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4 (1830) F bis G
Entstehung
Seite
491
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Galizien und Lodomerien

Einw.) wird, der Sage nach, der Körper des Apostels Jakob (des Jüngern), deSSchutzpatrons von Spanien, der hier zuerst den christl. Glauben gepredigt habensoll, aufbewahrt, daher ist es ein berühmter Wallfahrtsort. Noch sind die StädteVigo, Orense, Lugo zu nennen.

Galizien und Lodomerien, ein Königreich der östreich. Monarchie,grenzt gegen W. an das östr. Schlesien, gegen N. und O. an Polen und gegenS. an Ungarn. Beide Länder waren Herzogthümer, die anfangs in einer gewissenAbhängigkeit von Ungarn standen, dann an Polen kamen, bis sie bei der Theilungvon Polen 1772 an Östreich fielen und mit Einschluß andrer Stücke, die sonst zuKleinpolen gehörten, zu einem Königreiche erhoben wurden. 1786 kam die Buko-wina, welche schon seit 1777 östreichisch war, und beider letzten Theilung Po-lens, 1795, West- oder Neugalizien mit Krakau hinzg. Dieses Neugaliziennebst Krakau mit einem Bezirk um die Stadt auf dem rechten Weichselufer,sowie den zamosker Kreis in Ostgalizien (957 UM., 1,470,024 Einw.) überließÖstreich im wiener Frieden 1809 an Napoleon, um mit dem Herzogth. Warschauvereinigt zu werden; an Rußland trat eS von Altgalizien 164 H>M. mit 400,000Einw. ab. Der pariser Friede führte den Zustand vor 1795 größtenthcils wiederzurück. Die Größe des Landes beträgt jetzt 1548 IHM. mit 4,300,000 E. DieHauptstadt ist Lembcrg. Das Land hat einen größtentheils sehr fruchtbaren Bo-den und liefert zur Ausfuhr Wintergetreide, ungeachtet der Feldbau noch nichtzweckmäßig genug betrieben wird. Der Obstbau fängt erst an, sich zu heben. Wildeund gepflegte Bienen gebenHonig und Wachs als Gegenstände des Handels. Rind-' vieh wird in Menge gezogen und in andre Gegenden verhandelt, und die zahlreichenPferde zeichnen sich durch ihre Leichtigkeit und Abhärtung aus; vorzüglich schönePferde gibt die Bukowina. Bon wilden Thieren findet man Wölfe, Bären undWildpret aller Art, vorzüglich viele Hasen; der Biber lebt hier in geringer An-zahl nomadisch in Höhlen, deren Ausgänge sich in einem Wasser endigen, in derGegend von Grudeck und am Bugflusse. Eine Art Schildläuse liefert die polnische,zum Scharlachfärben benutzte Cochenille. Unter den Mineralien ist das Salz vongroßer Wichtigkeit; es verbreitet sich durch alle bergige Theile des Landes und wirdals Steinsalz gegraben, oder auch aus Quellen ohne Gradirhäuftr versotten. Ei-sen findet sich in den meisten Gebirgen, das Erz ist aber nicht sehr ergiebig.Gold wäscht man aus der Bistriza; Flintensteine brechen vorzüglich im bochnianerund stanislawower Kreise häufig und von vorzüglicher Güte. Die vielen Alaun-schiefer werden wenig benutzt. Einige mineralische und Sauerquellen werden zuBadeanstalten benutzt. Das Königreich wird in 19 Kreise getheilt; die Regie-rung wird von der galizischen Hofkanzlei geleitet; zu Lemberg aber ist der Sitz desLandssgubernlums, welches alle Landesangelegenheitcn besorgt. Die Justiz ver-waltet das ebenfalls zu Lemberg errichtete Appellationsgericht. Seit 1775 hatGalizien Landstände, aus dem Herren - und Ritterstand und den wichtigsten Städ-ten; die Geistlichkeit macht keinen eignen Stand, Bischöfe und Äbte sind unterdem Herrenstande begriffen. Sie haben das Recht, über die Herbeischaffung, Ber-theilung u. s. w. der vom Hofe gemachten Foderungen zu verordnen, auch, wennes nöthig ist, Vorstellungen an das Landesgubernium zu machen. Für den höhernAdel hat man 17 Erzämter errichtet, sie sind aber nicht erblich. Die Kunsterzeug-nisse des Landes sind nicht erheblich; doch gibt es Taback-, Leinwand - und Har-rastuchmanufacturen, auch viele Glashütten; zur Beförderung des HandelS,welcher größtkntheils in den Händen der Juden ist, sind gute Straßen angelegt.Die herrschende Religion des Landes ist die katholische; ein Erzbischof hat zu Lem-bcrg seinen Sitz. Es gibt aber viele unirtc und nicht unirte Griechen und A>me-nier, welche unter eignen Bischöfen stehen, sowie zahlreiche Juden, die ihre Syn-agogen und einen Oberrabbi haben. Die Angelegenheiten der Lutheraner besorgt