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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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§. 27. Religion, sittl. u. sociale Zustände der Römer. 53

der Tobten. Wie sie mit den Römern die Genienlehre gemein hatten,so sind auch die Laren schon ihrem Namen nach etruskisch. Der Dienst derGötter ward bei ihnen mit solcher Kunst und Sorgfalt geübt und gepflegt,daß die Etrusker im Alterthume als das religiöseste Volk des ganzenWestens galten.

Nachdem Rom eine aus Latinern (R amne s), Sabinern (Tities), Luceresund Etruskern gemischteBevölkerung bekommen, bildete sich die römischeRe-ligion aus zwar verwandten aber doch mehrfach verschiedenen Nationalculten.Indem die Römer nach ihrer praktischen Geistesrichtung die Welt als einefertige annahmen, waren ihrer Religion die kosmogonischen und theogvmschenMythen der Griechen fremd. Hauptgottheiten waren bei ihnen vor demgriechischen Einflüsse allgemeine Naturkräfte oder bloße Abstraktio-nen menschlicher Kräfte, die hinter der plastisch individuellen Gestaltung derhellenischen Götterwelt zurückblieben, zumal die Römer auch keine reli-giöse Poesie, keinen Homer und Hesiod hatten, die ihren Göttern Gestaltgegeben und Leben eingebaucht hätten. Ihre priest erlichen Bücherenthielten nur trockene Namensverzeichnissc der Götter mit kurzer Angabeihrer Wirkungssphäre und der Eigenthümlichkeit des Dienstes.

Auf den ersten Blick bietet die also gestaltete römische Religion inBezug auf das Wesen der Gottheit zwei sich völlig widersprechende Eigen-rhümlichkeiten dar: einerseits nämlich geht ein monoth ei st isch er Zugdurch dieselbe, so daß der hl. Augustinus mit Recht sagte:die mannig-fachen römischen Götter und Göttinnen sei am Ende koch nur der EineJupiter;^' andererseits aber sind die Römer in der Zerspaltung oeoGottesb egriffes und in der Hypostasirung einzelner Kräfte, Wirkungs-weisen physischer Functionen und Eigenschaften weiter gegangen, als irgendein Volk des Alkerthums, so baß selbst den verschiedensten Verrichtungenund Geschäften Gottheiten vorstehen. Kein Wunder, daß bei einer derartigenSchaar von Göttern mit den mannigfaltigsten Cultformen, Ceremonien undOpfern die Priester der Städte eigener Bücher bedurften (inciigitsmonta),in welchen die Namen der Götter und die Gebräuche ihres Dienstes ver-zeichnet waren.

Die hellenischen Niederlassungen in Italien hatten schon zur Zeitder Tarquinier Einfluß auf die Cultformen geübt; der bisher bildlose Cul-tus lenkte nun in den Gebrauch hölzerne r und thönener Idole über.Dann kamen durch die sibyllinischen cher auch griechische Götterund Eulte nach Rom; noch mehr nach den Eroberungen in Griechenland undim Orient, vorzüglich nach der Einnahme von Syrakus und Korinth. Da-mit ging auch der große Einfluß verloren, welchen die römische Religion inder frühesten Zeit aus die öffentliche und häusliche Sittlichkeit auöübte.Wege» gewaltsam erlittener Verletzung der Keuschheit nahm Lucretia sich daSLeben, und welch' herrlicheBeispiele von Wahrheits- und Gerechtigkeitsliebe 'Zhat die älteste Geschichte neben der Vaterlands- und Freiheitsliebe der Rö-mer aufzuweisen! Solchen Tugenden verdankte Rom auch seine Größe.

Mit dem fremden Religionsculte war auch vieleUnsittlichkeit eingeschlichen;feit dem Aufblühen der Macht und des Reichthums siel die Achtung vor denGöttern, der alte Römersinn und die vaterländische Tugend. Besondersnachtheilig wirkten die Bekanntschaft mit der griechischen Mythologie und

1) (le civil. I>ei l, lg s>j. c. 24. besond. V, l8.