§ 35. tteb. d. s, g. Bildungsg.Jesu. tz. 36. Auftreten u. Bedeut. Johannes re. 77
des Heils, das herab sich vom Himmel auf die Erde senkte. Der Himmelselbst kam mit ihm herab, und die Söbne des Staubes erheben sich im Ge-fühl der Wonne."
§. 35. Ucbcr den s. g. Bildungsgang Jesu.
Aus der ferneren Jugendgeschichtc Jesu wissen wir nur, daß Maria undJoseph, um dem Morbanschlagc des argwöhnischen und grausamen HerodeSauf das Leben des Messias als seines vermeintlichen Nebenbuhlers zu ent-gehen, für einige Zeit nach Aegypten flohen, bald jedoch auf höheren Antriebnach Nazareth znrückkehrtcn (Matth. 2, 19. 20.). Dadurch crfüüte sich dieWeißagung des Propheten Hvsca 11, 1.: „Aus Aegypten habe ich meinenSohn gerufen" in ihrem vollen Sinne. In seinem zwölften Jahre ließder Knabe bereits einige Strahlen seiner göttlichen Weisheit im Tempel zuJerusalem vor den erstaunten Schriftgelehrtcn leuchten (Luk. 2,46.47.). Umalle Verhältnisse und Entwickelungsstufcn des Menschen zu heiligen, blieb derSohn Äottcs seinen Pflegeältcrn kindlich ergeben und gehorsam(Luk. 2, 51.); nach einer alten Ucbcrlicserung soll er auch seinem Pflegevaterbei dem Zimmerhandwerke bcigestanden haben (Mark. 6, 3.). Uebcr allesAndere bis zum öffentlichen Auftreten Jesu schweigt die evangelische Geschichte.
Um die göttliche Weisheit, Erhabenheit und Frömmigkeit, welche Jesusspäter enthüllte, zu erklären, wollten Viele dieselbe von der Frömmigkeit sei-ner Mutter, den Kenntnissen der Pharisäer, Sadducäcr (vgl. dagegen Joh.7, 15.), Essener oder von der alcrand. jüdischen Bildung herleitcn. Dabeiverkannte man den h i storisch cn Christus als den Sohn Go ttes, erklärtedas geistige Wunder in Jesu nicht, sondern vergrößerte cs noch. Denn wohatte sich jemals eine solche Weisheit, gepaart mit Reinheit und Hoheit, wiesic im Leben Jesu hervorstrahlt'), in dem Geiste eines Juden oder Heidenkund gegeben? Der Wahrheit mehr entsprechend haben christliche Maler dasKind Jesu bereits so dargcstellt, daß die von ihm auöstrahlende Glorie jedeUmgebung verklärt, und hiemit übereinstimmend erklärten die Kirchenväter^)das Zunehmen Jesu an Alter, Weisheit und Gnade (Luk. 2, 40. 52.) vondem immer stärkeren Hervorstrahlcn der Weisheit, Wabrheit und Gnade ausJesu in dem Maaße und Verhältnisse seiner menschlichen, körperlichen Ent-wickelung (vgl. Luk. 2, 46 u. 47.).
§. 36. Auftreten u. Bedeutung Johannes des Täufers").
Als die Zeit der Ankunft des Messias herangekommcn war, wurde demfrommen und vor Gott untadelhaftcn Priester Zacharias durch einen Engelverkündet, Gott werde in dem alternden Schooße seines Weibes Elisabeth,einer Anverwandten Marias, einen Sohn erwecken, der groß sein werde vordem Herrn: Johannes (i)Nst Gottes Gnade) solle er heißen. Vom Mut-terleib«: an werde er des heil. Geistes voll sein, Viele aus den Kindern Israelszu dem Herrn, ihrem Gotte, bekehren, und Ihm (dem Wcltheilande) in demGeiste und in der Kraft des Elias v orang eh en, um Ihm den Weg zu be-reiten (Luk. 1, I—17.). Erhoben auf den Flügeln göttlicher Begeisterungbegrüßte Eli sabeth die Maria als die Mutter dcö Herrn, und diese
1) Vgl. Hug, Zinks ins N. T. Bd. I. S. 102—105. 3. Ausg.
2) Lieber, üb. das-Wacbsthum Jesu in d. Weisheit. Regcnsb. 850. vgl.Hildesh. theol. Monatsschrift v. 850. H. Juli — August.
3) sMack, Joh. d. Täufers spätere Schicksale (Tüb.Q.-«chr. 838. S.256 ff.).Wie Wissenschaft, Poesie u. Kunst gcwctteifcrt. den strengen Bußprcdigcr zuverherrlichen s. in Rousseau's Purpurvioleu d. Heiligen. Bd. V. S. 88—123.