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Kunstreisen
darf zu seiner Ausbildung unter den bisher genannten Künstlern des Reifens ammeisten, und der Erwerb auf Reisen durch seine Kunst kann (der Portraitist machthier nur wenig Ausnahme) nur zufällig oder untergeordneter Zweck sein. Diesesist der Grund, warum größtentheils die Kunstreisen in neuerer Zeit nach Ita-lien gemacht worden sind, wo die neuere Kunst sich zuerst über der alten, um-geben von einer südlich romantischen Natur, üppig blühend erhob. Hier reistder Archäolog und Kunstfreund, hier der Architekt und Bildhauer, welche dieschönen Denkmäler der alten, der Geschichtsmaler, der die Heiligthümcr derneuern Kunst, und der Landschaftsmaler, der dort die Natur in ihren größtenund unmuthigsten Schauplätzen, umgeben von der fcischanregcnden Wirklichkeit,zu schauen begehrt. In Hinsicht der Musik jedoch verhält es sich beinahe um-gekehrt. Denn obgleich Italien auch das Land des Gesangs und der Melodieist, so leben und reisen doch mehr italienische Virtuosen in Deutschland und in an-dern Ländern, als umgekehrt; der bildende Künstler aber würde Italien noch be-suchen, und wenn es auch ein dreifach reicheres Museum außer diesem Lande gäbe,als das Museum in Paris — war. Die sogen, ausübenden Künstler (Mu-siker und Schauspieler vorzüglich) bedürfen endlich der Reisen noch aus besondernGründen. Der ausübende Künstler bleibt auf einer sehr beschränkten Stufe derKunstbildung stehen, wenn er nur sein Publicum kennt und an den Künstlerkceis,in welchem er steht, gefesselt bleibt. Der Geschmack eines einzigen Publicums,z. B. in einer Provinzialstadt, ist sehr einseitig und steht oft sehr niedrig, je nachden Ständen und Classen, welche an einem solchen Orte den herrschenden Ton an-geben. Auch der schlechte Schauspieler wird von einem solchen Publicum zuletzt er-tragen, der mittelmäßige, da man nichts Höheres gesehen hat, mit allen seinenManieren heimisch geworden, von ihm weit über seinen Werth geschätzt, ja oft ver-göttert; und hat der talentvolle keine guten Vorbilder neben sich, so rostet dasTalent in trauriger Verwöhnung und einseitigem Mechanismus allmälig ein. ^Kunstreisen prüfen daher den Künstler, können ihn aufmerksam auf sich selbst undseine Verwöhnungen machen; sie erhalten die Künstlecfreiheit, wo Kritik ihm da-heim mangelt, denn sie zeigen ihm seine Kunst in größerer Mannigfaltigkeit, als siegewöhnlich sein Auge wahrnimmt, sie schützen vor Einseitigkeit. Die eigentlichenKunstreisen dieser Art aber setzen ein vielseitig gebildetes Land voraus, wo eine große iHauptstadt oder, wie in den meisten Ländern Europas, eine reiche Bildung durch lmehre Haupt- und Provinzialstädte vertheilt ist, deren Einwirkung sich auch dieKünste erfreuen. Aber es ist auch noch ein Grund vorhanden, warum dem aus- ^übenden Künstler vorzüglich das Reisen nahe liegt. Jeder der vorhergenannten ^Künstler stellt oder sendet sein Werk in die weite, offene Welt, das noch langenach des Meisters Tode gesehen und erkannt, in den entferntesten Ländern das An-denken desselben erneuert. In der ausübenden Kunst ist dagegen das Werk mitdem Schöpfer dahin, es lebt und stirbt mit seinem Meister. Aber die Kunst ver-langt Anerkennung, und sie kann sich nur nach allen Seiten erweitern, je mehr das !Vortreffliche allseitig anerkannt wird. Darum verlangt auch ein bedeutender ^Künstler mit Recht nach Anerkennung über seinen täglichen Aufenthalt hinaus.Dieser edle Trieb wird freilich bei gemeinem Sinn zu niedriger Gefallsucht, an !welche sich das Streben nach leidigem Erwerb anschließt. Was einerseits derKünstler, der mit einem frischen, empfänglichen Gemüth und mit steter Rücksicht ^auf die ihn beseelende Kunst reiset, durch Mannigfaltigkeit der Anschauung unddurch Anregung des Lebens, mittelst der abwechselnden Formen desselben, und was ^andrerseits das in verschiedenen Städten zerstreute Publicum der Kunstliebhaberdurch Reisen großer Künstler, die selten eine Heimath festhält, an Ausbildung undErweiterung des Geschmacks zu gewinnen vermag, läßt sich nicht schätzen, und dieKunstreisen eines Jffland, einer Bethmann, wie eines Rode, Spohr, Hermstadt