Druckschrift 
Theil 1, Bd. 1 (1830)
Entstehung
Seite
59
Einzelbild herunterladen
 

Kapitel, ll. tz. 18.

8S

bis zum Ozean verbreiteten sie ihre Macht "). Die Landes-hcrrschaft wurde dadurch eigentlich so wenig als die Verfassunggeändert. Indem der Wcstgothen-König sein Volk befehligteals erwähltes Haupt der Nation, ließ er sich zugleich mit derGewalt eines Generals des Reichs bekleiden, und es schien mehr,daß er seine Truppen Quartier in den Provinzen, die er besetzthielt, nehmen ließ, als daß er sie erobert hatte. Die Ediktedes Kaisers wurden immer anerkannt; die Gesetze, die Gerichts-höfe, die Münzen, die städtische Verwaltung, die Rechte der Per-sonen und des Eigenthums, alles blieb auf dem alten Fuße.Der Gvthe war bei dem Römer oder dem Gallier einquartiert,den er seinen Wirth nannte, und sehr wahrscheinlich betrachteteer sich in der That als Gast, und übte alle die Rechte aus, welchesich Soldaten anmaßen, die man bei den Bürgern ins Quartierlegt. Er an seinem Tische, er unterhielt sich auf seine Ko-sten, und indem er dieses that, beunruhigte er ihn nicht weiter,als es jeder andere römische Soldat auch gethan haben würde,der gewohnt war, in seinen Quartieren nach Gefallen über alleGüter des Einwohners zu verfügen, welcher ihn erhielt'").

Auf ähnliche Weise kamen die Burgundionen zu Sitzen inGallien. Der Gegenkaiser Jovinus ermunterte sie im Jahr 411,ihre Quartiere in der Provinz Galliens, am linken Ufer desRheines gelegen, die man das obere Germanien nannte, zu neh-men, um durch sie zugleich einen Schutz zu erlangen. Sie nah-men die Quartiere ein, bekümmerten sich übrigens wenig umden Jovinus, dessen Kops die Westgothen bald dem HonorkuSsandten. Vielleicht eben darum, weil sie den Jovinus verlassenhatten, nahm sie Honorius eben so, wie die Westgothen, unterdie Verbündeten des Reichs auf. Er erlaubte ihnen, ihre Quar-tiere von den Ufern des Genfer - See's bis zu dem Zusammen-

70) lorn-näe, äs rsl>. gslic. c,p. 81 ZZ. Olxmpivilor p.148. Hier. ß6aär. äs Laoxusäoe IV, eiirp, 7 lg. 8 »ärisoi Valseii rsr. krsiicii. III» p. 110 .

71> Sieh- hierüber und überhaupt über die Völkerwanderung in Gal-lien Eismonde de SismondiS Geschichte der Franzosen Bd.I, S. 166. ff. S. 177. 173.