§. 67. Die Lage der Christen im 2. Jahrhundert.
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(Lyon und Vienne), befahl sogar Aufspürung und Anklage der Christen ausAtheismus, thycstische Mahle und Blutschande. Vor der Hinrichtung wur-den Zwang und die grausamsten Martern zur Abschwörung angewandt. DerCynikcr Cr es eens, noch mehr der einst das Christcnthum heuchelnde, trü-gerische und lasterhafte Selbstmörder Peregrinus Proteus sollendenH«ß des Kaisers gegen die Christen erhalten und vermehrt haben, so daß erstrengere Gesetze gegen sie als gegen auswärtige Feinde erließ, worüberMelito, B. v. SardeS, in seiner Apologie Klage führte. Polykarpus,B. von Smyrna, der letzte Apostelschüler, starb (um 168) unbesiegt ans demScheiterhaufen'): Christo, seinem Herrn, dem er 86 Jahre ge-dient, verweigerte er zu fluchen. In Gallien starb der 90jährige Po-thinns, die zarte Sklavin Blandina und der 15jährige Knabe Pon-ticus u. A. (177); zu Rom P tolemäus, Lucius, der Apologet J u sti-nus Martyr u. A. (161—68). Das vielfach bezeugte Wunder -) der legiosnlminalri.v (l'iilminea), die theilweise aus Christen bestand, und durch ihrGebet das Heer und den Kaiser im Kampfe gegen die Markomannen undQuaden (in Pannonien) von dem schrecklichen Tode des Durstes errettete(174), vermochte ihn in seiner feindlichen Gesinnung gegen die Christen nichtumzustimmen: den wunderbar erfochtenen Sieg schrieb er dem Jupiter Plu-vius zu. Nachdem er zu Vindobona (Wien) gestorben, folgte sein SohnCommodus (180—93), der in Allem das Gegcntheil seines Vaters war,lieber als Gladiator denn als Philosoph auftrat. Er soll auf Veranlassungseiner Concubinc Marcia zur Milde gegen die Christen gestimmt worden sein,so daß nach dem Berichte des Eusebius zu Rom die angesehensten und reich-sten Männer mit ihrer ganzen Familie zum Christenthume übcrtratcn. Dochwurde der Senator Apolloniuö als Christ sammt dem Ankläger, seinemSklaven, Hingerichtete.
Septimius Severus (193—211) war in Folge seiner Heilungdurch den Christen Proculus für die Christen gestimmt; später aber erließer ein Edict (202), welches in gleicher Weise die Bekehrung zum Christen-thume wie zum Judenthumc streng verbot. Es erging über Aegypten, Afrika,Gallien, Italien eine harte Verfolgung mit Einziehung des Vermögens. ZuAlexandrien und in dem proconsularischen Afrika war sie amgrausamsten, so daß man jetzt schon die Nähe des Antichrist vermuthete").Dort wurde Lconideö, der Vater des Origenes, die Jungfrau Potamiänamit ihrer Mutter Marcella, der Krieger Vasilidcs u. v. A. grausam hinge-richtet. Als besonders merkwürdig erschien stets die heldenmüthige Stand-haftigkeit der jungen Frauen Perpetua und Felicitas^) und ihrer Lei-
st ui»>I. bei L'ttseö. Ii. o. IV, 26. IV, 15. V, 1-3.
2) c. 5. ml Lcngi. e. 4. L'useb. V, 5. 6>e//. M/ss. or. 11.
iu marh-r. Oro»'. VII, 15. D/o-t/an«. exit. Xipbil. lib. 71. c. 8. -7»I. OaMol.in blnre. Xutouiu. c. 24. Val. Stolbcrg Th. 8. S. 84—00.; Rauscher,B. 1. S. 338 ff.
3 > V, 21. //lenem-/»«. eatal. c. 42. — 4) T'e-tM. ml Lenxul. c. 4.
chimÄa«»« in vitn Leiitiiu. c. 17. L'nusb. VI, 1. u. 7.
5) Die Märtprcractcn e. uot. /lolstenrr vl Dvssrirrr bibl. T. II.
I'. 165-107.1 vgl. Beide christl. Heldinnen waren nicht montanistisch;
doch mögen die Märtyreractcn, wie der Cardinal Orsi dargcthan, durch denalten Verfasser eine montanistische Färbung erhalten haben, s. Stolbcrg, Bd.VIII. S. 285 ff. — Ucb. die scillitan. Märtyrer vgl. Lnrnart. u. Stol-bcrg Bd.VIII. S. 206-8.; über beide vgl. auch LMemont, T. III. x. 131-158.
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