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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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153
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§. 72. Charakteristik der verschiedenen Formen des Gnosticismus. 153

dieser allein litt. Wer daher den Gekreuzigten bekenne, sei ein Knecht desWcltschöpfcrs und Judcngottes; wer dagegen den Erlöser C,^ nach Jcs.

oZ 10) erkenne, sei allen Mächten und Engeln unbegreiflich. Seine Lehre inihrer Reinheit aufgesaßt, sei nur Eigcnthum weniger Auscrwähltcn, und bestehefjjr den Menschen in der Entlcdigung von allem Psychische» und Materiellen,dagegen in geistigem Erfassen des Göttlichen durch unmittelbare Anschauung, so-wie durch ftcie Entscheidung für das Gute ohne alle äußere Gesetzeo-inx-il- Doch gelange man vor vollkommener Reinigung und Sichtung imLichtrcichc erst durch eine Reihe von Metcmpspchoscn.

Darnach war die Sittcnlehre des Basilides anfangs streng asketisch;aber seine spätem Anhänger machten sie durch Sophismen zur Beschöni-gung der Verleugnung des Gekreuzigten in der Verfolgung und zur unge-störten Befriedigung jeglicher Gelüste ungemein lar. Solche entartete An-hänger des Basilides werden noch im 4. Jahrh. erwähnt.

2 . Die antij üdis ch cn Op h itcn. D's». I, 30; Olsmsnt. ^Isx. Stromatalib. VII. a. 27. Oi'iA. otr. ttels. VI, 3. kliilosoplium. lib. V. o. 6. u.VIII. e. 20. Iraer. 37. D/ievc/orst. Iraoret. kabln I,. 14.

sün. cls Iraerosil). o. 17. Frcib. Kirchenler. Bd. VII. S. 785789.

Die Sekte der Ophiten (Naassener, Schlangenbrüder) hat sich wahr-scheinlich aus dem ägyptischen Thierdienste, besonders der Verehrung derSchlange gebildet, nahm dann christliche Ideen auf, verdrehte, namentlichdas von der Schlange Genes, o. 1-3. Erzählte, und legte es ihrem Systemezu Grunde. Dasselbe ist mit dem unter Nr. 3. vorgeführten Systeme desValentin nahe verwandt, so daß vermuthet wird, beide seien aus einerQuelle geflossen oder das einfachere der Ophiten sei durch das Valentini'scheweiter ausgebildet worden.

Nach den Ophiten cmanirt aus dem Bpthos, der auch -genannt wird, der Gedanke seiner selbst und das Schweigenals erster Schöpfungsact des Mensche» auch - u. ?->o

ob. genannt), und ans diesem sofort als die Mut-ter alles Lebens und der himmlischen Weisheit h

Aus der Verbindung der himmlischen Sophia mit den beiden ersten Wesengingen zwei neue ILcscn hervor: ein vollkommenes männliches, der himmlischeChristus l- und ein unvollkonimcncs weibliches, die Sophia-

Achamoth d. i. die Geschändete). Die letztere, ohnmächtig in ihrem

Aufstrcbcn zur Gottheit, thcilte ihre göttliche Lebenskraft der Materie mit, um sicheine unabhängige Welt zu bilden, wo ihr aber sogar das Bewußtsein ihrer höhcrnAbkunft zu schwinden begann. Während nun der himmlische Christus und seineMutter sich in das Urlicht erhoben und mit den beiden ersten Wesen die heil.Kirche bildeten, gab die Achamoth in ihrem gottcntfrcmdetcn Zustande dem bösenhcrrschsüchtigcn Wesen Jaldabaoth s'TMü Sohn des Chaos), dem Ju-

bengottc das Dasein. Dieser suchte sich gleichfalls von seiner Mutter loszurcißcn.Daher brachte er li Geister hervor tcr mit eingerechnet die 7 Planctcnfnrstcn,Stcrngeistcr), die ihrerseits den Menschen als eine auf der Erde kriechendeMasse bildeten, der Jaldabaoth die Seele einhanchtc und wobei gegen seinenWillen der von seiner Mutter empfangene Strahl des Lichtes auf die menschliche Na-tur überging. Der Mensch zog nun das Licht der ganzen Schöpfung an sich, so daßer nicht mehr das Bild seines Schöpfers, sondern des Urmenschen darstellte. Dar-über voll Zorn schaute Jaldabaoth auf den Abgrund des Meeres, und schuf, in-dem sich darin sein Bild abspiegeltc, den Schlangcngcist »->??->; den Satanw Schlangcngestalt), der gegen Alles von Oben feindselig ist, selbst gegen Jal-dabaoth, und auch die von ibm gebildeten Menschen ihm abwendig zu machensuchte.

Jetzt trat aber die S op h ia-Achamoth entgegcnwirkend aus. Voll Reueüber ihre Verirrung und naw gewaltiger Anstrengung hatte sic sich, gestärkt durch