II
Hagel Hagen
gestellt. Diese Stelle ließ ihm hinlängliche Muße. Ec verheirathete sich, lebte derLiteratur, der Dichtkunst, der Freundschaft und dem geselligen Vergnügen, undstarb d. 28. Oct. 1754 im noch nicht vollendeten 47. Jahre an der Wassersucht.H. versuchte sich mit Glück in der Fabel, Erzählung, dem heitern Liede undin manchen poetischen Tändeleien, die bis dahin gewöhnlich nur mit großer Un-bcholfenhcit unternommen worden waren. Es fehlt ihm zwar an schöpferischerKraft, dagegen aber weiß er das Fremde sich mit Geschick anzueigncn. Eine Ode,selbst eine längere Erzählung gelingen ihm nicht, denn seine Begeisterung ist dafürnicht hinreichend, und einen bedeutenden Stoff vermag er nicht zu beherrschen.Die Reinheit und Gewandtheit seiner Sprache sind sehr zu loben, und sein heitererSinn erzeugt ein angenehmes Gefühl. Die beste Ausgabe seiner poetischen Werkehat Eschenburg (Hamburg 1800) in 5 Theilen hcrausgcgeben. — Sein Bruder,Christian Ludwig v. Hagedorn, geb. 1712 zu Hamburg, war 1764kursächs. Legationssecrctair, hernach geh. Legationsrath und Gcncraldirector derKunstakademien zu Dresden und Leipzig, und starb 1780 in Dresden. Sein Ver-such von charakteristischen Köpfen und Landschaften, die er theils aus eigner Erfin-dung, theils nach andern Meistern in Kupfer geätzt hat, beweist, daß er auch glück-licher Ausüber der schönen Künste war. Den meisten Ruhm erwarb er sich durchseine „Betrachtungen über die Malerei" (Leipzig 1762, 2Bde.), ein elastischesWerk von unerschöpflichem Reichthum, voll Unterricht und Kritik und mannigfal-tiger Wissenschaft.
Hagel oder Schloßen sind gefrorene Wassertheilchen, welche, in Eisklum-pen zusammengedrückt, aus der Luft niederfallen. Die Größe der Hagelkörner istsehr verschieden; man will sie von der Schwere eines Pfundes gesehen haben. Be-kanntlich hagelt es sehr selten im Winter, dagegen am häufigsten in den MonatenMai, Juni, Juli und August. Zuweilen ist der Hagel mit Regen vermischt.Bei schwerem Hagelwetter finden fast immer auch starke Gewitter statt, worausman die nicht unwahrscheinliche Vecmuthung gezogen hat, daß bei der Entstehungdes Hagels die Elektricität mitwirke. Über die Art und Weise aber sind wir imDunkeln, und können nur sagen, daß der Hagel wahrscheinlich aus Regentropfenentstehe, denen auf irgend eine Weise, unter Mitwirkung der Elektricität, beimHerabfallcn aus der Lust der Wärmcstoff entzogen worden. In der letzten Zeit hatman, unter Voraussetzung von Mitwirkung der Elektricität bei der Hagelbildung,nach Analogie der Blitzableiter, auch auf Hagelableiter gedacht. Lichtenberg,nach ihm ein gewisser Seifenheld zu Schwäbisch-Hall und Andre haben dazuVorschläge gethan. An mehren Orten befinden sich Hagelverstchecungsanstalten,namentlich in Leipzig und Halberstadt.
Hagen (Friedrich Heinrich von der), v. d. Philos., Prof, auf der Universitätzu Berlin, geb. am 19. Febr. 1780 zu Schmiedeberg in der Ukecmark, kam frühzu Verwandten nach Prenzlau, dessen Lyceum er besuchte. Im 18. Jahre bezoger die Universität Halle, um die Rechte zu studiren. 'Aber Wolfs geniale Vorträgegewannen ihn für die humanistischen Studien, und die neue Wendung der schönenWissenschaften und Kunst durch Göthc, Schiller, und später durch Tieck, Nova-lis und die beiden Schlegel, zog ihn unwiderstehlich mit fort. Zugleich begeister-ten ihn Winckelm-ann und Jean Paul, welcher schon auf der Schule bei ihm dieStelle der sonst gewöhnlichen Ossian'schen Periode eingenommen hatte. Diedauerndste und erfreulichste Wirkung aber hatte für ihn der rückhaltlose Umgangmit einigen Universitätsfceunden, welche seitdem auch der gelehrten Welt bekanntworden sind, als: Solger, Krause, Friedr. v. Raumer, Sotzmann u. A. Diedreijährige akademische Laufbahn beschloß er durch eine halbjährige Fußreise durchSüddeutschland, die Schweiz, über den Gotthard bis Jsola bella und zurück überden Simplon, den Rhein ab, Die folgenden Jahre arbeitete H. zu Berlin