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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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§. 39. Jesus stiftet eine sichtbare Kirche.

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Die von Ihm verkündeten Morallehre n bezwecken wahreHeilig-keitund lautere Sittlichkeit. Das höchsteZiel christlicher Vollkom-menheit soll die Aehnlichkeit mit Gott, das Motiv dazu der göttlicheWille und das göttliche Gebot sein: Gott über Alles, von ganzem Herzen,von ganzer Seele, den Nächsten, ja den Feind wie sich selbst zu lieben.

Der Form nach hatte die Lehre Jesu den wahrhaft populären Charakterder Gnomenund Parabeln, die für Gebildete wie Ungebildete gleich- verständlich und anregend wie in der Wirkung nachhaltig waren. Durchdie ihr außerdem noch inhärirendc göttliche Kraft(Röm. 1, 16.)erwies sich die christliche Lehre ihrem materiellen Inhalte wie ihrer Formnach aufs vollständigste als die der Natur, den verschiedenen Richtungen undBedürfnissen des Menschen allein entsprechende religiöse Wahrheit. Und dadiese Lehre auch durch Wunder und Weißagungen bestätigt, sich dermensch lichcn Seele als c iner n atii rl ich en Christin als gött-licheOffenbarung bekundete, und daneben noch überall von Werken der Liebeund Barmherzigkeit begleitet war') so bewahrheitete sich der göttlicheAusspruch:das göttliche Wort erschien voller Gnade und.Wahrheit (Joh. 1, 14.), und daß Christi Lehre die des göttlichenVaters sei, der ihn gesandt hat (Joh. 7, 16.). Daö freudig erstaunteVolk sagte: Er lehre wie einer, der Gewalt habe, nicht wie Schriftgelehrteund Pharisäer (Matth. 7) 2829.). Justin der Märtyrer charakte-risirte seine Lehre also:kurz und gedrängt waren seine Reden, denn er warkein Sophist, sondern seine Rede war die Kraft Gottes")."

§. 39. Jesus stiftet.eine sichtbare Kirche.

Insofern Jesus die von ihm verkündete Lehre als die absolute Reli-gion bezeichnet, sich selbst als den Welterlöser darstellte, der den Sün-denfluch der Creatur tilgen und die Lebensgemeinschaft der gesammten Mensch-heit mit Gott wiedcrherstellen sollte, so war in dieser Universalität seinesStrebcns zugleich die Nothwendigkeit ausgesprochen: alle Menschen zu allenZeiten und an allen Orten zu einer religiösen Gemeinschaft zu vereinen (Luk.14, 28!). Denn nur dann ist Christus wahrhaft der Welterlöser, wenn eres den Menschen stets und überall möglich macht, durch die Vereinigung mitihm des höheren und göttlichen Lebens theilhastig zu werden, wie es in denTagen seiner irdischen Wirksamkeit war:der Bestand und die Ver-wirklichung desChristenthums istdahervon derdauerndenPräsenz und Wirksamkeit Gottes nnter den Menschen be-dingt. Das Werk Christi, der nach Vollbringung desselben wieder in seineHerrlichkeit beim Vater eingegangcn ist, konnte also nicht durch das bloßeWort der heil. Schrift, sondern nur durch einen ebenbürtigenStellvertreter Christi seine Permanenz ans Erden haben, und Eigen-thum aller künftigen Geschlechter werden, was auch in der Verheißung Christivon dem zu sendenden heil. Geiste seine volle Bestätigung fand. WieChristus aber als Gott-Mensch der Erlöser der Welt wurde, so bedurftees neben der Repräsentation seiner göttlichen Natur auch einer für die mensch-liche, welche in einer anderen Verheißung Christi aus die Apostel über-tragen wurde. Hiernach also erscheint die Stiftung einer Kirche und

1) Bedeutsam berichtet Matthäus wiederholt:Jesus ging umher, lehrtein den Synagogen, und heilte allerlei Gebrechen unter dem Volke"4, 23.; 9, 25. vgl. Apg. 10, 38.

2) ölart. ag,»I. I. <-. 14.

Alzog's stirchcugcschichtc 7. Auflage.

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