Aus der Vorrede nir ersten Ausgalik.
Heber die Grundsätze, welche mich bei der Bearbeitung dieses Lehr-buches der Kirchengeschichte leiteten, ist in der Einleitung ausführlichergehandelt worden, als es seither in derartigen Werken geschehen ist; ichglaube mich daher auf folgende Bemerkungen beschränken zu dürfen.Stets schwebte mir das Ziel vor, das Werk seiner Bestimmung als„Lehrbuch" entsprechend auszuarbeiten: es soll auf den Vortrag vor-bereiten, denselben unterstützen, aber nicht überflüssig machen, durchHervorhebung besonderer Momente das Interesse des Zuhörers anregen,und den Lehrer zu mehr begründenden und ausführlicheren Mittheilungen ein-laden. Nicht weniger war ich darauf bedacht, ein trockenes, ermüdendesAufzählen von Namen und Facten zu vermeiden, desto bestimmter aber durchHervorhebung individueller Zustände, Charakterisirung großer Gestalten derKirche und richtige Gruppirung der verschiedenen Erscheinungen deS kirchl.Lebens den Charakter der Zeit und den Geist, der sie bewegte, zu markiren,ein möglichst treues Bild von derselben zu entwerfen.
Den materiellen Theil dieses Werkes betreffend fühle ich mich zu derErklärung veranlaßt, daß mir die Dictata der kirchengeschichtlichen VorträgedeS allzufrüh verstorbenen Möhler zu einem festen Anhaltspunkte für meineweiteren kirchengeschichtlichen Studien gedient haben, und auch bei Abfassungdieses Buches benutzt worden sind. Von den neuesten Werken über Kirchen-geschichte wurden in einzelnen Partien am meisten die des so gründlichenDöllinger und Ruttenstock, des geistvollen Katerkamp, und vonden Protestanten die Arb eiten von Gieseler, Engelhardt, Neander,wie noch des in der Form und Darstellung so gewandten Carl Hase inJena benutzt. Eine besondere Aufmerksamkeit widmete ich noch den m derjüngsten Zeit so zahlreich erschienenen, das Studium der Kirchengeschichteam meisten fördernden Monographien, so wie auch den in den theolog. Zeit-schriften zerstreuten Bearbeitungen einzelner Gegenstände. Nach der obenangedeuteten Tendenz eines wissenschaftlichen Lehrbuches mußten diese Be-arbeitungen mit Auswahl, und vorzüglich die Quellen möglichst voll-ständig namhaft gemacht werden. Wo es sich um Fixirung von Facten oderkathol. Glaubenswahrheiten und kathol. Institutionen handelte, die entwederentstellt oder falsch aufgefaßt, oder deren Bestehen in den ersten Jahrhun-derten geleugnet wird, glaubte ich nach der in der Einleitung offen ausge-sprochenen Tendenz ausführlichere Quellenauszüge in den Noten geben zumüssen. Die beigefügten Karten werden als eine angenehme Zugabe, und alsein dankenswerthes Opfer des ehrenwerthen Herr» Verlegers erscheinen.
In Ansehung der neuesten Kirchengeschichte seit der franz. Revolutionbis auf unsere Zeit, die hier in der kathol. Litteratur Deutschlands zumerstenmale vollständig versucht wurde, erkläre ich ausdrücklich, daß ich dieDarstellung dieses Zeitabschnittes nur als Versuch einer historischen Skizzeangesehen wissen will, die ich aber um so weniger, wie es seither unter man-cherlei Entschuldigungen geschah, dem Lehrbuche vorcnthalten wollte, weildie neueste Zeit ungemein reich an wichtigen kirchlichen Begebenheiten ist,weil unsere ganze religiöse Bildung mit ihnen eng verwachsen ist, und weil