§. 48. Die fernere Wirksamkeit des Apostels Petrus. 93
nach Monatlicher Einkerkerung wurde er (67 od. 68 n. Ehr.) als römischerBürger mit dem Beile des Lietor an der Straße von Ostia enthauptet, be-glückt die Krone der Gerechtigkeit zu empfangen (II Timoth. 4, 8.) für dieunsäglichen Leiden, die er während der langen Missionsthätigkeit erduldetl,at (II. Korinth. 1 l, 23 —28.).
<j. 48. Die fernere Wirksamkeit des Apostels Petrus.
Für die Gründung der ersten christlichen Hauptgemeinde zu Jerusalemhatte keiner der Apostel mehr gewirkt, als Petrus. Durch mehrere Reisenin Palästina hatte er aber auch die vielen, neu entstandenen Gemeinden ge-ordnet und stand wohl der Gemeinde zu Antiochien eine Zeitlang alsBischof vor'). Alsdann verkündete er in Pontus, Kappadocien, Gala-tien, Asia und Bithynicu das Evangelium, nnd nach verbürgten Nachrichtenkam er schon 42 n. Cbr. nach R o m. Von hier kehrte er abermals nach Je-rusalem zurück, wo er der Verfolgung des Herodes nur wunderbar entgingund sich wahrscheinlich nach Antiochien begab (Apg. 12, 17.). Nach dessenTode finden wir ihn noch zw. 50—52 n. Ehr. beim Concile zu Jerusalem
1 Apg. <'- 15.), später abermals zu Antiochien, wo er mit Paulus zusam-mentraf (Galat. 2, 11.). Auch die christliche Gemeinde zu Korinth soll erbei seinem Zusammentreffen mit Paulus befestigt haben. Nach seinem Briefean die Gläubigen zu Pontus, Galaticn u. s. w. befand er sich zur Zeit derAbfassung desselben mit Markus in Babylon, offenbar Rom (1 Petr. 5,13. vgl. Apokal. 17, 1. 5. 9. 15. u. Tac-it. rmnsl. XV, 44.).
So unvollständig und ungenügend auch die geschichtlichen Nachrichtenüber Petrus find, so legen ste doch überall ein vollgiltiges Zcugniß ad vondem ihm vor den anderen Aposteln übertragenen Vorränge als Oberhir-tcn und Leiter der ganzen Heerde. Nachdem der Gottmensch zum Himmelausgefahren war, sehen wir Petrus überall an der Spitze der wichtigstenAngelegenheiten: er leitete die Wahl des neuen Apostels Matthias (Apg. 1,15 ff.); nach der Herabkiw^ des heil. Geistes sprach er zuerst vor dem Volke(Apg. 2, 14 ff.) und im Namen Aller vor dem Synedrium (Ap. 4, 8.); erwirkte das erste Wunder (Apg. 3, 4 ff.) und verhängte die erste Strafe überAnanias (Apg. 5, 1 ff.); er öffnete zuexst in dem Hauptmanne Corneliusden Heiden das Thor zur christlichen Kirche (Apg. c. 10.); der bekehrtePaulus suchte ihn zu Jerusalem auf, um sich mit ihm zu besprechen (Gal.l, 18.); auf dem ersten Concil zu Jerusalem (Apg. e. 15.) führte Petrusden Vorsitz, und in den Evangelien wird er, obschon er sich nicht zuerst anChristus anschloß, überall zuerst angeführt als sicherer Beweis der Aner-kennung seines Vorranges auch von Seite» der übrigen Apostel. Währendder Ncronischen Verfolgung litt er zu Rom mit Paulus (67. od. 68) denKreuzestod am vatikanischen Berge im Stadtviertel der Jude». Um sichseinem Gott und Herrn im Tode nicht glcichzustcllen, verlangte der demü-thige Apostel, wie spätere Sagen berichten, mit dem Haupte zur Erde ge-kehrt gekreuzigt zu werden ).
Durch die oben bezeichnet Annahme einer doppelten Anwesenheit zu Romerklärt sich vielleicht am besten die alte, weit verbreitete Nachricht von einem
2 5sährigen römischen Episkopate Petri-). Der stärkste Ein-
t) Tsisroni/M. 6o LeriPwr. m i'I. e. 1.; wogeg. V'useö. Ii. e. III, 22. z» spre-chen scheint, wo Evodins der I., Ignatius der II. Bischof v. Antioch. genanntwird; aber III, 36. nenntEnscb. den Jgnat. den zweit. Nachfolg, des Petrus.
2) 0/7k/en. b. L'uLsö. Ii. o. III. l. Terku//. ilo zirnoseript. Iinsr. e. 36.