Druckschrift 
Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
Entstehung
Seite
193
Einzelbild herunterladen
 

§. 84. Bildung, Wahl, Weihe u. Unterhalt der Geistlichen. 193

für die entfernteren mußte durch Anstellung eines eigenen Priesters, auchDiakonS gesorgt werden '), welche ihnen der Bischof der Stadt vorsetzte,und die momentan oder für immer bei ihnen verblieben. In der zweitenHälfte des 3ten Jahrh. erwähnt die Synode von Antiochien (209) sogarBischöfe benachbarter Ortschaften'), und die Synode von Ancyra (314) gibtüber die Befugnisse der Landbischöfe (c-r,'.n>-o7r«,<. x^k«^) bereits

besondere Bestimmungen '). Sic hatten meist mehrere Gemeinden zugleichm verwalten, doch abhängig von dem Bischof der Stadt, wie sie von diesemauch nur eingesetzt waren. Dies in Verbindung damit, daß die kirchlichenKanonen für jede Diöccse nur einen Bischof statuircn, der in einer Stadtseinen Sitz haben, und nnterZuzichung von 2 od. 3 Co mpro v i nzi albi-schöfcn ordinirt werden solle, die betreffenden Landbischöse auch nurdieWeihen der nieder» Ordnung ertheilen durften, macht es wahr-scheinlich, daß die Meisten derselben nur Priester waren.

§. 84. Bildung, Wahl, Weihe und Unterhalt der Geistlichen.

Inder frühesten Zeit war dieBildung zum Lehramte vorzugsweise prak-tisch; es genügte, wenn die'Lehrer eine Darstellung der irdischen Erscheinungdes Sohnes Gottes geben, den Glauben an ihn begründen konnten und durcheinen entsprechenden Wandel die Wahrheit desselben bekräftigten. Auch er-setzten die übernatürlichen Gnadengabcn bei den ersten Lehrern des Christen-thums vielfach das, was ihnen an theologischer Bildung abging. Unter denAposteln hatten Paulus und Johannes den größten Kreis von Schülern umsich versammelt; die des erster» werden im N. T. erwähnt, von dem letzter»wurden zu Ephesus Polykarpus, Ignatius, Papias und von diesen wiederAndere meist praktisch gebildet. Die frühesten christlichen Schriftsteller, be-sonders die Apologeten, hatten ihre litterärischc Bildung nicht in christlichenAnstalten, sondern schon vor dem Uebertritt zum Christenthum empfangen.Doch wurde in dieser Periode bereits durch die Katechetenschule inAlerandrien, die Schulen zu Cäsarea, Antiochien und Rom neben derchristlichen Bildung von Laien auch besonders für Befähigung christlicherLehrer gesorgt.

Für die Wahl der Bischöfe, Priester und Diakonen war schon vonden Aposteln sorgsame Prüfung und Behutsamkeit empfohlen worden;durch die nieder» Vorbcrcitungsstufen waren die zu Ernennenden meistensdem höher» Klerus und der Gemeinde wohl bekannt; die letztere nahm nichtnur bei Erwählung der Priester und Diakonen Autheil, sondern auch bei dennieder» Stufen, wie der Lcctoren"). Der hohen Stellung gemäß wurde die

1) Lj/prian.: Dt rrelliilsraiu guirlsmpi sd'flr/deros 6t ctlacono«, gni illie prao-seutes sunt, moiisro vo« 6t iustrnors plsiiissiino eireu ovuugslii Isgeni. 6p. 10.p. 51. Dttiherrt. (306) can. 77. 8i gnis ctiueonun rsgeus plebsni sing

eMeoiio vsl presbz'tero ulignos buptiriuvorit, opiseopus 6v8 psr bsusäietionoinMücers äebsbit. (M»r«r. D. II. p. 18. D. I. p. 258. Der letztere

versetzt d. Conc.'in u. 313.) 2) In den vp. Lzmolli ^.ntioeb. b. Ii. o.

llll, 30. 11. 6- ö//. rs x«t X. r.

3) Oduoil. 6UI1. 13. 1) sk«-

(A/ans/. D. II. p. 517. Larcktt'u. D. I. p. 275.) Das Loire, biso-«sur. euii. 13. verglich sie mit den 70 Gehilfen Moses s. Maus« D. II. p. 546.Wenn Phillips, Kirchcnrccht Bd. II. S. 95 ff. allen den bischöfl. Charaktervmdicircn will, so geschieht cs ohne gehörige Begründung Vgl. IVerkM's .lie.r.»ppeuilix zur -lisssrtut. XDIV. der Ir. s. saso. IV.

4) CWinan. op. 34. rill clsrum st plebsm cls Cslorino Isctors oräinato p. 108.

Alzog's Kirchmgcschichtc. 7. Auflage. 1 Z