Druckschrift 
9 (1830) R bis Schu
Entstehung
Seite
884
Einzelbild herunterladen
 

884 Schulen

die Stiftsschulen, welche sich mehr der allgemeinen Bestimmung der Trivialschu-len näherten, dagegen die bischöfl. Schulen Seminarien für den geistl. Stand blie-ben oder in die Verfassung der Facultätsschulen und späterhin der Universitätenübergingen. Mainz, Trier, Köln, Lüttich, Utrecht, Bremen, Hildcsheimhalten im 10. Jahrh. berühmte Stifts- oder Domschulen. Doch fehlte es baldwieder an Aufmunterung von oben. Karls Verordnungen wurden während derRegierungsstreitigkeiten seiner Enkel, unter denen auch jene Akademie und Hof-schule cinging, nicht mehr aufrecht erhalten, und seine Schöpfung verfiel, wie diemit gleichem Eifer und Umfang im 9. Jahrh. begonnene Schulcinrichtung des gro-ßen Alfred in England durch die Einfälle der Dänen gestört wurde, und ungeachtetEduard der Bekenner sie wiederherzustellen suchte, allmälig in Vergessenheit kam. —Inzwischen hatten die Rabbinenschulen der Juden in Syrien, Nordafrika undselbst in Europa, wo es zu Lunel in Frankreich im 7? Jahrh. und zu Corduba inSpanien im 10. und 11. Jahrh. jüdische Akademien gab, Überreste der wissen-schaftlichen Bildung des Alterthums fortgepflanzt, und mit freierm Geist und Ge-schmack seit dem 9. Jahrh. die Schulen der Araber im orientalischen und afrikani-schen Khalifat und in den spanisch-maurischen Königreichen sich erhoben. IhreFortschritte in den mathematischen und medicinischen Wissenschaften theilten sich zu-nächst dem Süden des christlichen Europa mit. In Italien, wo nach der unterden Gothen und Langobarden eingerissenen Barbarei erst König Lothar im 9. Jahrh.wieder Schulen für die großem Städte angelegt hatte, sowie in Spanien undFrankreich, wurde beim Entstehen der Facultätsschulen der Einfluß arabischer Bil-dung bemerklich. Zu Salerno, Montpellier und Sevilla, lehrten arabische Ärzte, ,und die naturhistorischen und mathemat. Werke der Saracenen wurden auch von §christl. Gelehrten gesucht. Dagegen gab die Ausbildung des päpstl. KirchenrechlSAnlaß zur Gründung besonderer Rechtsschulen, unter denen Bologna und Lyonden größten Ruf erlangten. Das Privilegium der akademischen Freiheiten, wel-ches die erstere 1158 vom Kaiser Friedrich I. erhielt, wurde die Grundlage zur Ver-fassung der Universitäten, die im 12. und 13. Jahrh. entstanden. Es bedurfteauch solcher unabhängigen gelehrten Körper, um kn jenen Zeiten, wo die Trägheitund Üppigkeit der Geistlichen Stifts - und Klosterschulen in Verfall gerathen ließ, !

neue Lehrer zu bilden und den Geschmack der Völker für Wissenschaften zu beleben. ^

Allein auch hierbei konnte es nicht an kirchlicher Einseitigkeit fehlen, da seit demAnfänge des 13. Jahrh. die Bettelmönche nicht nur mit ihren Klöstern Volksschu-len verbanden und in den städtischen Pfarreien als Kinderlehrer austraten, sondernsich auch als Lehrer in die Universitäten einzudrängen wußten, um das Gewicht ih-res Ordens und die Macht des Papstes zu erhöhen. — So war denn der Zustanddes Schulwesens im Mittelalter keineswegs so blühend, als nach der Regsamkeitfrüherer Jahrhunderte und nach Karls d. Gr. Anstalten zu erwarten gewesen. Andie Stelle des freien Vortrags kam selbst in höher» Schulen das zeitraubendeDictiren; Gedächtniskram galt für die Gelehrsamkeit, der tobte Buchstabe re- !

gierte, und eine Sokratische Anleitung zum Verstehen des Erlernten wurde fast über- >

all vermißt. Die Schüler auf den lateinischen oder Trivialschulen brachten die !

meiste Zeit mit Abschreiber! der Lehrbücher hin. In den nieder« Pfarrschulen woll- l

ten die Mönche das Schreibenlernen nicht einmal zulassen; denn das vor Erfindungdes Bücherdrucks ungemein wichtige und einträgliche Gewerbe der Schreibekunstsollte der Geistlichkeit Vorbehalten (arv oleriosll») bleiben, und das Recht, Schreib- tschulen für die Bürgerkinder zu errichten, mußte durch besondere Verträge mit derGeistlichkeit von den Stadträthen erworben werden. Beim Emporkommen desBürgerstandes aber singen diese Obrigkeiten selbst für den von der Geistlichkeit sehrvernachlässigten Jugendunterricht an zu sorgen und stifteten eigne Stadtschulen, indenen Lesen, Schreiben und das Trivium gelehrt wurde. Für diese, und da die