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7 (1830) M bis N
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647
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Mysticismus 647

kin nothwendiges Bedürfniß in einem Zeitalter, worin man dein Volke seinen Aber-glauben, seine Unwissenheit und seine Vorurtheile ohne Nachtheil für die öffentlicheRuhe nicht entreißen durfte. Aus dem Grunde wurden sic auch von den Regierun-gen geduldet und geschützt. Ihr erstes Grundgesetz war liefe Verschwiegenheit. Znallen Mysterien gab es dramatische Vorstellungen, die sich auf die Thaten der Gott-heiten bezogen, zu deren Ehren sie gefeiert wurden. Die wichtigsten griech. Myste-rienlvarcn: 1) Die Eleusinischen (s. Eleusis). 2) Die Samothrazrschen My-sterien stammten aus Kreta und Phrygien her und wurden im erstem Lande demJupiter zu Ehren gefeiert. Aus diesen Ländern kamen sie zu den Thraziern oderPelaszern auf der Insel Samothrazien und pflanzten sich von da weiter in Grie-chenland fort. Man feierte sie bald zu Ehren des Zeus, bald des Dionysus, baldder Ceres. 3) Die Dionysischen kamen aus Thrazien nach Theben und habenmit den vorigen große Ähnlichkeit. Man feierte sie ein Jahr ums andre, und eSsollte in ihnen gleichfalls der Übergang des Menschen aus der rohen Wildheit zurBildung vorgestellt werden. Die Weiber kleideten sich in Thierhaute, nahmen mitEpheu umwundene Stäbe (Thyrsus) in die Hände und zogen so auf den Berg Ei-tharon, wo nach begangenen religiösen Gebräuchen wilde Tänze angestellt wurden,die sich mit Zerstreuung der Priestecinnen und der Eingeweihten in die nahen Wäl-der endeten. Auch sie hatten Symbole, die sich größtentheils aus den Bacchus oderDionysus bezogen, welcher der Held dieser Mysterien war. Sic wurden als deröffentlichen Sache und den guten Sitten nachtheilig schon zu Epaminondas's Zei-ten in Theben und in der Folge in ganz Griechenland verboten. 4) Die Orphi-schen zeichnen sich, als wahrscheinliche Grundlage der Eleusinischen, vor diesennicht aus. 5) Die Mysterien der Isis (s. d.) fanden in Griechenland nie, wohlaber in Italien, besonders in Rom, vielen Beifall. Die heidnischen Mysterienverschwanden im 2. und 3. Jahrh. der christl. Zeitrechnung nach und nach, wie dieOrakel. Auch nannte man vormals in manchen christlichen Landern die geistlich-komischen Schauspiele, worin Gott, Engel, Heilige und Teufel auftraten, My-sterien. (S. Französische Literatur.) Eine Hauptschrift über die My-sterien sind St.-Eroiy'skeolierolws llistorigue« et eritigues our les wüstere»ilu paxanisinv" (2. Aust., durchges. v. Sylv. dcSacy, Paris 1817,2 Bdc.). vjj.

Mysticismus, diejenige religiöse Ansicht, welche sich auf den Glaubenan eine selbständige (für sich und abgesondert von der Körperwelt bestehende) Gci-sterwelt, an Engel, Dämonen, Schutzgeister, persönliche abgeschiedene Seelen ec.gründet, und sich dem Wahne einer geheimen, übernatürlichen Einwirkung dieserGeister auf den Menschen, welche durch Frömmigkeit bedingt sei, oder auch durchmagische Mittel bewirkt werden könne, hingibt. Er gibt vor ein Schauen ohneErkenntniß und will zumal fasten, was der erkennende Geist entwickelt. Er er-blickt überall Geheimnisse und sucht das Unergründliche gcheimnißvoll auszusprc-chen, wodurch er dunkel, bilderreich, oft spielend erscheint. Aus dem Stand-punkte der bloßen Verstandesaufklärung erscheint dieser Mysticismus als Verir-rung des religiösen Gefühls durch den Einfluß einer überspannten Phantasie; aberdie Wissenschaft, in welcher die gebildete Vernunft vorherrscht (s. Vernunft undVerstand), erkennt ihn als die natürliche Folge der Religiosität ohne Wissen-schaftlichkeit, oder als Product der bloßen Gemüthsbildung bei vernachlässigter Gei-stesbildung. Vernunft und Verstand haben nämlich ihren VcreinigungSpunkt imklaren Selbstbewußtscin, Phantasie und Gefühl aber in einem dunkeln Bewußt-sein oder Selbstgefühl. Das Gemüth schaut das Göttliche im Gefühl an, unddieses Anschauen ist Religion; die Phantasie ist ein schaffendes, gleichsam plasti-sches Vermögen, welches die Anschauungen des Gefühls symbolisirt (versinnbild-licht) und, scheinbar verwirklicht, in bedeutenden Phantasiebildern darstellt, welcheder ungebildete Verstand religiöser und wissenschastloscr Menschen für wirkliche G?^