618 Murhard (Friedrich)
unvollständig und nachlässig gedruckt. Vollständiger, genauer und kritischer ist dieschone Ausg. in 4Bdn. von David Ruhnken, Leyden 1789. Die Ausg. der sämmtl.Werke des Muretus von I. E. Kapp in Lpz. (Hanov. 1784) ist vergriffen. Manhat eine Auswahl s. „Lpistolse, praekat. et vration. etc." von Kraft (Nordhau-sen 1826) und von Kirchhof (Hanov. 1825). ei—s.
Murhard (Friedrich), Hofrath, geb. d. 7. Dec. 1779 zu Kassel. VonZugend an schien alles Ungewöhnliche und Schwierige s. Thätigkeit zu reizen; daherbetrieb er nicht allein mit Eifer die Erlernung der lat. und griech. Sprache auf demLyceum s. Vaterstadt, sondern auch das Studium des Hebräischen, Syrischen,Arabischen und Persischen, in Folge einer Bekanntschaft mit einem sich dort auf-haltenden Orientalisten. Au gleicher Zeit widmete er sich der Mathematik, unterAnleitung des Pros, und Astronomen Malsko, welcher die schnellen Fortschritte s.Zöglings ehrenvoll anerkannte. Kaum 17 I. alt, bezog M. 1796 die Univers. Göt-tingen, wo er die Vortrage von Kästner, Lichtcnberg, Blumenbach, Schlözer,Spittler, Gmelin und Buhle hörte. Schon im 18. I. erlangte er in Göttingen,nach gehaltener Disputation, die philos. Doktorwürde. Darauf schrieb er überhöhere Mathematik und hielt darüber Vorlesungen in der königl. Societät derWis-scnsch., welche ihn zum Mitglied ernannte. Der Antrag, sich in Göttingen demakademischen Lehrstuhle zu widmen, entsprach s Neigung nicht. Um Völker undLänder kennen zu lernen, ging er 1799 über Regensburg und Wien durch Ungarn,Siebenbürgen und die Walachei und schiffte sich zu Varna nach Konstantinopelein. Nach lOwöchentl. Aufenthalt in dieser Hauptstadt bereiste er mehre TheileKleinasiens und den griech. Archipel, von wo er über Triest und Wien nach Kasselzurückkehrte und die Früchte s. Reise in den „Gemälden von Konstantinopel undvom griech. Archipel" und in der gemeinschaftlich mit v. Reimers u. A. herausgeg.Aeitschc. „Konstantinopel und St.-Petersburg" bekanntmachte. Späterhin un-ternahm er eine neue Reise durch das südl. Deutschland, Frankreich, einen Theila>on Italien, durch die Schweiz, Belgien und Holland. Um eine Anstellung inKurhesien hat er nie nachgesucht, und Hr. v. Horn irrt, wenn er in s. Schrift überdie Verschwörung gegen die Person des Kurfürsten v. Hessen behauptet, daß Fr.Murhard in kurhess. Diensten gestanden habe. Nach Errichtung des Könige. West-falen übernahm M. die Redaction des officiellen westfälischen Moniteurs, wardBibliothekar am Museum zu Kassel und Präfecturrath des Fuldadepart., welcheStellen er bis zur Auflösung des Königreichs 1813 bekleidete. Seitdem wählte er,in.wohlhabender Unabhängigkeit, Frankfurt a. M. zum Wohnsitze, wo er 1821 dievon Posselt 1795 angefangencn „Europ. Annalen" u. d. T. „Allgemeine politischeAnnalen" fortsetzte: eine Zeitschrift, die bei der persönl. Unabhängigkeit des Her-ausg. vor einseitiger Beschränktheit sich bewahrte und durch freimüthige Überblickeund Darstellungen sich auszeichnete. Er mußte jedoch die Redaction derselben auf-geben, als er im Febr. 1824, auf einer Reise, in Hanau von der kurhess. Regierungverhaftet wurde. Man hielt ihn in der Sache der geheimnißvollen Drohbriefe,durch die ein Staatsdiener s. Souverain mit Argwohn umsponnen hatte, für ver-dächtig und nahm daher s. Papiere in Beschlag. Er saß anfangs in Hanau, dannauf dem sogen. Castell in Kassel in enger Haft. Ungeachtet der untersuchende Rich-ter, v. Pfeiffer, in M.'s Papieren und überhaupt Nichts entdeckt hatte, was jenenVerdacht bestätigen oder sonst ihn strafbar machen konnte, so ward er dennoch nichteher in Freiheit gesetzt, als bis der Urheber dieser Verhaftung, der kurhess. Obcr-poliseidirector, von Manger, wegen beschuldigter Abfassung jener Drohbriefeselbst in peinliche Untersuchung kam. Murhard ward jetzt, nach einer Haft von6 Monaten und 18 Tagen, aber nur, wie man sagt, gegen Caution und unterder Verpflichtung, nichts ohne Vorwissen des Chefs der Polizei dem Drucke zuübergeben, am 6. Aüg. 1824 s. Haft entlassen; er erhielt s. Papiere zurück undlebte seitdem in Kassel als Privatmann. Außer den bei Meusel verzeichn. Schuf