§. 87. Der Primat des röm. Bischofs.
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So sehen wir bereits die Grundzüge eines, die gesammte Kirche zueiner Einheit verbindenden, wohlgeordneten Organismus, der freilich nochder Befestigung und weitern Entwickelung bedarf. Der Mann aber, welcherdie Grundsätze desselben durch seine Wissenschaft, wie durch fein Leben ein-fach und einleuchtend entwickelte und so früh zu einem Gemeingute der Ge-sammtheit machte, war der so oft genannte
Thasei ns CäciliuS CypriannsEr stammte von vornehmen Eltern zu Karthago her, hatte in der Schuleder heidnischen Rhetoren seine Bildung erhalten, und wurde wegen seinerglänzenden Gelehrsamkeit der Stolz der dortigen Heiden. Diese Bildungaber bewahrte ihn nicht vor den heidnischen Lastern; dem katholischen Pres-byter Cäeilius war es gelungen, ihn davon zu heilen und durch den Ueber-tritl zum Christcnthume zu beglücken (246). In der Begeisterung seiner neuenGeburt aus Gott und der Gemeinschaft mit Christo hatte Cyprian einengroßen Theil seines Vermögens verschenkt, den übrigen verwandte er zurWohlthätigkeit und für kirchliche Zwecke. Was ihm einst „als er auf demstürmischen Weltmeere schwankend und unschlüssig auf Irrwegen umhertrieb,schwer, ja unmöglich erschien, daß man neugeboren und durch das heilsameBad zu neuem Leben beseelt, daö Alte abschaffen und bei unverändertem Fort-bestände des Leibes den Menschen nach Geist und Herz umschaffen könne, er-fuhr er jetzt freudig an sich selbst." Vermöge des tiefen sittlichen Ernsteswurde Tertulliau durch seine Schriften der Meister für ihn. Der aufihn gefallenen Bischofswahl zu Karthago wollte der demüthige Mann ent-weichen (248), doch mußte er zuletzt dem Verlangen des Volkes »achgeben.Durchdrungen von wahrhaft erleuchteter, christlicher Gesinnung (Matth. 10,23.), glaubte er bei der Dccischen Verfolgung fliehen zu müssen; aber auchin der Einsamkeit hat der Hirt seiner Heerde nicht vergessen , sondern unun-terbrochen für sie gesorgt. Als Ideal eines wahren Bischofs wußte er stetsden Verhältnissen angemessen Weisheit mit Milde und Strenge zu vereinen.In dem Conflicte mit dem Diakon Felicissimus und dem Gegenbischofe For-tunatus stritt er mit Standhaftigkeit nur für das Wohl der Kirche und ihreGrundsätze, besonders seit seiner Rückkehr nach Karthago (251); dagegenstellte er im Streite mit dem römischen B. Stephanus Leidenschaft der Lei-denschaft gegenüber. Während dieses Kampfes erließ Valcrian ein Ver-folgungöedict gegen die Christen (257); nun floh Cyprian nicht, sondernverlangte nach der Märtyrcrkrone. Freudig bekannte er dem Proconsul,daß er Christ und Bischof sei: da wurde er nach Cnrbi verbannt. Dierömische Gemeinde wollte sich für ihn bei den Staatsbeamten verwenden;aber er schrieb abmahnend wie einst Ignatius: „Lebend noch schreibeich euch,aber mich sehnend zu sterben; meine Liebe ist gekreuzigt worden, in mir istkein Feuer, welches der Abkühlung bedürfte, sondern inwendig ruft es mirzu: komme zum Vater," Nach Jahresfrist wurde ihm das Urtheil verkün-
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