluß war so groß geworden, daß sie (1057)die Geistlichen nöthigten, den Volksbcschluß einer allgemeinen Wiedereinführungdes Cölibats zu unterzeichnen, und daß das Volk von den im Concubinate leben-den Geistlichen keine Sacramcnte mehr empfange» wollte. Diese für sittlichePncstcrrciiiheit Begeisterten verbanden sich zu der großen Consöderation der Pa-» welche ihre steigende Wirksamkeit von Mailand aus über die ganzelombardci verbreitete. Mit gleichgesinnten Geistlichen führte Ariald zu Mailand;>nn erstenmalc das gemeinschaftliche kanonische Leben ein. In Hcrlcmbald,dem Bruder des bereits gestorbenen Landluf, erhielt die Pataria einen tüchtigen

>) Die Schriften des Attv, B. v. Vcrcclli, Ratherius von Verona, Luit-prand, B. von Crcmona u. des Petr. Damiani. s. unt. Cap. V.