Druckschrift 
6 (1830) K bis L
Entstehung
Seite
12
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12 Kalypso Kamen;

traf ihn Meleagcr, daß der Wurfspieß im Rücken stecken blieb, und verwundeteihn mit dem Fangeisen, worauf die Übrigen ihn völlig erlegten. (Vergl. Me-l e a g e r.)

Kalypso, eine Tochter des Atlas (n. A. des Nereus und der Doris, oderdes Oceanus und der Thetis). Sie bewohnte die tief im Ocean liegende waldigeInsel Ogygia und lebte fern von allem Umgänge mit Göttern und Menschen.Als Ulysses an ihrer Insel Schiffbruch litt, nahm sie ihn gütig auf und versprachihm die Unsterblichkeit, wenn er sich mit ihr vermählen wollte. Allein seine Sehn-sucht nach dem Vaterlande und nach seiner Gattin überwand die Reize der Göttin.Sieben Jahre mußte er bei ihr bleiben. Endlich brachte Mercur der Kalypso vomZeus den Befehl, den Ulysses in seine Heimath zurückkehren zu lassen. DiesemBefehle durfte sie nicht widerstreben; Ulysses reiste ab, Kalypso aber, welche zweiSöhne mit ihm erzeugt hatte, den Nausinous und Nausithous, starb vor Gram.Vielfach ist dieser Stoff bearbeitet worden, neuerlich auch in einer Oper dieses Na-mens, mit Musik von Winter.

Kameel. Wir führen dieses merkwürdige asiatische, übrigens hinlänglichbekannte Thier (von den Arabern das Schiff der Wüste genannt) hier nur deß-halb auf, um zu erwähnen, daß sich schon seit Jahrhunderten in dem Großherzog-thum Toscana, nahe beiPisa, an der Küste deS mittelländischen Meeres, ein zudem Landgute Sän Rossore gehörendes Kamcelgestüt befindet, welches freilichmehr eine örtliche Merkwürdigkeit ausmacht, als daß es bedeutenden Nutzen ge-währte. Ein Großprior des Johanniterordens, von Geburt ein Pisaner, solldiese Thiergatkung zu den Zeiten der Kreuzzüge daselbst eingeführt haben, und dieZahl der gestimmten, an der Meeresküste frei herumgehenden Kameele sich auf zwei-hundert belaufen. Man bedient sich ihrer zu verschiedenen Arbeiten, welche derLandhaushalt des Guts Sän Rossore erfodert. Außerdem werden auch alle aufeuropäischen Messen und Jahrmärkten zur Schau herumgeführte Kameele hier zudem mäßigen Preise von 36 bis 40 Thlr. eingekauft. S.Br. über Jtal. a. d. Franz,des Hrn. Lullin v. Chateauvicux, v. H. Hirzel" (Lpz. 1821).

Kamecl, eine 1688 zu Amsterdam erfundene Aurüstung, um Schiffeim Wasser in die Höhe zu heben und über Untiefen zu führen. Sie bestehtaus zwei platten, mit Wasser angefüllten Fahrzeugen, zwischen welchen dasSchiff befestigt wird, und sich nachher, sowie man das in demselben befind-liche Wasser auspumpt, mit ihnen um fünf bis sechs Fuß in die Höhe hebt.Man bedient sich dieser Vorkehrung auch in Rußland, um die auf den Petersbur-ger Wersten erbauten Schiffe über die seichten Stellen der Newa nach Kron-stadt zu bringen. In Luther's Bibelübersetzung (Matth. 19, 24) bedeu-tet das Wort Kamcel ein dickes Tau, ein Ankertau: ein Ausdruck, derjetzt gänzlich veraltet und außer Gebrauch ist.

Kamenz, Flecken im preußischen Regierungsbezirke Reichenbach, KreisFrankenstein, an der Neiße. Die daselbst 1094 erbaute reiche Cistercienscr-abtci gl. N. wurde 1207 eine Augustinerpropstci, kam 1249 in den Besitzder Eisterciensec, und zählte von 1249 bis zu ihrer Aufhebung 53 Äbte.Der merkwürdigste Abt war Tobias Stusche, der Friedrichs des Großen Huldauf eine bis vor Kurzem noch unerklärliche Weise besaß. Nach einer von einemkamenzer Geistlichen handschriftlich in latein. Sprache hinterlassenen Geschichteließ der Abt einst, während des Kriegs 1741 (?), plötzlich des Abends zu einerungewöhnlichen Stunde alle Mönche durch die Glocke ins Chor rufen. Hier er-schien der Abt mit einem Fremden, Beide im Chorklcide. Es wurde Eomplet undMetten gehalten, was sonst nie der Fall war. Kaum hatten die Mönche zu betenangefangen, so entstand im Kloster ein großer Lärm. Östreichische Truppen wa-ren von Wartha her angekommen, und zeigten sich auch im Kloster und selbst in