Druckschrift 
5 (1830) H bis Jod
Entstehung
Seite
480
Einzelbild herunterladen
 

480 Illuminatenorden

und ohne gesetzmäßige Form hart bestraft, auch den Orden, als dem Wöhle dcsStaats gefährlich, aufgehoben und dessen Fortdauer hart verpönt hatte, erloschderselbe völlig; wenigstens hat man seitdem von seiner Fortdauer keine Spur nach-gewiesen. Von der Veranlassung zur Stiftung dieses Ordens führen wir Folgen-des an. Schon auf der Universität hatte sich Weishaupt mit schriftlichen Versuche»über einen zu stiftenden Orden beschäftigt; als Ideal schwebte ihm der Freimaum-verein vor, von dessen Einrichtung, Zusammenhang, Klugheit, Behutsamenin der Auswahl der Mitglieder und unaufhörlicher Prüfung derselben er sich dieübertriebensten Vorstellungen machte. Inzwischen war er zu Ende .1773 nach In-golstadt auf den Lehrstuhl des geistlichen Rechts berufen worden, welchem die Jesui-ten seit 19 I. vorgestanden hatten. Diese boten Alles auf, ihn von dort zu un-fernen. Weishaupt, der sich nach einer Schutzwehr gegen ihre Anfeindungen um-sah, glaubte, daß geheime Verbindungen überhaupt das wirksamste Mittel gegenunverdienten Druck gewährten. Seine bereits beschlossene Aufnahme in eine Frei-maurerloge, wo er Sicherheit zu finde» hoffte, wurde anfangs durch äußere Um-stände verzögert und endlich ganz von ihm aufgegeben, als ein Abgesandter einer »nsAlchymie arbeitenden Loge in Ingolstadt ersoffen, um die fähigsten der dortigen Stu-denten dafür zu werben. Dies zu verhindern, beschloß er die Gründung eines eigne»Ordens, dessen Geist er in einer Stelle Abbt's (in dem Buche:Vom Verdienste")ausgedrückt fand. Noch bestimmter drückt sich Weishaupt später darüber also ous:Selbstdenkende Menschen aus allen Weltthcilen, von allen Ständen und aus alle»Religionen und unbeschadet ihrer Denksrciheit, trotz aller so verschiedenen Meinun-gen und Leidenschaften, durch ein gegebenes höheres Interesse in ein einziges Banddauerhaft zu vereinigen, sie dafür glühend und aufden Grad empfänglich zumachc»,daß sie in der größten Entfernung als gegenwärtig, in der Unterordnung als Gleiche,daß Viele wie ein Einziger handeln und begehren und aus eignem Antriebe, auswahrer Überzeugung von selbst thnn, was kein öffentlicher Zwang, seit Welt undMenschen sind, bewirken konnte": dies sei die Absicht, die ihm bei seinem Ordenm-geschwebt habe. So war denn unstreitig Beförderung der Weisheit und Tugend,moralische Ausbildung des Menschen und, um diese zu erreichen, zugleich Sicherungvor äußern Bedrückungen aller Art das ins Auge gefaßte Ziel; und in diesem GeisteentwarfWcishaupt die Statuten für die Ordensglieder, die er, bevor er auf dcnNa-men Jlluminaten verfiel, Perfektibilisten nannte. Am 1. Mai 1776 ward der sie-den gegründet, und als die ersten Mitglieder wurden Diejenigen ausgenommen, die ,durch diese Anstalt gerettet werden sollten. Das Ritualsystem, das Lehrgebäude unddie Gradfolge bestand aus folgenden Theilcn: Erste Elasse, Pflanzschule, n)Vorbe-rcitungsaufsatz, I») Novität, c) Minervalis, <I) Jlluminatus minor, e) Einweihungeines Magistratus. Zweite Elasse, Freimaurerei (d. i. damaliges Logenwesen), 1) !symbolische: a) Ritualbuch der Lehrlinge, der Gesellen und der Meister; b) Consti-tutionsbuch ; 2) schottische: a) Jlluminatus major, oder schottischcrNovi; b)Jllu- Iminatus dirigens, oder der schottische Ritter. Dritte Elasse, Mysterien, 1) kleine,n) Presbyter oder der Priestergrad; b) Princeps oder der Regentengrad; 2) großeMysterien, a) Magus, I>) Rex. Zur Charakteristik des Geistes dieser Versassung,die nie vollständig ausgearbeitet wurde, dient Weishaupt's eigne Erklärung, daß ihmdabei die Verfassung der Jesuiten Vorbild gewesen. Was dort zu bösen Zweckenangewandt worden, sollte hier zu guten angewandt werden. Weishaupt foderte,was bei dem Mangel an Zwangsmitteln und der Lage der Mitglieder nicht durch-zusetzen war, blinden Elehorsam der Untergebenen gegen die Obern; eine Art nonkatholischer Beichte wurde eingeführt; die Mitglieder sollten sich bemühen, allcnl-halben angesehene Männer an sich zu ziehen und in alle öffentliche Angelegenheltk»Einfluß zu gewinnen; sie sollten in den Besitz aller öffentlichen Stellen und Amtazu kommen suchen, sie sollten nicht nur über ihre eignen Fortschritte in der Mo»! )und Aufklärung monatlich Bericht erstatten, sondern auch über ihre Nebenmil