Druckschrift 
6 (1830) K bis L
Entstehung
Seite
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Kalligraphie Kallimachus 9

der Schlacht bei Jena und Auerstädt keinen Theil, weil sein Heerhaufen zumNachzug gehörte. Am 15. Oct. trug er im Namen des Königs auf einen Waf-fenstillstand an, den aber Napoleon verweigerte. Der König zog hierauf mit deretwa 12,000 M. starken Abtheilung K.'s über Magdeburg gegen die Oder. DieVertheidigung des seit dem 10. März 1807 von dem franz. Marfchall Lefebvre be-lagerten Danzig, wo K. an Manstein's Stelle den Oberbefehl übernahm, führteer mit solcher Einsicht und Tapferkeit, daß man ihm, als Danzig (51 Tage nachEröffnung der Laufgraben) sich nicht langer halten konnte, den 24. Mai dieselbenehrenvollen Bedingungen zugestand, welche er einst der franz. Besatzung in Mainzbewilligt hatte. Am 25. Juni 1807 schloß er zu Tilsit den Waffenstillstand zwi-schen Preußen und Frankreich mit Berthier ab; hierauf am 9. Juli nebst Golz denFrieden mit Tallcyrand. Er wurde unmittelbar darauf zum Feldmarschall erho-ben. Im Januar 1810 ernannte ihn der König zum Gouverneur von Berlin;auch überbrachte er dessen Glückwunsch zu Napoleons Vermählung mit der Erzher-zogin nach Paris. Im letzten Kriege war der Graf K. Gouverneur von Bceslau.1814 kehrte er nach Berlin zurück, wo er das Gouvernement wieder übernahmund den 10. Juni 1818 starb. Er war ein Mann von seltenen Eigenschaften desGeistes und Herzens; dabei sehr witzig; als Held und Mensch gleich Hochachtungs-werth. Von seinem Sohne, dem Grafen Friedrich v. K., einem DichterundMusensreundc, haben wir die Herausgabe von Denkwürdigkeiten zu erwarten, dieder Feldmarschall hinterlassen hat.

Kalligraphie, Schönschreibekunst. Au einer schönen Schrift ist zuersterfoderlich, daß man den Buchstaben eine möglichst angenehme Form gibt. AllesÜbrige scheint sich auf den Grundsatz zu stützen, daß das Überladene entweder garkeine oder gerade die entgegengesetzte Wirkung hervorbringt. Nach diesem Grund-sätze muß bei der Kalligraphie dreierlei beobachtet werden: die verhältnißmäßigeGröße der Buchstaben, die Einfachheit und die Deutlichkeit derselben. Die Höheder langen Buchstaben muß, wenn die Schrift ein dem Auge wohlgefälliges An-sehen erhalten soll, mit den kurzen Buchstaben in einem gewissen Verhältnisse ste-hen. Dieses scheint für die deutsche Currentschrift getroffen zu sein, wenn den lan-gen Buchstaben die fünffache, und den halblangen die dreifache Höhe der kleinenBuchstaben zugemessen wird. In Betreff der Einfachheit der Schrift ist zu bemer-ken, daß zur wirklichen Schönheit derselben alle Aügc, die nicht unmittelbar zurBildung der Buchstaben nöthig sind, vermieden werden müssen, wenn das Augenicht beleidigt werden soll. Die Deutlichkeit der Schrift besteht darin, daß die Formjedes Buchstaben mit der ihr zukommenden Ausführlichkeit vollendet dargestelltwerde. Letztere Regel wird im Allgemeinen weniger verletzt, als die beiden ersten,deren Befolgung mehr Aufmerksamkeit, Geschmack und Übung erfodert. Ausge-zeichnet sind bei uns die in Kupfer gestochenen kalligraphischen Mustelschriftcn vonRoßberg in Dresden, Jäck in Berlin, Heinrichs in Köln, Kurka in Wien, Küsel(von Kettner trefflich gestochen) in Prag rc.

Kallimachus, ein griechischer Dichter und Grammatiker, von Eyrencin Libyen gebürtig, blühte unter der Regierung des Ptolcmäus Philadelphus, un-gefähr 250 vor Ehr. Aus einem vornehmen Geschlechte entsprossen, eröffnete erin Alexanderen eine Schule der Grammatik, d. h. der schönen und humanistischenWissenschaften, und bildete in derselben mehre Gelehrte von ausgezeichneten Kennt-nissen, z. B. Eratosthenes, Apollonius Rhodius, Aristophanes von Byzanz u. A.Ptolemäus Philadelphus räumte ihm eine Stelle im Museo ein und gab ihm, wieden übrigen Gelehrten, einen Gehalt. In gleicher Gunst stand er bis an seinenTod bei Ptolcmäus Evergetes. Er schrieb in dieser günstigen Lage seine meistenWerke, deren Zahl sehr beträchtlich gewesen. Wir haben, außer einigen Bruch-stücken, nur 72 Sinngedichte und 6 Hymnen von ihm übrig. Sein Gedicht auf