Galilei 489
indessen so berühmt geworden, baß ihn der Großherzog Eosmoll. 1610 als grofiher-zogl. Mathematiker und Philosophen und ersten Lehrer der Mathematik zu Pisa (wo erjedoch zu wohnen nicht verpflichtet war) zu sich berief. Er hielt sich theils zu Flo-renz, theils auf dem Lustschlosse-111« »elve seines Freundes Galviati auf. Hierverschaffte er 1610 durch die Entdeckung der abwechselnden Lichtgestaltcn (Phasen)des Mercur, der Venus und des Mars dem Kopernicanischen Systeme den vollständi-gen Sieg, da durch dieselbe dieBewegung dieser Planeten um die Sonne und ihre Er-leuchtung Kurch dieselbe außer Zweifel gesetzt wurde. Darauf schrieb er über dasSchwimmen und Untersinken der festen Körper im Wasser ein Werk, in welchemer, wie in allen seinen übrigen Schriften, den Samen vieler neuen Lehren ausstreute.Während er sich so bemühte, die Grenzen der Natuclehre zu erweitern, zog sich einUngewitter über ihm zusammen. G. hatte sich in s. Werke über die Sonncnfleckenfür die Kopernicanische Wcltordnung erklärt und wurde deßhalb von s. Feinden, diedas Ansehen der Bibel dadurch für gefährdet ansahen, verketzert. Die Mönchepredigten wider ihn, und er ging nach Rom, wo eS ihm gelang, durch die Erklä-rung , daß er sein System weder mündlich noch schriftlich weiter behaupten wolle,seine Feinde zu beschwichtigen; er suchte bei dieser Gelegenheit eine größere Freiheitim Denken und Schreiben zu bewirken, wäre aber den Mißhandlungen des Jnqui-sitionsgerichts schwerlich entgangen, wenn nicht der Großherzog, die Gefahr ahnend,ihn zurückberufen hätte. 1618 gab ihm die Erscheinung dreier Kometen Veranlas-sung , seinen Freunden allgemeine Betrachtungen über diese Körper mitzutheilen.Sein Schüler, Mario Guiducci, bildete daraus eine Schrift, worin er den JesuitenGrassi scharf beurtheilte. Dieser, welcher Galilei für den Verfasser hielt, griff den-selben an. G. antwortete in s. ,,8-rxFiLtore", einem Meisterstücke von Beredt-samkcit, welches nach Algarotti die schönste Streitschrift ist, die Italien auszu-weisen hat, und ungeachtet der darin enthaltenen Irrthümer noch immer gelesen zuwerden verdient. Er zog dadurch die Feindschaft der Jesuiten auf sich. Um diese Zeitarbeitete er sein berühmtes Werk aus, worin er, ohne eins Entscheidung auszu-sprechen, 3 Personen redend einführt, davon eine das Kopernicanische, die zweitedas Ptolemäische System vertheidigt, die dritte aber Beider Gründe dergestalt ab-wägt, daß die Sache dem Anscheine nach problematisch bleibt, so wenig auch dasÜbergewicht der für Kopernicus aufgestellten Beweise zu verkennen ist. Mit die-sem unsterblichen Werke, in welchem die größte Eleganz und Schärfe des Stylsmit dem strengsten und zugleich faßlichsten Vortrage gepaart sind, begab sich G.1630 nach Rom, und es gelang ihm, das Imprimatur zu erlangen. Nachdemer eine gleiche Erlaubniß in Floren; ausgewirkt hatte, gab er eS daselbst 1632(„DinloAo rli Kalileo kslilei, (lovv ns' cooKr«88i <1i griattro Aiornate «i <j>8-vorre cke' «In« niassimi sistemi, lolvmaiea vt koperniealro") heraus. Kaumwar dasselbe erschienen, als es von den Aristotelikern, am heftigsten aber von Sci-pione Chiaramonti, Lehrer der Philosophie zu Pisa, angegriffen wurde. Lr-ban VIII , der als Privatmann des G. Freund und Verehrer gewesen, wurde seingrausamster Verfolger, da ihn die Mönche zu überreden wußten, G. habe in derPerson des Gimplicio seiner Einfalt spotten wollen, weil er den Druck eines soanstößigen Buchs erlaubt habe. So konnte es seinen Widersachern nicht schwerwerden, ihn den schimpflichsten Mißhandlungen preiszugeben, zumal da seinGönner, Eosmoli., gestorben, und die Regierung zu Florenz in den schwachenHänden des jungen Fernando II. war. Eine Congregation von Eardinälen, Mön-chen und Mathematikern, alle geschworene Feinde G.'s, untersuchten sein Wer?,verdammten es als höchst gefährlich und federten ihn vor das Jnquisitionsgcricht.Der Greis mußte sich im Winter 1633 nach Rom begeben, schmachtete einige Mo-nate in den Gefängnissen der Inquisition und wurde verdammt, die großen Wahr-heiten, die er behauptet hatte, dem Ursprünge aller Wahrheit,' auf den Knieen sie-