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Kunz von Kaufungen
drangen sie in das Zimmer, wo die Prinzen mit einer alten Kammerfrau der Kur-fürstin schliefen. K. entführte den ältesten Prinzen, Ernst, und trug Will), v. Mo-sen auf, ihm den jungem, Albert, nachzubringen. Dieser aber hatte Zeit gesun-den, sich zu verstecken. Statt seiner bemächtigte sich Mosen des jungen Grafen v.Barby, der mit dem Prinzen in einem Bette schlief. Man war schon auf demSchloßhose, als K. den Irrthum gewahr wurde. Er übergab sogleich den PrinzenErnst seinen Gefährten und holte selbst den Prinzen Albert. Unterdeß war imSchlosse Lärm geworden, und die Kurfürstin, welche aus dem Fenster Zeugin desVorgangs war und K. erkannte, flehte um Schonung und begleitete ihre Bittenmit den größten Versprechungen. Allein sie fand kein Gehör. Ihrer Verabredunggemäß trennten sich die Verschworenen, um auf verschiedenen Wegen nach Böh-men zu gehen. K. eilte mit dem Prinzen Albert auf dem kürzesten Wege der böhm.Grenze zu, während Schönfels und Mosen mit dem Prinzen Ernst auf einem Um-wege dahin zu gelangen suchten. Mit Schnelligkeit verbreitete sich die Nachrichtvon dem Raube; allenthalben ertönte die Sturmglocke, das ganze Land war inBewegung. K. hörte den Sturm aus der Ferne und beflügelte seine Flucht. Erwar in die Gegend von Elterlein und Grünhain gekommen und kaum noch einekleine Meile von seinem Ziele entfernt. Diese Nähe flößte ihm Sicherheit ein; eswar Mittag vorüber, die Sonne brannte, und der Prinz klagte, daß er vor Durstverschmachten muffe. Nachgiebig hielt K., der, außer seinem Knechte Schweinitzund noch einem andern, seine übrigen Begleiter auf Kundschaft vorausgeschickthatte, sein Roß an, und Alle stiegen ab, um einige Beeren zu pflücken. Ein Köh-ler, Namens Schmidt, der in der Nähe seinen Mittagsschlaf in Gesellschaft seinesHundes hielt, erwachte von dem Geräusche. Dieser hatte die Sturmglocken aus derFerne gehört, und der Anblick gewappneter Männer weckte in ihm Verdacht. Ernäherte sich daher mit seinem Schürbaum und fragte K., wer er sei. Wahrend desGesprächs verwickelte sich K. mit seinen Sporen im Gestrüppe und siel. Diesen Au-genblick benutzte der Prinz, sich dem Köhler zu erkennen zu geben, welcher mit sei-nem Schürbaume die Knechte niederschlug, K., der sich nicht so schnell aufraffenkonnte, festnahm und sich mit Hülfe herbeigerufener Köhler sämmtlicher Räuberbemächtigte. Hätte der Prinz nicht selbst für K. gebeten, so würde der Köhler ihnunfehlbar todt geschlagen haben. Der Prinz wurde hierauf mit Milch, Brot undWasser gelabt, die Gefangenen aber dem Abt Liborius in Grünhain übergeben, dersie dem Voigt von Zwickau, Veit v. Schönburg, zusandte. Am folgenden Tagewurde der Prinz unter Schmidt's Anführung, von vielen Köhlern und Kloster-knechten begleitet, im Triumphe nach Altenburg geführt und der Kurfürstin über-geben, welche sogleich mit ihm und seinem Befreier zu ihrem Gemahl nach Ehem-nitz abreiste. In seiner Erzählung, die der Köhler dem Kurfürsten machte, sagte erunter Anderm: daß er den Kunz mit seinem Schürbaume weidlich getrillt habe.Davon nahm der Kurfürst Gelegenheit, ihm und seiner Familie den Namen Tril-ler beizulegen. Auf die Frage: was er zum Lohne begehre? war des einfachenMannes Verlangen nicht mehr, als freies Holz zum Kohlenbrenner!. Der Kurfürstfügte noch ein Freigut und ein jährl. Deputat an Korn hinzu, welches die Familiebis auf die neuesten Zeiten erhoben hat. Mosen und Schönfels waren indeß mitdem Prinzen Ernst bis in die Gegend von Hartenstein gekommen und hatten sichhier in einer Höhle an der Mulde versteckt, wo sie so lange bleiben wollten, bis AfleSruhig geworden, um dann im Verborgenen weiter zu ziehen. Aus dem Gesprächevon Holzhauern, die sie behorchten, erfuhren sie K.'s Schicksal. Muthlos beschlos-sen sie, für ihre Rettung zu sorgen. In dieser Absicht schrieben sie an den Amts-hauptmann, Friedrich v. Schönburg, nach Hartenstein, und erboten sich, den Prin-zen auszuliefern, wenn ihnen Begnadigung zugesichert würde; im entgegengesetztenFalle drohten sie den Prinzen zu ermorden. Schönburg, um den Prinzen zu retten,bewilligte ihre Federung. Dies geschah am 11. Juli, und schon am folgenden Tage