Lafayette (Maria Magdaleria, Gräfin de) Laffitte 387
und was Cerutti von ihm vor vielen Jahren gesagt hat, bestätigt sein ganzes Leben:„Lafayette hat sein Schwert und seinen Charakter in Amerika erprobt. Washing-ton und Franklin scheinen ihn mit ihrem Geiste getauft zu haben. Nie hat er inverwickelter Lage einen Fehler begangen, nie in günstiger Zeit die Gelegenheit ver-loren. Er besitzt jene ruhige Unerschrockenhcit, welche kein Lärm aus der Fassungbrachte, die vielmehr oft den Lärm beschwichtigte, wenn er auftrat". 1829 ließ ers. Güler in Amerika (an Werth 300,000 Doll.) verkaufen, um Monroe's Schul-den damit zu bezahlen. Monroe nahm das Geschenk nicht an. — Aus guten Quel-len sind die für ihn mit Vorliebe geschriebenen „Nüinviros pour nervir ü I» vie duAimera! i,violette ot ä I'bintvirs >Ie I's.^einblöo vuiuitituante, rinIiAe« pur VIUegiiauIt-IVnrin" (2 Bde., Paris 1824) abgefaßt; allein L. selbst hat an dieserSchrift keinen Theil genommen.
Lafayette (Maria Magdalena, Gräfin de), geistreiche Schriftstellerin,Tochter des Gouverneurs in Havre de Grace, Aymar de Vergne. Eine sorgfältigeund gelehrte Erziehung hatte ihr eine so große Liebe zu den Wissenschaften eingeflößt,daß sie dieselben nicht allein mit Eifer beschützte, sondern auch mit glücklichem Erfolgselbst bearbeitete. 1655 heicathcte sie den Grafen Franz Lafayette und machtenun ihr Haus zum Versammlungsorte der ausgezeichnetsten Geister ihrer Zeit. Derberühmte Herzog v. Rochefoucauld stand in innigem Freundschaftsverhältniß mitihr. Unter den Gelehrten, die sich um sie versammelten, waren die vorzüglich-sten : Huet, Menage, Lafontaine und Segrais. Sie starb 1693. Ihre Schrif-ten sichern ihr einen ehrenvollen Platz unter den Schriftstellerinnen Frankreichs.Die vorzüglichsten sind: „Xaüle", „1,a ineeene ,le Oleve" und „s,n prinvesne,Ie Nontpeiuiivr". Fricdr. Schulz hat dieselben ins Deutsche übertragen.
Lafsitre (Jacques), Banquier in Paris, Ritter der Ehrenlegion und Mitgl.der Deputirtenkammer von 1816— 24, ein durch Talent, Reichthum (man schätztihn auf20Mill. Fr.) und Rcchtschaffenheit gleich ausgezeichneter Mann, geb. zu Ba-yonne 1767, machte durch Verdienst s. Glück in dem Banquierhause des ScnatorSPrrrcgaux. Er wurde 1805 Chef dieses Hauses, das er zu einem der ersten in Frank-reich erhob. 1809 ernannte ihn die Regierung zum Unterdirector der Bank von Frank-reich und 1814 zum Obcrdirector. Er verwaltete diesen wichtigen Posten, ohne dasdamit verknüpfte bedeutende Gehalt anzunehmen. Auch wurde er 1809 Präsidentder Handelskammer von Paris; 1813 kam er als Richter in das Commerztribunal.Als 1815 Frankreichs Credit auf sehr gefährlicher Spitze stand, schoß L. 2 Mill. baarvor, wodurch ein dringender Punkt der Capitulation von Paris ausgeglichen werdenkonnte. Ebenso hat Frankreich es s. Rathschlägen zu danken, daß der Credit des Staa-tes unter der Last der ihm auferlegten Kriegszahlungen keinen Augenblick wankte.Allein da sich L. auf der linken Seite in der Deputirtenkammer den Anmaßungenblinder Adsolulisten,den Ausnahmegcsctzen,den verfassungswidrigen Federungen undder Geistlichkeit widersetzte, so ward er den Ultras verhaßt und derHofpartei verdäch-tig. Er verlor 1819 die Dicection der Bank, welche der Herzog v. Gaeta mit einembeträchtlichen Gehalt erhielt; doch wurde ihm 1822 einstimmig das Geschäft als U<--Zent äs In bnngue wieder übertragen. Treffliche Reden in der Kammer, zum Theilaus dem Stegreife gehalten, haben hier ebenso sein Talent als seinen Geschäftsblickvorzüglich im Finanzfache bewiesen. Mit Nachdruck sprach er über die abscheulichenAuftritte 1820 in Paris, wo der junge Lallemand auf der Straße von einer Wacheerschossen, und Greise, Kinder und Weiber von Gendarmen niedergeritten wurden.Für die Sitzung von 1824 ward er nicht wieder erwählt. Durch s. Begünstigungder Rentenreduction schien er an Popularität verloren zu haben. Er hatte näm-lich, nebst Varing und Rothschild zu London, mit dem franz. Finanzministeriumden Vertrag zur Verwandlung der 5procent. Schuldscheine in 3proce»t. Renten zu75 Proc. abgeschlossen. Die Kammer der Abgeordneten nahm den Antrag dieser
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