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6 (1830) K bis L
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345
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Kunstschulen 345

und andrer eigenthümlicher Künstler beweisen dies zur Genüge. Nur muß Jeder,welcher der Kunstübung wegen eine Reise unternimmt, vor Allem auch wirklichKünstler sein(d. h. cineDarstellungsgabc besitzen), oder die Bürgschaft dazu von derNatur empfangen haben, es zu werde», und der Kunstreisende überhaupt nicht bloßreisen, um zu reisen, d. h. um in der wilden Fremde und Ungcbundenheit in einerArt lustigen Müßiggangs allem ernsten Studium zu entsagen, mit Prahlerei undFrechheit der Leute Beutel zu fegen und eine Plage Per Bühncnvorsteher und allerMenschen zu sein, die zu ernster Thätigkeit ihre kostbare Zeit brauchen. '1'.

Kunstschulen sind Lehranstalten, in welchen zunächstdic technischen Fer-tigkeiten, deren der Künstler nicht entbehren kann, und alle die Übungen, die Augeund Hand zunächst angehen, entwickelt werden sollen. Kunstakademien sindKunstschulen höherer Ordnung, wo Nichts, was zur Entwickelung des darstellendenTalents nothwendig ist, vermißt werden darf, wo der Künstler Hülfsmittel bei-sammen findet, die der Einzelne sich nicht leicht erwerben kann, und wo für denganzen Umfang der Hülfskenntnisse ausreichende Belehrung zu finden ist. Andersaber verhält es sich mit vielen Kunstakademien in Wirklichkeit. Das sind Anstalten,sagt man, aus denen lauter Genies hervorgehen, d. h. Leute, die durch Reden undSchwatzen ihren Künstlerberus darthun, nicht eben durch Werke; wo das Techni-sche nicht besonders verstanden wird, und anspruchvolle Mittelmäßigkeit vortrefflichgedeiht. Man geht so weit, zu behaupte», daß in jedem Lande, wo die Kunst ge-blüht, sie mit dem Augenblicke verfiel, als man Akademien errichtete (vgl. Genel-li'sIdee einer Akademie der bildenden Künste", Braunschw. 1800), und nichtohne Grund können diese Behauptungen sein, da sie so oft wiederholt, an so ver-schiedenen Orten ausgesprochen worden und durch die neuesten Erfahrungen nichtwiderlegt sind. In der Einrichtung der Akademien, wie sie jetzt sind, liegt also wolder Anlaß dieser Klagen. Man übersah die Grenze, innerhalb deren sie sich haltenmüssen. Als die Akademien sich nicht bloß darauf beschränkten, die erlernbarenFertigkeiten in ihrer höchsten Vollendung für die Schüler zu bewahren, überhauptdie Kunst zu erhalten und zu vertreten, als sie versuchten, den Künsten zu gebieten,sie nach Wunsch und Willen zu lenken, beeinträchtigten sie die Individualitäten,deren Selbständigkeit vor Allem erhalten werden muß, und wurden, statt Hüte-rinnen vor den Ausartungen des Geschmacks zu sein, statt abwehrender Anstaltengegen das Sinken der Kunst, ihre nächsten Verderbcr und Feinde. Die alten Ver-hältnisse zwischen Lehrern und Lernenden änderten sich völlig oder wurden auf einensehr vornehmen Fuß eingerichtet, und die Begünstigung, welche die zweideutigsteAnlage fand, die man nicht warnend zurückwies, zogen die zudringliche Mittelmä-ßigkeit an, die einen die Eitelkeit pflegenden Müßiggang als das Höchste ansah, aber,getäuscht in ihren eignen Erwartungen, bald Klagen über Stumpfsinn, dannüber Vernachlässigung anhob. Bei der geringen Fertigkeit, die so ermäßigten An-sprüchen an die eigne Kraft genügte, waren die Leistungen unbedeutend. Die Kunst! verfiel; sie ging nach Brote. Die letzten Bedürfnisse des Staatshaushalts unddie Staatspolizei schienen unerläßlicher, als die Unterstützung solcher Erzeugnisse,wie die Gegenwart schuf. Kunst hörte auf, das liebste Bedürfniß aller Gebildetenzu sein. Denn die Kunst war eine Dienerin des Luxus, dessen Ausartungen siesich hingab, der größern Ansprüche an sich selbst nicht mehr eingedenk. Wür-den die Federungen an Alle, welche sich zu den Kunstakademien drängen, höhergestellt, würde die Übung der Darstellungsmittel bis zur höchsten Sicherheit gestei-gert (die Eorrcctheit als unerläßlich vorausgesetzt), der ganze Umfang der Hülfs-kenntnisse, welche auch das reichbegabtcste Genie nicht entbehren kann, zweckmäßig^ dargelegt und Anlaß zu naturgemäßen Übungen gegeben, so ist es keinem Zweifel

i unterworfen, daß Akademien wesentlichen Nutzen stiften könnten. Die Mittel,

die zu diesem Zwecke führen könnten, haben Mehre auseinandergesetzt; für Berlin,