§. 143. Gegner des kirchlichen Lebens im Ganzen re.
3S3
Imitat der Auferstehung des Leibes, Empfehlung der Enthaltsamkeitvom stleische der Thiere und sonderbarer Prüfungen des Geschlechtstriebeswaren das Abzeichen derselben. Nach Augustinus galt bei ihnen der Grund-satz' jurs, perjura, sooretum proclero noli, um den häretischen Glauben zuverbergen'und den katholischen zu heucheln. Als Urheber dieser Lehre wirdber ägyptische Gnostiker Markus angegeben, der nach Spanien kam, undbei einer vornehmen Frau Agape und dem Rhetor Elpidius Anhang fand.Deren Schüler wurde Priscillian, der besonders viele Frauen und sogar diekatholischen Bischöfe Jnstantius und Salvianus gewann. Der B. HyginusvonCorduba entdeckte diese Sekte; Jdacius von Merida und besondersder Eiferer Jthacius von Ossonuba wurden ihre heftigsten Gegner.Die Svnode zu Cäsar-Augusta (Saragossa) ercommunicirte Priscillian undseine Anhänger (380), was der Kaiser Gratian bestätigte. Priscillian wußteaber die Gunst des Hofes zu gewinnen, und schon sah sich Jthacius ernstlichbedroht, als Gratian von dem Usurpator Maximus gestürzt wurde, unddieser sich abermals für Jthacius entschied. Priscillian und seine Anhängerwurden vor die Synode zu Bordeaux gefordert. Als hier Jnstantius ab-gesetzt ward, kam er dem Urtheilsspruche über sich zuvor, und appellirte anden Kaiser. Jetzt ward er mit seinen Genossen nach Trier an das Hoflagergebracht. Aber auch ihre Gegner Jdacius und Jthacius erschienen hier alsAnkläger vor einem weltlichen Gerichte. Durch Anwendung der Torturward Priscillian zu dem Geständnisse gebracht, daß er Unzüchtiges gelehrtund in nächtlichen Versammlungen mit Frauen nackt gebetet habe. Der ebenanwesende hl. Martinus von Tours bat den Maximus, das Urtheil denBischöfen zu überlassen, und die Häretiker nicht mit Tortur und dem Todezu bestrafen, was der Kaiser ihm versprach. Doch nach seiner Abreise wurdePriscillian mit seinen Anhängern Felicissimus, ArmeniuS u. A. aus den un-gestümen Rath des Jthacius und der Bischöfe Rufus und Magnus hinge-richtet(385). Es floß das erste Blut d er Häretiker aus denRath kirchlicher Männer. Martin v. Tours, der h. Ambrosius,P. Sirieins und andere edle Repräsentanten der Kirche haben diese Grau-samkeit des Jthacius hart getadelt, und wollten mit ihm keine Gemeinschaftpflegen. Priscillian aber ward von seinen Anhängern lange als Märtyrerverehrt; noch die Synode von Braga (563) mußte gegen die Priscillia-nisten Gesetze geben.
2) Audius (Udo) , ein Laie in Mesopotamien, rügte mit theilweiserVerkennung der veränderten Verhältnisse der Kirche die nun oft mehr welt-lichen als apostolischen Geistlichen rücksichtslos. Als er darum verfolgt undercommunicirt ward, trennte er sich von der katholischen Kirche (314), undstiftete einzelne Bisthümer unter den Gothen. Die Audianer wollten vonihrem Bischöfe anthropomorphistische Lehren vernommen haben, protestirtengegen den nicänischen Beschluß über die Osterfeier, und vermieden jede Be-rührung mit den Katholiken bis zu ihrem Untergange zu Anfang des fünftenJahrhunderts').
3) In Mesopotamien bildete auch ein gewisser Adelphiuö dieSekteder Adelphiancr, gewöhnlich Massalianer auch Euchite» und Eup he-ilten I genannt, welch e für das Eine Nothwendige nur das Beten hiel-
l) LxrMan. baer. 70. basrot. tabnl. IV, 10. b. s. IV, 9.
pefele, Concilicngcsch. Bd. I. S. 321—327.
3) In Armenien u. Syrien seit 360. Vgl. ÜHprMam. tmer. 80. TVisockoret.
Kirchcngcschichte. 7. Auflage. 23