36 Kanthariden Kanton
als der türkische Krieg für Rußland unglücklich ausfiel, folgte er seinem Beschützernach Rußland, wurde russischer Fürst und Geheimerath, beförderte die Grün-dung einer Akademie in St.-Petersburg, und starb 1723 in der Ukraine auf sei-nen Gütern. In latein. Sprache schrieb er eine „Geschichte des Wachsthumsund des Sinkens des osmanischen Reichs", engl. von Nicol. Tindal (London,1734,2Bdc.,Fol.), deutsch von Schmidt (1745). Diese Geschichte des türkischenStaats vom I. 1300—1711 hat noch jetzt als treues Gemälde des anarchischenStaats großen Werth. Auch sein Sohn Antiochus oder Konstantin Deme-trius war als Hofmann, Diplomatiker und Gelehrter gleich berühmt. Er wurde1709 in Konstantinopcl geboren. Der Vater und geschickte Lehrer bildeten denJüngling, der als Lieutenant der kaiserl. Cavaliergarde ein Hauptwerkzeug desSturzes der Familie Dolgoruky wurde. Der 23jähr. Jüngling wurde russ. Ge-sandter am londoner Hofe, liebte die große Welt, die schönen Künste und Gelehr-ten ; schnell faßte er mehre lebende Sprachen, als er 1736 in Gefahr des Ecblin-dens qerieth. Er wurde in Paris geheilt und ging nun ganz zu den ernsten Wis-senschaften über, besonders zur Algebra und zur Natnrlehre, worüber er außer sei-nen geschätzten Satyren Tractate in russ. Sprache schrieb. Er kränkelte an Nie-renschmerzen und Husten ein sieches Leben fort, suchte Herstellung in Italienswärmerer Zone, und starb dort 1744. Seine Satyren wurden ins Deutsche über-setzt und fanden seiner Zeit Beifall.
Kanthariden, s. Fliegen.
Kanton, Hauptst. der chinesischen Provinz gl. N., sonst auch Quang-tongoder Koanton genannt, liegt unter 23° 3</ N. Br. und 113° 20^ Ö. L., anden Ufern des hier sehr breiten Flusses Taho. Diese große und reiche Stadt ist dereinzige See - und Handelsplatz, der den Europäern in China offen steht. Die An-gabe der Missionacien, daß die Volksmenge eine Million betrage, ist übertrieben; dieZahl von 750,000 für die Stadt möchte der Wahrheit am nächsten kommen. DerUmfang der ziemlich hohen Stadtmauern beträgt beinahe 2 deutsche Meilen, jedochist nur ein Drittthcil davon mit Gebäuden, das Übrige mit Lustgärten und Fischtei-chen besetzt. Die Umgegend ist äußerst reizend, gegen Morgen hügelig, und ge-währt dort eine liebliche Aussicht. Die meisten Häuser haben ein Stockwerk, dochsind die der Mandarinen und vornehmem Kaufleute hoch und gut gebaut. Allent-halben sieht man in der Stadt und den Vorstädten Tempel und Pagoden mit denBildern der chinesischen Gottheiten. Die volkreichen Straßen sind lang und enge,mit flachen Steinen gepflastert, und in Zwischenräumen mitTriumphbögen geziert.An beiden Seiten sieht man Waarenlädcn, und ein fortlaufendes Vordach schütztFußgänger und Hausbewohner vor den Sonnenstrahlen. Die Zugänge aller Stra-ßen werden Abends mittelst eines Schlagbaumes zugleich mit den Stadtthoren ge-schlossen. Die hiesigen Kaufleute, welche sich in den gangbarsten europäischenSprachen mit hinreichender Verständlichkeit ausdrücken, treiben ihren Handel mitPorzellan, lackirten Waaren u. dgl. fast allein mit Europäern. Den bei weitemwichtigsten Handel treiben hier die nordamerikanischen Freistaaten, und nach diesendie Briten. Das meiste Silber, das aus Amerika nach Europa gelangt, strömtüber Kanton und Batavia, wohin die Chinesen viele Landesproductc bringen, nachChin >. Die Hauptausfuhrcn sind Thee, Tusche, Firnisse, Porzellan, Rhabarber,Seide und Nanking. Auch gibt es hier eine von der chinesischen Regierung er-nannte Gesellschaft von 12 bis 13 Kaufleuten, der Kohong genannt, ausschließlichbevorrechtet, die Ladungen fremder Schiffe zu kaufen und ihnen ihre Rückfrachtenan Thee, grober Seide rc. zu liefern.' eine Einrichtung, die zwar den Privathandelbeeinträchtigt, dagegen aber die Sicherheit der mit den Mitgliedern dieser Körper-schaft handelnden Ausländer außer alle Gefahr stellt, weil jene solidarisch für ein-ander haften. Fuhrwerke gibt es hier nicht, sondern alle Lasten werden von Trä-