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Friedrich II. (König von Preußen)
wünschte den Frieden; doch zerschlugen sich die im Kloster Braunau (im Aug.) deß-halb angeknüpften Unterhandlungen. Die Heere machten hierauf gegenseitig ver-schiedene Bewegungen, jedoch ohne Entscheidung. Als aber Katharina II. erklärte,sie werde Preußen mit 60,000 M. unterstützen, so ward dieser bairische Erbfolge-krieg ohne Schlacht durch den Frieden zu T e sch e n (13. Mai 1779, s. d.) beendigt.Friedrich hatte gleich anfangs bei den Unterhandlungen großmüthig erklärt, daß erfür sich, wegen der aufgewendeten Kriegskosten, nichts begehre. Östreich willigtebloß in die Bereinigung der fränkischen Fürstenthümer mit Preußen und hob dieLehnshoheit Böhmens über diese Länder auf. 1780 siel dem Könige, nach demErlöschen des Hauses Mansfeld, derjenige Theil der Grafschaft Mansfeld anheim,der unter magdeburgischer Hoheit stand und bereits seit 200 I. administrirt wor-den war. Noch am Abend seines thatenreichen Lebens schloß Friedrich (23. Juli1785), in Berbindung mit Sachsen und Hanover, den deutschen Fürstcnbund(s. d,). Eine unheilbare Wassersucht beförderte den Tod des großen KönigS. Erstarb zu Sans-Souci am 17. Aug. 1786 im 75. Lebens - und im 47. Regierungs-jahre, und hinterließ seinem Neffen, Friedrich Wilhelm H., ein um 1325 sJM.vermehrtes Reich, einen Schatz von mehr als 70M!ll., ein Heer von 200,000 M,einen hohen Credit bei allen europäischen Mächten, und einen durch Bevölkemng,Gewerbfleiß, Wohlstand und wissenschaftliche Bildung kräftig emporgehobenenStaat. Friedrichs thatenvolles Leben hatte seine Zeitgenossen mit so hoher Ach-tung erfüllt, daß sie den Beinamen des Großen zu gering für ihn hielten; sie nann-ten ihn den Einzigen. Geläutert durch manche bitter- Erfahrung, noch ehe er denThron bestieg, gekräftigt durch das Vorbild des Vaters, unterstützt von einem sel-tenen Verstände, der sich in der einsamen Periode seines Lebens zu Rheinsberg ent-wickelt hatte, ergriff Friedrich das Steuerruder (eines Reichs, und erschüttert« zu-gleich daS ganze Staatcnsystem Europas, als er das Schwert zog, um seine reichs-ständische» Rechte und die Ansprüche seines Hauses zu retten vor den Anmaßungenund dem Drucke des kaiserl. Scepters, als er den Färstenbund, dies Meisterwerkseiner Politik nach den Bedürfnissen jener Zeit, ausdachte und errichtete. Einesseiner großen Verdienste um sein Land ist, daß er auch in den bedenklichsten Umstän-den keine Staatsschulden machte, wol aber, obschon er einen bedeutenden Theilder Einkünfte in verschiedenen Wegen wieder unter seine Unterthanen zurückfließenließ, einen Schatz sammelte, größer, als je ein Regent in Europa dergleichen besessenhat. Zu seinen Fehlern rechnet man die Geringschätzung der priesterlichen Institu-tionen, welche von seinen Zeitgenossen als Geringschätzung der Religion selbst be-trachtet wurde. Daß aber Friedrichs Her; und Geist dem höchsten Gedanken inwahrer Frömmigkeit immer offen war, das beweisen sein Leben und seine Schrif-ten. Daß unter seiner Regierung der Priester-Nimbus fast ganz erlosch, und Vielesich als Freigeister gefielen, war ein geringeres Leiden der Zeit, als die versuchte Ketzer-lehre unter seinem Nachfolger. Was man Friedrichs Freigeisterei nennt, war wei-ter nichts als ein Vorausschrciten im Geist über die Spanne seiner Zeit. Bei seinergänzlichen Unbekanntschaft mit der deutschen geistigen Bildung achtete er diese ge-ring und trug selbst nichts zu ihrer Vervollkommnung bei. Indeß muß bemerktwerden, daß die deutschen Musen, als Friedrich die franz. Bildung annahm, einekümmerliche Gestalt hatten; Friedrichs Geist konnte sich in dieser Armuth, in denabschreckenden Formen der deutschen Wissenschaft nicht gefallen, und als ein höhererGeist über diese kam, war der vielbeschäftigte König in seinem Kreise schon zu einhei-misch, als daß er für jenen noch hätte empfänglich werden können. Friedrichs sämmtl.Werke, welche vorzüglich die Geschichte, Staatswisscnschast, Kriegswissenschaft,Phi-losophie und Literatur überhaupt betreffen, femer seine poetischen und vermischtenSchriften findet man in den drei Sammlungen: „Oeuvre« postüume, cke krv-«ivrio II. etv." (Berl. 1788, 15 Bde ); „Luppleiuent sux Oeuvre« po«tku-