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52 Feen, Fernmärchen
Lebens ein, bestimmen und wenden das Schicksal, geben und nehmen Geschenke.
Neben einer Art von Allwissenheit ward ihnen hohe Macht, und ihr Stab thutWunder, wie ein Zauberstab. Doch sind beide, ihr Wissen und ihre Macht,nicht unbeschrankt. Der Macht des Zauberers unterliegen sie oft selbst, und manhat Beispiele, daß Feen, die sonst durch eigne Macht die wunderbarsten Ver-wandlungen der Wesen bewirkten, selbst Verwandlungen unterliegen mußten.Beschränkt, wie ihre Macht, ist auch ihre Willkür; nur unter Bedingungen,die nicht in ihre Macht gegeben sind, können sie wirken; denn mächtiger als o»Feen und Zauberstab ist das im Dunkeln waltende Schicksal. Wer erkenntnickt in diesen poetischen Wesen und ihrer vermittelnden Wirksamkeit einenVersuch, das ewige Räthsel der oft bis zum Wunderbaren verschlungenenBegebenheiten des Lebens zu lösen und die unsichtbaren Beweger der Naturbildlich darzustellen. Freilich ein Kindesversuch, der statt der Vernunft durchEinbildungskraft gemacht wird und an die Stelle der natürlichen Ursachenein poetisches System von Mythologie seht. Das Wunder ist deö Glaubensliebstes Kind, besonders wenn es von der Poesie gepflegt wird. — Das Va-terland dieser Mythologie der Feen ist Arabien, von wo sie durch die Trou-badours nach Europa verpflanzt ward. Der europäische Name Fee kommtvon kntnm, Schicksal; bei den Italienern heißt Fee noch Int». Zn den hi-storischen Sagen der Italiener stößt man öfters auf Feen, und es gab hier,wie bei den Arabern, Sagen, worin behauptet ward, daß eine Provinz vonFeen bewohnt sei. In Frankreich erhielten sie im 12. Jahrh, durch Lancelot vomSee ihre poetische Beglaubigung. Die wunderbare Macht der Dame vom Seevcrbwitete in Frankreich und dem Auslande den Geschmack an der Feerei, wozuPhilipp, Graf von Flandern (1191), nicht wenig beitrug. Die Klägern glaub-ten daran in den Romanen, das Volk sah Feen überall, besonders aber in verfal-lenden Schlössern oder solchen, die in Wäldern lagen, Im Schlosse von Lu-signan waltete die Fee Melusine; aber auch um Quellen und Bäume webten sie.
Eine bedeutende Rolle spielten sie fortan in den Ritterromanen und Fabliaux, undgaben der romantischen Poesie des christlichen Ritterthums einen eignen Reiz; siegehörten zur Maschinerie derselben, und die romantisch-epischen Gedichte einesBojardo, Ariosto u. A. gewannen nicht wenig dadurch. In England führten sienicht etwa erst Ehauccr und Spencer ein, sondern Erzählungen von ihnen warenso verbreitet und in den Glauben des Volks übergegangen, daß die Feen selbst dann >nicht seltsam und unnatürlich schienen, als Shakspeare sie auf die Bühne brachte.
Neben der christlichen Lehre von guten und bösen Geistern konnten sie recht gut be-stehen, und Lasso machte in seinem „Befreiten Jerusalem" einen Versuch, diesegeistigen Mittelwesin des Christen - und Heidenthums in eine poetische Harmoniezu bringen. Im letzten Viertel des 17. Jahrh, wurden aber besonders die eigent-lichen Feenmärchen Mode, und es scheint, daß auch hier die Italiener voran-gingen. „Der Pentamerone" von Basttio, vermehrt von Alessia Abbatutis, brach1667 die Bahn. Durch Ursachen, welche ihren Grund in der PrivatgeschichteLudwigs XIV. haben, kamen diese Märchen, seit der Aufhebung des Edicts vonNanres, 1685, in Frankreich an die Tagesordnung, und es kamen, nachdemPerrault 1697 die „Oontes lle ma inörs 1'0/e" herausgegeben hatte, ihrer fastzu gleicher Zeit eine Menge von verschiedenen Verfassern und Verfasserinnen inUmlauf. Es scheint fast, daß der gelehrte Orientalist Antoine Galland zurÜbersetzung der arabischen Feenmärchen: Tausend und eine Nacht (s. d.),welche 1704 herauskam, erst durch die damals herrschende Vorliebe für Erzäh-lungen dieser Art veranlaßt worden sei. Vielleicht aber hatte Galland durchfrühere Mittheilung in Pnvatcirkeln die Idee davon geweckt, die Erinnerung andie Feen in den alten Fabliaup und Rittmomanen ka>n hinzu, und man versuchte