Druckschrift 
4 (1830) F bis G
Entstehung
Seite
553
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Gehrung Geißelungen 55L

ftn sollten, nicht genugsam, vertmgcn sich also nicht mit der Eitelkeit der Menschen,und wurden bald verworfen. Einige neuere Hörmaschinen leiden nicht an diesenMangeln. Die eine stellt einen kleinen silbernen Trichter dar, auf dessen innerer Flächesich eine schneckenförmig vielfach gewundene Leiste befindet, wodurch ein eben solcherGang gebildet wird, dessen inneres Ende auf den Anfang des Gchörgangs trifft. Andem breiten umgebogenen Rande befinden sich einige Löcher, wodurch Bänder gezo-gen werden, um die Maschine an das äußere Ohr zu befestigen. Eine zweite bestehtaus einer vielfach gewundenen Röhre von lackirtem Blech, deren inneres engesEnde in den Gehörgang gebracht, das äußere weitere aber am äußern Ohre befe-stigt wird. Auch können 2 solche Instrumente durch einen elastischen Bügel ver-einigt und auf diese Weise in jedem Ohre eins angebracht werden. Ein drittes In-strument besteht aus einem hohlen blechernen Bügel, an welchem in der Mitte aufder vordem Fläche eine weite Öffnung befindlich ist, und dessen Schenkel in 2 sicheinwärts biegende Röhren auslaufen. Dieser Bügel wird so aus dem Kopfe unterden Haaren befestigt, daß die Mündung in seiner Mitte gleich über den obern Randder Stirn zu liegen kommt; die Röhren an den Seiten werden in den rechten undlinken Gehörgang gesteckt. Dieses letztere Instrument hat den Vortheil, daß es sehrgut die geraden, von vorn kommenden Schallstrahlen auffängt.

Gehrung, bei den Holzarbeitern die schräge, nach der Winkellinie einesrechtwinkligen Vierecks gehende Richtung und eine in solcher Richtung laufendeFläche. Daher Gehrhobel, ein Hobel, mit dem eine Gehrung gemacht wird;Gehrmaß, ein Richtscheit mit einem Anschlage oder Querbretchen am Ende, dasnach einem Winkel von 45 Graden abgeschrägt ist. Man bedient sich desselben, dieGehrung vorzuzeichnen.

Geiler (Johann, von Kaisersberg), ein berühmter Prediger, geboren zuSchaffhausen 1446 und von s. Großvater zuKaisersberg im Elsaß erzogen, studirtezu Freiburg Philosophie und Theologie und lehrte daselbst eine Zeit lang, worauf erin Basel 1472 die theologische Doctorwürde empfing. Dann wurde er in FreiburgProfessor der Theologie und folgte 1478 (86) einem Rufe nach Strasburg. Hierpredigte er im Münster auf einer prächtigen, ihm zu Ehren erbauten Kanzel mit gro-ßem Beifall, und starb, nachdem er auf eine kurze Zeit nach Augsburg gegangen war,geehrt und geliebt von seinen Mitbürgern in Strasburg 1510. G. gehört zu dengelehrtesten und originellsten Köpfen seiner Zeit. Seine Predigten, gewöhnlich la-teinisch niedergeschrieben (daher die Drucke derselben Übersetzungen aus dem Latein,sind), aber deutsch gehalten, zeigen ein eifrige« und redliches Streben nach Eindring-lichkeit, und verschmähen Witz, Spott und Schimpf nicht, um ihre Wirkung zu er-reichen. Lebendige Bilder aus dem Leben, warme Färbung, kecke Umrisse charakte-risiern seine Darstellung; und sein Eifer treibt ihn oft zu einer Derbheit der Satyre,welche unsern Ansichten von der Würde der Kanzel widerspricht. Seine Spracheist dem Geiste dieser Beredtsamkeit angemessen, kräftig bis zum Groben, frei undlebendig, keck und bunt. In mancher Hinsicht kann « für einen Vorläufer des Abra-ham a Sancta Elara gelten. Wir nennen von seinen seltenen Schriften: „142Predigten über Sebast. Brandt'- Narrcnschiff" (Strasburg 1520, Fol.); „Schiffdes Heils, der Reue und der Pönitenz" (Strasburg 1512, Fol.); „Predigten überdie Evangelien" (Strasburg 1515, Fol., u. öfter.). S. 0 F. W. Ph. v. Ammon:„Geiler v. Kaisersberg's Leben, Lehren und Predigten" (Erlangen 1826); 0. Wil-der. Weick: „Joh. Geiler v. Kaisersberg. Sein Leben unds. Schriften meinerAuswahl". Mit Einleit. und Anmerk. (Franks, a. M. 1829,3 Bde.).

LGeige, s. Violine.

" Geißelungen haben zur Züchtigung von Verbrechern zu allen Zeitenstattgefunden. Der Umstand aber, daß auch Christus und die Apostel gegeißeltworden, gab der Andächtelei finsterer Zeiten Anlaß zu willkürlichen Selbstpeinigun-